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Wehrbauern, Landstände, Manager
Aus Wehrbauern wurden die Glaunachs zu Unternehmern und Managern. So weitverzweigt die Familie auch ist, der Name wurde zur Seltenheit.

Foto © Die Firma Glaunach wird mittlerweile in der dritten Generation als Familienbetrieb geführt und hat es zum Weltmarktführer in ihrer Nische gebracht
Eines erkennt man gleich: Es gab in unserer Familie immer mehr Frauen als Männer", erzählen Ulrich und Alexander Glaunach, Onkel und Neffe, beim Blick auf den Familienstammbaum. Die Folge: "Dadurch, dass die Frauen immer recht gut verheiratet wurden, also mit einer ordentlichen Mitgift, schwand das Vermögen der Familie bei jeder Eheschließung. Aber gleichzeitig sind wir mit so gut wie allen traditionsreichen Kärntner Familien verwandt", erzählt Ulrich Glaunach, als Sprecher der Wietersdorfer-Gruppe einer der Topmanager des Landes. Welche Familien das sind, will man nicht gesondert aufzählen. "Wir wollen weder die einen noch die anderen hervorheben."
Eine Bescheidenheit, die sich auch sonst durch die Familie widerspiegelt. "Teil einer Jahrhunderte alten Familie zu sein, erfüllt einen mit Stolz, birgt aber auch Verantwortung", ist man sich einig.
Die letzte Kazenstain
Vor 500 Jahren wurde die Saat für den Stammbaum gesetzt. Simon Glaunacher, ein Wehrbauer, zahlte um das Jahr 1500 Lehen - so steht es im Urbar der Diözese Gurk. Der Name des in Albecks ansässigen Bauern leitet sich von Glavus ab, der Reiterlanze. In den folgenden Jahrzehnten begann der Aufstieg in den Kreis der Kärntner Landstände. 1638 schließlich verlieh Kaiser Leopold der Familie einen neuen Namen und ein neues Wappen - "Von Glaunach zum Kazen-stain". Eine Reminiszenz an die Ehefrau des damaligen Ulrich, der die letzte Namensträgerin aus dem Geschlecht der Kazen-stain heiratete.
Die Spuren, die die Familie in dieser Zeit quer über Kärnten hinterließ, sind noch heute sichtbar. Das Glaunach-Kazenstain-Haus in Klagenfurt ist heute besser als Wirtshaus "zum Augustin" bekannt und neben dem Eingang zum Maria Saaler Dom findet sich das Grab der Anna Maria Glaunach. Doch auch die Herrschaft in Emmersdorf und die Floßhütte in der Heft in Hüttenberg waren Teil des Glaunach-Vermögens.
Die Weltkriege des 20. Jahrhunderts und das persönliche Schicksal von Ulrichs Großvater Ernst von Glaunach minderten den Familienbesitz schließlich weiter. "Mein Großvater wurde im Ersten Weltkrieg als Offizier in einer der ersten Schlachten gefangen genommen. Die folgenden acht Jahre war er als Kriegsgefangener Lokomotivführer in der Nähe von Ulan Bator in der heutigen Mongolei."
Firmengründung
Herbert Glaunach, Sohn von Ernst und Vater von Ulrich, war es schließlich, der nach dem Zweiten Weltkrieg den Grundstein für die heutige Firma Glaunach legte. Zu Beginn beschäftigte er sich mit Bauakustik, heute ist das von seinem Enkel Alexander Glaunach geführte Unternehmen der Weltmarktführer für Ausblasschalldämpfer - ein Spezialprodukt für die Energieindustrie.
Nur mehr elf Glaunachs
Die Zahl der Nachfahren des Simon Glaunach aus dem Jahr 1500 schätzt Ulrich Glaunach auf über 200. Den Namen selbst tragen aber nur mehr elf Personen. Ungekröntes Familienoberhaupt ist dabei Gertie Glaunach, Ulrichs Mutter. Für ihre Trachtenpuppen war sie kärntenweit bekannt und wurde sogar mit dem Ehrenpfennig der Stadt Klagenfurt ausgezeichnet.
Den Weg in die Familie fand auch sie erst auf Umwegen. Als verwitwete Mutter zweiter Kinder lernte sie Herbert Glaunach kennen. Dieser war in einer ähnlichen Lebensphase - seine Frau hat ihn und seine beiden ältesten Söhne, Peter und Alfred, gerade verlassen gehabt. "Gemeinsam bildeten die sechs dann eine wunderbare Patchworkfamilie", erzählt Ulrich Glaunach, der gemeinsame Sohn der beiden. Peter machte Karriere als Hofrat beim Patentamt in Wien, der mittlerweile verstorbene Alfred baute die Familienfirma weiter aus und übergab sie an seinen Sohn Alexander. Seine Frau Edith ist promovierte Pharmazeutin. Die Kinder aus Gertie Glaunachs erster Ehe verschlug es noch weiter in die Welt hinaus. Tochter Ingrid lebt mit ihrer Familie in den USA, Sohn Wolfgang, früher Chef einer Werbeagentur in Wien, ist nun mit Mitte 70 als Segler auf den Weltmeeren unterwegs.
Nesthäckchen Ulrich - seine Geschwister sind zwischen 15 und 19 Jahre älter als er - verschlug es nach dem Studium nach Frankreich, wo er vor seiner Rückkehr sieben Jahre lang im Vorstand des Zementriesen Lafarge tätig war.
Rückkehr nach Kärnten
"Dass ich noch vor der Pension wieder nach Kärnten zurückkehren werde, war immer klar", erklärte er, als er das Management der Wietersdorfer-Gruppe übernahm. Heute hat er sich in Kärnten gefunden - und errichtet gewissermaßen wieder einen Familiensitz. Gemeinsam mit seiner Frau Johanna - sie stammt von den Himmelberger Zeilingern und den Wolfsberger Offners ab - revitalisieren die Eltern von drei Mädchen das Klösterle in Innerteuchen. "Wie gesagt: Es gab schon immer mehr Frauen in unserer Familie", lacht Ulrich Glaunach. Doch um den Fortbestand des Familiennamens muss man sich dank Alexanders Sohn Paul nicht sorgen.


















