KlagenfurtFamilientragödie: Streit um Millionen als Tatmotiv

Obduktion der Leichen bestätigte Mord an 71-jähriger Frau, verübt von ihrem Bruder (73). Der beging danach Suizid. Geschwister stritten vermutlich um Millionen aus Grundstücksverkauf.

Spurensicherer am Tatort
Spurensicherer am Tatort © Elisabeth Peutz
 

Äußerst gepflegt wirken das Haus und der Garten in der Nähe der Klagenfurter Innenstadt. Aber hinter der makellosen Fassade hat sich eine Familientragödie ereignet. Polizisten fanden am Montag kurz nach 11 Uhr in der Villa die Leichen zweier Menschen - die eines 73 Jahre alten Mannes und die seiner um zwei Jahre jüngeren Schwester.

Laut Pressestelle der Landespolizeidirektion LPD hatte eine Freundin der Frau mit der 71-Jährigen ein Treffen vereinbart. Aber die Frau war dazu nicht erschienen. „Der Freundin gelang es auch nicht, sie telefonisch zu erreichen. Sie ging zu dem Haus und fand die Tür unversperrt“, sagt ein Polizeisprecher. Die Frau habe es nicht gewagt, das Haus zu betreten. „Sie hat stattdessen die Polizei gerufen.“

Zu Recht, wie sich schnell herausstellen sollte: Die Beamten einer Streife fanden zunächst die Leiche der Frau im Parterre. Sie suchten dann weiter. „Sie haben sich vorsichtig durchs Haus gearbeitet“, erklärt der Polizeisprecher. In einem der Räume hätte ja ein bewaffneter Täter sein können.

Die Polizisten fanden dann den Bruder der Frau auf dem Dachboden des Hauses. Er hatte sich offenbar das Leben genommen. Sie verständigten sofort das Landeskriminalamt.

Wenig später waren am Tatort auch die Spurensicherer im Einsatz. Montag am späten Abend war die gerichtsmedizinische Obduktion der beiden Toten abgeschlossen. Oberst Gottlieb Türk, Leiter des Landeskriminalamtes, gibt erste Ergebnisse bekannt: "Die Frau starb durch Einwirkung körperlicher Gewalt. Eine Tatwaffe war nach den bisherigen Ermittlungsergebnissen nicht im Spiel." Die Annahme, dass der 73-Jährige seine Schwester massiv gewürgt und danach durch Schläge getötet habe, will Türk "weder bestätigen noch dementieren."

Fataler Heimaturlaub

Die 71-Jährige, die an sich in Rom bei ihrer Tochter gelebt hatte, war regelmäßig in Kärnten gewesen. Sie bewohnte dann die Wohnung im ersten Stock des Hauses. Ihr Bruder wohnte im Erdgeschoß. Am Dienstag werden die Tochter und ihr Bruder (er lebt in Paris) zu ausführlichen Einvernahmen im Landeskriminalamt erwartet. Von den Gesprächen erhoffen sich die Kriminalisten weitere Details zu den Motiven für das Gewaltverbrechen.

Erbe ans Tierheim?

Nach Angaben von Nachbarn wollte der Mann, der ein großer Tierfreund war, sein Geld dem Tierheim vererben, berichtet die Austria Presse Agentur (APA). Er hatte früher zahlreiche Haustiere gehabt, vor allem Katzen. Von seiner Tierliebe zeugen nach wie vor zahlreiche Tierfiguren im Garten und auf dem Balkon des Hauses. Die Schwester soll mit dem Plan ihres Bruders bezüglich der Erbschaft nicht einverstanden gewesen sein. Dem Vernehmen nach gab es darüber verbale Auseinandersetzungen. Die Polizei kann diese Informationen allerdings nicht bestätigen.

Der Mann war ein großer Tierfreund
Der Mann war ein großer Tierfreund Foto © Elisabeth Peutz

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