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Abenteurer zwischen Tradition & Moderne
Von Goldgräbern und Gipfelstürmern: Die Saupers standen an der Wiege des Nationalparks Hohe Tauern, schrieben Geschichte und Geschichten und hätten beinahe einen Oscar ins Obere Mölltal geholt.

Foto © KKToni Sauper hoch zu Ross auf dem 3090 Meter hohen Sandkopf in der Goldberggruppe
Man kann auch im engsten Tal einen weiten Horizont haben, tief in der Heimat verwurzelt sein und doch über den eigenen Tellerrand hinausblicken. Die Familie Sauper aus Döllach beweist dies seit Generationen, vielleicht sogar seit dem Jahr 1470, als ein gewisser Zenz Sauper vom Stift Admont als Pächter eines Probsthofes in der Gemeinde Großkirchheim eingesetzt wurde.
Die Nachkommen des ehrwürdigen Zenz machen heute vor allem als Künstler, Wirte, Heimatforscher oder Bergführer von sich reden. Wie zum Beispiel der Alpinreiter Toni Sauper, der mit seinen zwölf Haflingern bis zu 3000 Meter hohe Tauerngipfel erklimmt und sich ehrenamtlich bei der Bergrettung engagiert. Als im Sommer 2010 ein Blitz das Glocknerkreuz traf und dieses in den Abgrund zu stürzen drohte, war der 43-Jährige an vorderster Front mit dabei, um das Kreuz zu sichern. Ebenso barg er diesen Sommer zwei Kollegen aus einer Gletscherspalte des Sonnblicks, die - leider vergebens - einem Verunglückten zuhilfe geeilt waren. "Man wird kein guter Bergsteiger, wenn man nicht kritische Situationen erlebt und überlebt", sagt Toni Sauper, der mit rund 250 Glockner-Besteigungen zu den erfahrensten seines Tales gehört. Und bisher über ein Dutzend tödlich Verunglückte vom Berg holen musste.
Die Abenteuerlust und den Pioniergeist erbte der weltoffene Bergfex von seinem Vater Hubert, der als "Schloßwirt" nichts unversucht ließ, um das Obere Mölltal touristisch und kulturell zu beleben. Der Urenkel von Peter Haritzer, der 1906 das "Kaiser Franz Joseph Haus" errichtete, wurde so zum Mitstreiter bei der Gründung des ersten österreichischen Nationalparks, ließ die Alpenseen der Gegend mit Fischen besiedeln und betätigte sich als Heimatforscher und Wiederbeleber vergessener Traditionen. Etwa der Säumerei, die in früheren Zeiten neben dem Goldwaschen zu den wichtigsten Nebeneinkünften der Mölltaler Bauern zählte. 1989, also rund 200 Jahre nachdem der letzte Säumer mit seinen Pferden den Alpenhauptkamm überquert hatte, folgte Hubert Sauper erneut dem alten, rund 300 Kilometer weiten Handelsweg zwischen Gemona und Salzburg. Sein 14-Tages-Ritt, den er gemeinsam mit seinen drei Söhnen Toni, Alois und Hubert in historischer Montur absolvierte, ist heute im Döllacher Säumermuseum nachzuvollziehen. Auch dank eines Tagebuchs, das der begnadete Geschichtenerzähler veröffentlicht hat.
Rausch und Gift
Nicht mit allen Büchern des 75-jährigen Heimatforschers haben die Mölltaller ihre Freude. In seinem Büchlein "Rausch und Gift und andere Geschichten aus meinem Tal" berichtet Sauper unter anderem von Knappen, die das verbotene Hausmittel Arsen schluckten, um sich für die harte Arbeit im Goldbergbau zu dopen. Von "süchtigen" Vorfahren im Goldrausch will man vermutlich auch anderswo nichts hören.
Saupers Courage, unbequeme Tatsachen beim Namen zu nennen, sein mit sozialem Engagement gepaarter Widerstandsgeist scheint vor allem auf seinen ältesten Sohn abgefärbt zu haben. Was der Senior hauptsächlich mit seinen Büchern zustande bringt, versucht Hubert Sauper junior mit seinen Filmen. Für seinen beklemmenden Dokumentarstreifen "Darwin´s Nightmare", der die tristen Lebensumstände der tansanischen Fischer am Viktoriasee und den gleichzeitig florierenden Waffenhandel beleuchtet, handelte sich der Regisseur sogar Todesdrohungen ein. Zahlreiche Preise, darunter eine Oscar-Nominierung, bestärkten den gebürtigen Kitzbüheler - seine Mutter entstammt dem bekannten Stanglwirt - weiterzumachen, derzeit mit einem Film über den Bürgerkrieg im Sudan. Dass Hubert Sauper zu seinen exotischen Drehorten zuweilen mit einem Ultraleichtflieger anreist, passt da nur allzu gut in das Bild des unerschrockenen, vielleicht auch dickköpfigen Mölltalers.
Gleichzeitig liegt in derlei Verwegenheit die Zukunft der gesamten Region. Im 16. Jahrhundert waren es die Gold- und Silberminen der Neuen Welt, die den Bergbau in den Tauern zum Erliegen brachten. Der Bau der Autobahn und des Felbertauerntunnels schmälerte im späten 20. Jahrhundert die touristische Bedeutung des Mölltals als Durchreisegebiet. Ein Wandel, den vor allem Gastronomen wie der Schloßwirt zu spüren bekamen.
Dank Hubert Sauper & Co. hat das Tal aber neue Schätze erhalten: fantasieanregende Geschichten über "Hüttrauch" (Arsen) schluckende Bergleute, über Haflinger, die wie Gämsen über Felsen klettern oder Naturburschen, die anderen Menschen unter Lebensgefahr zu helfen versuchen. In den heimischen Bergen ebenso wie im fernen Afrika.
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Bild vergrößernHeimatforscher, Gastronom & Dichter: Hubert Sauper vor dem Schloßwirt in DöllachFoto © KLZ/Martina Pirker
Heimatforscher, Gastronom & Dichter: Hubert Sauper vor dem Schloßwirt in DöllachGrafik © KLZ/Martina Pirker
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Bild vergrößernDokumentarfilmer Hubert Sauper jun. wurde 2006 für den Oscar nominiertFoto © Reuters/Fred Prouser
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Bild vergrößernDas 1906 gegründete Kaiser Franz Joseph Haus, heute im Besitz von Balthasar SauperFoto © KK
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Bild vergrößernDie vier Sauper-Geschwister Toni, Alois (ist Tontechniker in Wien), Anna (lebt in England) und HubertFoto © KK
Die vier Sauper-Geschwister Toni, Alois (ist Tontechniker in Wien), Anna (lebt in England) und HubertGrafik © KK



















