Bezirks- und Gemeindesuche
Für AvW in Schulden gestürzt
Kärntner Angestellter verlor durch AvW 170.000 Euro. Er wurde von einem befreundeten Vermittler sogar zur Aufnahme eines Kredites überredet. Ein steirischer Kunde lukrierte kurz vor dem Zusammenbruch noch drei Millionen.

Foto © WeichselbraunDer vierte Tag im AvW-Prozess gibt Einblicke in die Tricks der Vermittler und das Seelenleben der Kunden. "Es war die Gier, vielleicht"
Es ist Zeit, an Ihr Geld zu denken" - dieser Werbeslogan der AvW-Gruppe hat Herbert H. aus Krumpendorf in die finanzielle Katastrophe seines Lebens geritten. H. verlor durch AvW knapp 170.000 Euro. Nun steht er als Zeuge vor Gericht und kennt sich selbst nicht mehr. Warum er investiert habe? "Aus Gier, vielleicht."
Der technische Angestellte hat heute Schulden, die er begleichen muss bis er 80 ist. Falls er die Raten nicht schafft, ist sein belehntes Haus weg, "das ich zuvor 20, 30 Jahre abgestottert habe".
Alles begann harmlos mit den Ratschlägen eines befreundeten Vermittlers: "Ein AvW-Investment ist sicherer als ein Sparbuch. Es ist breit gestreut: Wald, Minen, Gold", sagte der und untermalte das mit bunten Kurs-Kurven. "13 bis 18 Prozent Gewinn wurden mir in Aussicht gestellt. Und das Wichtigste: Ich könnte die Genussscheine jederzeit zurückgeben. Das Geld würde mir dann binnen zehn Tagen überwiesen", sagt H. trocken. Da griff der 55-Jährige, der älter aussieht als er ist, 2002 zu: mit 40.000 Euro - zunächst als "Altersvorsorge".
Als er jedoch sah, dass sein Geld - auf dem Papier - jedes Monat mehr wert wurde und sein Berater weiter mit den Kurven anrückte, wollte er mehr. "Irgendwann war ich so blöd und hab's getan, obwohl ich mich nicht verschulden wollte." H. nahm einen Franken-Kredit über 100.000 Euro auf sein Haus auf - und kaufte davon Genussscheine.
Kein Cent mehr
Von seinem Geld hat H. nie mehr je einen Cent gesehen. Doch damit nicht genug: Er muss auch noch die Versicherung abzahlen, die er für den endfälligen Kredit aufgenommen hat. Und er muss noch lange leben, denn es ist eine Erlebens-Versicherung.
"Glückspilz"
Mehr "Glück" hatte da ein Großkunde eines selbstständigen Vermittlers aus Weiz in der Steiermark. Der Investor verkaufte seine Papiere just am 30. September - einen Tag vor der Zahlungsunfähigkeit von AvW - zurück und bekam sein Geld ordnungsgemäß überwiesen: drei Millionen Euro. Davon waren 1,5 Millionen Euro Gewinn. Danach sah niemand mehr etwas.

















