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AvW-Chef hat immer wieder "Häfn-Urlaub" Oberlandesgericht verurteilte Berater zu Schadenersatz Voriger Artikel Aktuelle Artikel: AvW Nächster Artikel AvW-Chef hat immer wieder "Häfn-Urlaub" Oberlandesgericht verurteilte Berater zu Schadenersatz
Zuletzt aktualisiert: 30.10.2011 um 21:08 UhrKommentare

Wann sehen die Anleger ihr Geld?

Vor drei Jahren brach das Pyramiden-Spiel AvW zusammen. Anleger werden wohl noch weitere Jahre auf ihr Geld warten. Kleine Zeitung-Wirtschaftsredakteur Thomas Cik beantwortet sieben Fragen zur Thematik.

Frühestens Anfang 2014 sehen die AvW-Investoren einen Teil ihres Geldes HW

Foto © WeichselbraunFrühestens Anfang 2014 sehen die AvW-Investoren einen Teil ihres Geldes HW

1. Wie viel Geld brachte der Verkauf der Aktien und Immobilien aus den AvW-Gesellschaften?

ANTWORT: Insgesamt erzielten die Masseverwalter Ernst Malleg und Gerhard Brandl aus dem Verkauf von Aktien und Beteiligungen einen Erlös von 106,9 Millionen Euro. 38,9 Millionen Euro mussten sie allerdings unmittelbar abgeben, da die Grazer Capital Bank ein Pfandrecht auf Aktien in eben diesem Gegenwert hatte. Die einfache Rechnung, dass nun noch 68 Millionen Euro für die Auszahlung an die Anleger zur Verfügung stehen, geht allerdings nicht auf. Alleine das Finanzamt hat eine Forderung von 50 Millionen Euro angemeldet. Laut Ansicht der Steuerbehörde haben die AvW Gesellschaften über Jahre zu wenig Steuern gezahlt.

2. Kann man noch an anderen Stellen Geld für die rund 12.500 Anleger erlösen?

ANTWORT: Es gibt noch drei Immobilien zu verwerten - zwei unbebaute Grundstücke und die ehemalige Firmenzentrale (Blaues Haus) in Krumpendorf. Letztere wollte man ursprünglich um 360.000 Euro verwerten, mangels Interesse wurde der Preis herabgesetzt. Jetzt hoffen die Masseverwalter auf 250.000 Euro. Dadurch, dass über Wolfgang Auer-Welsbach noch die Privatinsolvenz eröffnet wurde, kann man nun auch auf das Vermögen seiner Stiftungen zugreifen. Davon ist allerdings nicht viel zu erwarten. In der Stiftung befinden sich - mittlerweile wertlose - Aktien der AvW Invest und Auer-Welsbachs privates Wohnhaus (Gelbes Haus) in Krumpendorf. Wenn es rechtlich möglich ist, wollen die Masseverwalter auch diese Liegenschaft verwerten.

3. Was ist von der Klage gegen Ex-Aufsichtsrat Rudolf Rheindt und den Wirtschaftsprüfer zu erwarten?

ANTWORT: Die Klage gegen den Ex-Aufsichtsrat wird von einzelnen Anleger-Anwälten für ihre Mandanten betrieben. Jene gegen die Finanzmarktaufsicht übrigens auch. Schadensersatzzahlungen, die hier anfallen würden, würden nur den jeweils Klagenden zugutekommen. Bei der Klage gegen den ehemaligen Wirtschaftsprüfer hängt alles davon ab, wie hoch dessen Versicherungssumme ist. Ein erster Klagsentwurf sieht die Schadensersatzsumme von 136 Millionen Euro vor. Noch ist aber unklar, in welcher Höhe die Klage tatsächlich eingebracht wird.

4. Wie steht es im Strafverfahren gegen übrige Beteiligte in der Causa AvW?

ANTWORT: Insgesamt gab es 27 Beschuldigte im Strafverfahren. An erster Stelle natürlich den mittlerweile verurteilten Wolfgang Auer-Welsbach und Hans Linz, den Hauptvermittler der Genussscheine. Linz - die Anklage nannte ihn den "Madoff von Grimming" wurde zu sieben Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Wolfgang Auer- Welsbach zu acht Jahren. Diese verbüßt er derzeit in der Strafanstalt Karlau in Graz. Ein Interview mit ihm wurde vom Justizministerium abgelehnt. Die übrigen Fälle sind noch nicht abgeschlossen, damit, dass noch Anklagen erhoben werden, rechnet man im Umfeld der Klagenfurter Staatsanwaltschaft allerdings nicht mehr.

5. Wie viel verdienen die Masseverwalter der AvW-Gesellschaften an dem Konkurs?

ANTWORT: Diese Frage kann erst nach Abschluss des Verfahrens endgültig beantwortet werden. Bis jetzt wurden 300.000 Euro ausbezahlt. Gleichzeitig führen die Masseverwalter Brandl und Malleg an, dass man in den 18 Monaten, die man bisher in die Aufarbeitung des Konkurses investierte, 24.000 Forderungen prüfen musste. Zusätzlich wurden bisher rund 160.000 Euro an Kosten für externe Gutachter - etwa für die Verwertung von Wertpapieren und Immobilien - fällig.

6. Zu Konkursbeginn war unklar, ob die Anleger überhaupt Geld erhalten - wie ist der Status hier?

ANTWORT: Die Unklarheiten sind immer noch nicht beseitigt. Die zentrale Frage ist, ob das Geld, das über Genussscheine eingesammelt wurde, zum Kernkapital zählt, oder nicht. Ab dem 25. November werden die Masseverwalter gemeinsam mit dem Verein für Konsumenteninformation sechs Klagen vorantreiben, um vom Obersten Gerichtshof klare Entscheidungen zur Genussscheins-Problematik zu erzwingen. Ende 2013 ist mit den endgültigen Entscheidungen zu rechnen, wodurch es Anfang 2014 zu ersten Teilauszahlungen kommen könnte. Abgeschlossen wäre das Insolvenzverfahren damit allerdings noch nicht. Auch mit zwei Banken streitet man sich noch über die Summe von 36 Millionen Euro. Daher kann man noch nichts zur Summe sagen, die die Anleger bekommen könnten.

7. Was ist von den Klagen gegen die Raiffeisen- Bezirksbank Klagenfurt zu erwarten?

ANTWORT: Die Raiffeisen-Bezirksbank Klagenfurt musste ja vor knapp einem Monat von der Raiffeisen Landesbank Kärnten geschluckt werden - wegen enormer Risiken im Zusammenhang mit dem AvW-Verfahren, das gegen die Bank anhängt. Die RBB Klagenfurt war Depotbank für die AvW-Genussscheine. Der Oberste Gerichtshof hat zwar kürzlich ein Urteil aufgehoben und an die erste Instanz zurückverwiesen, in dem AvW-Opfern Entschädigungen, durch die RBB zugesprochen wurden. Die RBB muss aber ob der weiter bestehenden Prozessrisiken - schließlich wird neu verhandelt werden - finanzielle Reserven in der Höhe von 450 Millionen Euro der Bilanz führen. Auch hier muss man - wie im Fall der Genussscheine - das Urteil des OGH abwarten.

THOMAS CIK

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