Bezirks- und Gemeindesuche
Das bittere Ende der AvW-Genussscheine
272 Millionen Euro Schaden und 12.500 Geschädigte: Am Dienstag startet mit dem AvW-Verfahren einer der größten Prozesse der Zweiten Republik. Am Donnerstag beginnt dann das Beweisverfahren.

Foto © EggenbergerWolfgang Auer-Welsbach, hier bei der Tagsatzung im AvW-Konkursverfahren im Juli 2010, sitzt seit April in U-Haft
Die Krankenschwester hat investiert, der Holzarbeiter, der Angestellte, der Arzt. Aber auch prominente Namen sind unter den Anlegern. So soll Außenminister Michael Spindelegger AvW-Papiere gekauft haben, die Schi-Stars Michael Walchhofer und Fritz Strobl, Regisseur Reinhard Schwabenitzky und seine Frau, die Schauspielerin Elfi Eschke.
30.000 Euro durchschnittlich
Im Schnitt steckten die Anleger 30.000 Euro in die Firma des Krumpendorfer Finanzzampanos Wolfgang Auer-Welsbach (54). Nach der Pleite schauten 12.500 Anleger durch die Finger. Mehr als 272 Millionen Euro versanken in diesem Wirtschaftskrimi vom Wörthersee.
Der Strafprozess, der am Dienstag am Landesgericht Klagenfurt beginnt, wird daher einer der größten Prozesse der Zweiten Republik. Auer-Welsbach - er sitzt seit April 2010 in U-Haft - muss sich wegen gewerbsmäßigem Betrug, Untreue, Bilanzfälschung und Beweismittel-Fälschung verantworten. Der als Wolfgang Schurian Geborene betrieb eine Art Pyramidensystem mit Genussscheinen, das die Weltwirtschaftskrise im Herbst 2008 einstürzen ließ. Bis dahin hatten jene, die ihr Geld wieder herausnahmen, teilweise 50, ja 60 Prozent Gewinn gemacht.
Nun ist die Anklage 458 Seiten dick. 130 Anwälte vertreten die Geprellten, vorwiegend Kleinanleger, die zu jenen Zeiten investierten als das Sparbuch als uncool galt. Es war auch die Hochblüte von Meinl und Immofinanz.
Privatvermögen von Auer-Welsbach ist "endenwollend"
Eine Verurteilung von Auer-Welsbach, der sich für unschuldig hält, gilt als wahrscheinlich. Mehr als zehn bis 20 Prozent ihres Einsatzes (von Zinsen ganz zu schweigen) dürfen sich die Anleger aber nicht erwarten. Zwar arbeiten die Masseverwalter zügig. Doch das Privatvermögen von Auer-Welsbach ist "endenwollend", sagt Konsumentenschützer Peter Kolba, der 700 Geschädigte vertritt.
Die Anwälte setzen daher auf "Nebenschauplätze". Erich Holzinger aus Liezen bereitet eine Amtshaftungsklage gegen die Republik vor. Konkret sollen Finanzmarkt- und Bundeswertpapieraufsicht sowie das Finanzamt Klagenfurt ihre Pflichten verletzt haben. Auch geht er gegen die RBB als Vermittlerin vor. "Das Motto ist jetzt: jeder gegen jeden. Ich sehe gute Chancen, versprechen kann ich nichts", sagt Holzinger. Auch Rating-Agenturen fallen in Ungnade. So verklagt Anwalt Arno Likar aus Graz die Agenur Dun & Bradstreet. Er sagt: "Viele wurden durch deren positiven Bewertungen zum Kauf der AvW-Scheine veranlasst."
Hätte man das nicht früher sehen können? Anleger-Schützer Wilhelm Rasinger: "Es war klar, dass Auer-Welsbach nicht König Midas ist. Aber das zu wissen war zu wenig."
Features
Der Mega-Prozess
Um 9.30 Uhr beginnt am Dienstag der AvW-Prozess. Nach den Plädoyers von Staatsanwalt und Verteidiger wird an den ersten beiden Verhandlungstagen der Beschuldigte Auer-Welsbach einvernommen. Der Prozess ist bis 2. März angesetzt.
Am Donnerstag beginnt das Beweisverfahren.
Erster Zeuge (von 50) ist Ex-AvW-Vorstand Arnulf Komposch.
Eine Video-Wand soll den Juristen schnelleren Zugang zu dem 25.000 Seiten umfassenden Aktenberg bieten.
Prominente Investoren
lfi Eschke und Reinhard Schwabenitzky sollen durch AvW-Genussscheine 730.000 Euro verloren haben.
Michael Spindelegger soll 2007 - er war Zweiter Nationalratspräsident - in AvW investiert haben: 14.000 Euro.
Fritz Strobl soll durch sein Investment in AvW-Papiere um knapp 45.000 Euro umgefallen sein.














