Bezirks- und Gemeindesuche
"Internet-Zensur in China ist unmoralisch"
Der Dalai Lama spricht im Kleine Zeitung-Interview über gewaltlosen Widerstand, die Ohnmacht der UNO und die Macht des Internets.

Foto © LPD/BodnerDer Gast dank Franz Klammer und LH Dörfler gut behütet
Weltweit zollen Ihnen die Menschen tiefen Respekt für Ihren unbeugsamen Widerstand gegen Chinas Joch und für ihren gewaltfreien Kampf zur Befreiung des tibetischen Volkes. Beschreiben Sie uns den Unterschied zwischen Ihrem und Mahatma Ghandis Weg, der Indien gewaltlos in Freiheit führte?
DALAI LAMA: Es gibt zweifellos sehr viele Gemeinsamkeiten, auf jeden Fall verbindet mich mit meinen Ansichten sehr viel mit Mahatma Ghandi. Der wesentliche Unterschied ist: Mahatma Ghandi war ein Hindu, ich bin Buddhist. Mir ist es dabei aber sehr wichtig, auch die Leute zu erreichen, die keine Gläubigen sind und keine Religion wollen.
Was ist Ihr eindringlichster Wunsch für Tibet an die Vereinten Nationen, die UNO?
DALAI LAMA: Nach der Besetzung Tibets durch China haben die Tibeter 1960 einen Aufruf an die Vereinten Nationen gemacht, aber bis heute keine positive Antwort darauf erhalten. Wir versuchen seither direkt mit der Volksrepublik China ins Gespräch zu kommen und nicht über die UNO, weil sich da nichts bewegt. Bisher gibt es auch weltweit keine Regierung, die die tibetische Exilregierung anerkannt hat. Im Moment gibt es auch keine Aussicht auf Anerkennung durch andere Regierungen. Die Tibeter selbst benutzen nicht einmal die Bezeichnung Exilregierung, sondern sprechen von Exilverwaltung. Diese Einschätzung könnte sich ändern, derzeit ist das aber nicht realistisch.
Bei der arabischen Revolution haben Twitter und Facebook eine wichtige Rolle im Kampf um demokratische Wahlen gespielt. Glauben Sie, dass das Internet mit seiner Transparenz auch China verändern wird und dem tibetischen Volk helfen kann?
DALAI LAMA: Internet wird selbstverständlich auch in China benutzt, aber natürlich unterliegt es der Zensur und daher wirkt es nur sehr eingeschränkt, aber es wird seine Auswirkungen auch in China und Tibet haben. Zensur ist unmoralisch. 1,3 Milliarden Menschen in China sollten sich ohne Zensur selbst ein Bild von den Verhältnissen in Tibet machen können.
Sie sind als Vierzehnter in einer durchgehenden Linie von Reinkarnationen ein Gottkönig. Wie kann sich da für Tibet selbst ein demokratisches Gefüge vorstellen?
DALAI LAMA: In Tibet gibt es eine große Wertschätzung und einen großen Wunsch nach Demokratie. Daher habe ich auch die Wahl des nächsten Dalai Lama an die Verwaltung abgegeben. Gottkönig ist ein Unsinn. Wir alle sind in erster Linie ein menschliches Wesen.





















