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Buddhismus in der Messehalle zwischen Gelassenheit und Kommerz
Eindrücke von der buddhistischen Unterweisung durch den Dalai Lama in der Klagenfurter Messehalle.

Foto © APADer Dalai Lama hält in Klagenfurt buddhistische Unterweisungen ab
Die Morgensonne scheint auf das Messegelände Klagenfurt. Der Dalai Lama hält an zwei Tagen, Freitag und Samstag, Vorträge mit buddhistischen Belehrungen. Die berühmte buddhistische Gelassenheit ist schon da. In kleinen Grüppchen, zu zweit, zu dritt, spazieren die zu Erleuchtenden in Richtung der Halle 5, wo der Einlass ist. Jetzt gilt es entspannt und aufnahmefähig zu sein. Immerhin mussten für die Tickets bis zu 150 Euro hingeblättert werden.
Security Check
Eine Schlange für die Frauen, eine für die Männer. Alles ganz relaxed. "Bitte darf ich in die Tasche schauen?" Die junge Frau ist sehr höflich. Bevor sie mich abtastet fragt sie, ob ich etwas bei mir habe. Nein. Abgetastet werde ich trotzdem. "Wir haben schon einiges abgenommen, Nagelfeilen, Nagelscheren ...", berichtet ein Sicherheitsmann stolz lächelnd. Keine Maniküre in Anwesenheit seiner Heiligkeit. Weiter geht es. Die Halle 5 ist ein Markt. An den vielen Ständen wird Buntes, Geschnörkeltes, Exotisches, in Plastik Verpacktes angeboten. Auch Politisches, Unterschriftenlisten. Und viel Schmuck.
Trotz der vielen Menschen ist es recht ruhig in der Halle. Man spricht in gedämpften Ton. Schaut. Staunt. Buddhisten, spirituell Suchende, Neugierige, Mitgeschleifte. Ein Fan von Batikmode blättert in einem Heft über Yoga. Dann, ein kurzer Aufruhr. "Brigitte!" Eine Frau mit kurz geschorenem Haar, in der Tracht buddhistischer Nonnen gekleidet und mit rosa Brille auf der Nase fällt einem recht unauffällig gekleideten Mann um den Hals. Da kennt sich wohl wer.
An der nächsten Ecke werden Pepsi und Eistee verkauft. Weiter zur Halle 1. Aus Sicherheitsgründen verboten sind: Mobiltelefone, Fotoapparate, Zigaretten, Koffer, Getränke, Waffen und Hunde - in dieser Reihenfolge. "Thank you for your understanding." Ein Stempel gibt es auf die Eintrittskarte und ein rotes Banderl um das rechte Handgelenk. Gedankenverloren binde ich es mir um das linke.
Tashi Delek. Willkommen. Benvenuto. Im vorderen Teil des Saals, in dem schon der Musikantenstadel feierte, ist eine prächtige Bühne aufgebaut. In deren Mitte steht der Thron für "Seine Heiligkeit". Daneben sitzt auf Polstern ein Tross buddhistischer Mönche, alles hohe Würdenträger, wie man mir erklärt. Im Vergleich dazu sind die Plastikstühle für das Publikum spartanisch. Heilig ist eben nicht jeder. Vor der Bühne haben sich ein paar Frauen die Schuhe ausgezogen. Sie knien sich hin, senken den Kopf zum Boden, beten. Es ist einigermaßen frisch im Saal. Auf Videoleinwänden gibt es eine Einführung. In der Früh, vor den buddhistischen Unterweisungen, soll man kein Fleisch, keine Zwiebeln, keinen Knoblauch essen. Ups. Ich hatte Kräuter-Knoblauch-Frischkäse und Schinken auf meinem Frühstücksbrot. Zu spät.
Jetzt macht das Tibetzentrum in Hüttenberg Werbung. Eine unglaublich gelassene, ja ausdruckslose bis gelangweilte Frauenstimme erklärt: "Wir bieten Kurse in klassischem und gesprochenem Tibetisch, traditioneller tibetischer Medizin. Traditioneller tibetischer Massage, buddhistischer Philosophie, buddhistischer Religion ..." Das Kursprogramm wird beim Einlass ausgeteilt.
Durch die Luft schallen einschläfernde, monotone Männer-Meditationslaute vom Band, unterbrochen von dumpfem, metallischem Klirren. Vor der Damentoilette hat sich eine beeindruckende Schlange gebildet. Ton aus. "Seine Heiligkeit wird in Kürze da sein." Handy ausmachen, Fotoapparate wegpacken. Die Belehrungen werden aufgezeichnet und können danach gekauft werden.
Dalai Lama betritt den Raum
Plötzlich ist es noch ruhiger als zuvor. Die Leute stehen auf. Der lustige, alte Mann kommt zur Seite herein, schaut sich mit dem für ihn typischen schelmischen Blick um. Sein Auftreten wirkt erfrischend, wenn man die steife Art des katholischen Klerus gewohnt ist. Der Dalai Lama begrüßt die Leute und steigt auf die Bühne. Noch immer haben sich die Sesselreihen nicht gefüllt. Etwa 3.500 der 5.000 Sitzplätze sind besetzt, heißt es vonseiten der Security.
"Hello, good morning everybody." Klatschen. Es folgt eine Rede zum Thema Toleranz zwischen den Religionen in Englisch. Ein Dolmetscher übersetzt anschließend ins Deutsche. "Die eigene Tradition und Religion ist hilfreich, aber es ist unmöglich zu sagen, es gibt auf der Welt nur eine Wahrheit, eine Religion - es gibt viele."
Nach dieser Einführung wird erst einmal gebetet, dann geht es weiter mit der Weisheit. Die Mönche starten einen monotonen Gesang. Der Dalai Lama faltet die Hände und wippt hin und zurück. Das Publikum wirkt recht unbeteiligt. Einzelne haben die Hände gefaltet, die Augen geschlossen. Viele schauen sich um. Dann folgt der Vortrag. Gespickt mit sympathischer Selbstironie gibt der Friedensnobelpreisträger durchaus Vernünftiges zu Religiosität und Frömmelei, menschlichem Miteinander, Materialismus und Toleranz von sich.
Viele Besucher lauschen gespannt, einige unterhalten sich. Eine spirituelle Stimmung will trotzdem nicht so recht aufkommen. Es ist nach wie vor recht frisch in der Halle. Immer wieder hört man lautes Kindergeschrei. Es herrscht ein reges Kommen und Gehen. Vor der Halle bereiten Frauen an den Ständen das Mittagessen vor. Es gibt tibetische Teigtaschen, genannt "Momos" - mit Fleisch oder vegetarisch.
























