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Bauernbub wurde zum Sportidol
Die Mooswalder Familie Klammer brachte einen Bürgermeister, einen Schipionier und einen Olympiasieger hervor. Zusammenhalt wird besonders großgeschrieben.

Foto © Philipp NovakEine Familie, die gemeinsam durch dick und dünn geht: Barbara, Michael und Franz Klammer (hinten) mit Bruder Klaus: "So leben, dass die Nachbarn auf einen zählen können"
Auf jedem Zaunstempl in Mooswald soll einmal Klammer stehen", hat Johann Klammer, Mooswalder Bürgermeister von 1891 bis 1906, oft gesagt. Heute ist die Familie europaweit ein Begriff. "Kaiser" Franz Klammer wurde nach 26 Weltcupsiegen, fünf Gesamtsiegen im Abfahrtsweltcup und zwei Weltmeistertiteln zur Legende. Er ist bekannter geworden, als sein Ururgroßvater es sich erträumen konnte. Am 5. Februar 1976 gewann der Bergbauernsohn Franz Klammer die Olympiaabfahrt am Patscherkofel in Innsbruck. Er ist seither, wie er lachend sagt, "Selbstvermarkter und Sportidol".
Daheim am Bergbauernhof vulgo Gruber in Mooswald über Fresach lebt mit den Klammers eine erfolgreiche Großfamilie. Michael Klammer (59), der ältere Bruder von Franz, ist der Altbauer. Der gelernte Koch und Fleischhauer hat in der Stube des Gasthauses Klammer zwischen Trophäen und Bildern des Schifahrers Franz auch Fotos der Ahnen angebracht. Da hängen zum Beispiel Bilder von Johann und Christine Klammer, den Ururgroßeltern. "Johann war von 1891 bis 1906 Jahre Bürgermeister von der damaligen Gemeinde Mooswald. Er wurde vom Kaiser Franz Joseph geehrt, Medaille und Urkunde hängen neben dem Bild", sagt Michael Klammer.
Gründer des seit 1893 bestehenden Gasthauses ist Urgroßvater Johann II. Klammer. Sein Konterfei und jenes seiner Frau Elisabeth haben in der Gaststube Fixplätze. "Auch unsere Großeltern Michel und Anna haben immer gut gewirtschaftet", sagt Michael Klammer. Ein weiteres Foto zeigt die Eltern Heinrich und Elisabeth strahlend neben Franz am Höhepunkt seiner Laufbahn. "Das war der Empfang nach dem Olympiasieg", lacht Franz Klammer.
Schisport war schon früher wichtig
Nicht erst mit den Klammerbuben zog der Schisport in die Familie ein. Schon der Vater hievte mit dem Steyr-Traktor Kinder und Freunde auf den Berg. "Die Piste haben wir selbst gebrettelt", erzählt Michael Klammer. Da war dann noch Onkel Karl Klammer (1926-1977), eines von sieben Geschwistern des Vaters. Karl war einer der ersten Schilehrer in Bad Kleinkirchheim. "Er gründete die erste Schischule in der Türkei, am Uludag bei Bursa", berichtet Franz Klammer, der als Hirter-Botschafter im Familiengasthaus zu "Villacher" greifen muss. "Eine Biermarke war hier kein Grund, etwas zu ändern", lachen Michael und seine Schwester Barbara Klammer (54). Viel zu ändern in seinem Leben hatte Klaus Klammer (52). Er ist nach einem Rennsturz am 20. Februar 1977 querschnittgelähmt. Er ist längst als Steuerberater in Mooswald erfolgreich, verheiratet und Vater von Sohn Maximilian. Sein sportlich größter Erfolg? Bruder Michael gibt spontan die Antwort: "Klaus wurde vor seinem Unfall österreichischer Jugendmeister in der Abfahrt in Schladming." Betroffen vom Schicksal des Bruders, gründete Franz die Franz-Klammer-Foundation, die bislang 40 Sportlern nach Wirbelsäulenverletzungen mit Sachleistungen wie Rehabilitation und Therapien half.
Herausforderungen wurden am Bergbauernhof am Fuß des Mirnock immer angenommen. "Wir hatten den ersten Traktor, das erste Auto, das erste Telefon, den ersten Fernseher", lacht Michael. Franz erinnert an kalte Winternächte, in denen die Kinder den Zufluss zum eigenen Kraftwerk eisfrei hielten, um die Stromversorgung für den Fernseher in der Gaststube sicherzustellen. "In der Wirtsstube sind die Leute zusammengesessen, um Löwingerbühne zu schauen, wir haben draußen geschöpft", erzählt er. Schwester Barbara ist Bilanzbuchhalterin und Hotelfachfrau. Sie wohnt in der ehemaligen einklassigen Volksschule des Orts, hilft aber oft im Gasthaus mit. Das Wirtshaus wird heute von Franz Heinrich Klammer und seiner Partnerin Carolin geführt.
Sportliche Kindheit
Alle Klammers haben mindestens einen Lehrberuf erlernt. Klaus hat sein Studium abgeschlossen. "Dabei hätte ich der Gescheite werden sollen", lacht Franz, der im Brotberuf gelernter Landwirt ist. Dass alles anders kam, hat mit Bruder Michael zu tun. Franz und Michael Klammer sind ihren Schulweg von der Mirnock-Waldgrenze hinunter in die Hauptschule nach Feistritz gelaufen - immer um die Wette, immer unter 45 Minuten. "Außerdem hat der Michael bei einem Landesjugendschitag meine ersten Blizzard-Rennschi für mich gewonnen", erinnert sich Franz.
Erfolgreicher Nachwuchs
Einmal mehr wird der Zusammenhalt der Geschwister spürbar. Die Familien leben am Berg als Nachbarn. Im Sommer ist auch der Wahlwiener Franz mit seiner Ehefrau Eva am Berg daheim - "als Sommerfrischler", wie er schmunzelnd betont. Der Wintersport ist in der Familie nach wie vor ein beherrschendes Thema. Michael Klammers Enkel, Sebastian Walder (14), ist Mitglied im Landeskader des Kärntner Schiverbandes.
Was in Zukunft von den Klammers bleiben wird, darüber sind sich alle Geschwister einig. "Der Hof, Geradlinigkeit und persönliche Stabilität unserer Kinder. Immer so leben, dass die Nachbarn auf einen zählen können", fasst Franz zusammen, und seine Geschwister nicken zustimmend.
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Bild vergrößernHochzeitsbild der Eltern Heinrich (1924-1987) und Elisabeth (1928-2011)Foto © Philipp Novak























