RücktrittSuche nach neuem SPÖ-Gemeindemandatar

Dieter Berger legte mit sofortiger Wirkung sein Gemeinderatsmandat in Villach und alle Funktionen in der SPÖ zurück. Ablehnung eines Obdachlosenheimes war ausschlaggebend: "Kann diesen Weg nicht mehr mitgehen."

Dieter Berger
Dieter Berger © Stadt Villach/Christian Schneider
 

Dieter Berger (34) hat genug. Genug von der SPÖ Villach. Der Angestellte legt am Dienstag sein Gemeinderatsmandat zurück. Er tritt damit aus dem Klub der roten Gemeinderäte aus und legt auch alle seine Funktionen – Sitz im Bezirksvorstand der SPÖ und Chef der Ortspartei St. Leonhard - zurück. „Ich habe mich schon länger mit diesem Gedanken getragen“, sagt Berger. 

Ausschlaggebend für seine Entscheidung sei letztlich die derzeitige Diskussion um ein Obdachlosenheim in Villach gewesen. Die Verweigerung, auch jener der SPÖ, ein solches einzurichten, sei „ein unwürdiges Schauspiel“, kritisiert Berger. Die SPÖ lasse dabei jede Sozialkompetenz vermissen. Diesen Weg könne er nicht mehr mitgehen. "Gerade bei diesem Thema muss man unbürokratisch und schnell handeln. Nicht jedes Thema sollte politisch und medial breit getreten werden", sagt Berger. Um 9 Uhr legte er Magistratsdirektor Hans Mainhart seine Entscheidung vor, aus allen Funktionen zurückzutreten. "Ich bleibe aber Parteimitglied, denn mit den Ideen und dem Solidaritätsprinzip von Christian Kern kann ich mich identifizieren. Meinem Nachfolger wünsche ich viel Glück."

SPÖ-Klubobmann Harald Sobe erfuhr über die Kleine Zeitung von Bergers Schritt. "Es war für uns aber irgendwie eine logische Konsequenz. Der Kollege war ein Jahr lang nur mehr spärlich aktiv, kaum bei Sitzungen und im Klub dabei." Außerdem sei für Dienstagvormittag genau wegen dieser Thematik ein klärendes Gespräch anberaumt gewesen. "Dem hat er mit seinem Schritt wohl vorgegriffen", sagt Sobe, der sich bereits auf die Suche nach einem Nachfolger für Bürger macht.

Der Reihung nach würde Irene Hochstetter-Lackner infrage kommen - sie  zog nun allerdings in den Nationalrat ein und wolle kein Doppel-Mandat. Als zweite Ersatzgemeinderätin ist Ines Wutti geführt, als dritter Harald Geissler. Wutti sagte bereits für die Nachfolge von Hochstetter-Lackner ab, Geissler ist wegen seiner Falschaussage in der "Einladungsaffäre" in ein laufendes Verfahren verwickelt und kommt daher nicht zum Zug.

Ersatzgemeinderat Nummer vier, Alim Görgülü, folgt bereits Hochstetter-Lackner als ordentlicher Gemeinderat nach. "Demnach werde ich Claudia Boyneburg-Spendier und Peter Rader befragen, ob sie in den Gemeinderat ziehen wollen", sagt Sobe. 

Berger galt als Nachwuchshoffnung

Mit Berger verabschiedet sich ein Politiker, der unter Albels Vorgänger Helmut Manzenreiter als eine der „Nachwuchshoffnungen“ der SPÖ, nicht nur jener in Villach, gegolten hat. Der Angestellte gehörte insgesamt neun Jahre dem Villacher Gemeinderat an.

Der Villacher SPÖ kommt in dieser Legislaturperiode mit Berger nicht der erste Gemeinderat abhanden: Im Mai dieses Jahres wurde der ehemalige Vizebürgermeister Richard Pfeiler aus dem SPÖ Klub ausgeschlossen. Vorangegangen waren der Entscheidung monatelange Meinungsverschiedenheiten zwischen Albel und Pfeiler.

Kommentare (5)

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wjs13
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Jetzt wird es sogar in der roten Eisenbahnerstadt

knapp bezüglich Personalresourcen. Vor allem wenn es um Personal geht, das als papabile einzuschätzen ist. Schon beim Bürgermeister kann man eher das Gegenteil annehmen.

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GordonKelz
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EIN ZUSTAND......

...anders kann man Albel und seine Truppe
nicht nennen .....muss ich ins Detail gehen ? Finden Sie zum Erbrechen....
Ich auch !!
Gordon Kelz

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troettroet
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Gordon Grufti

kennt keine Objektivität:

Am heutigen Tag des Rücktrittes hätte mit Dieter Berger, laut SPÖ, ein klärendes Gespräch stattfinden sollen. Dieter Berger war offenbar seit rund einem Jahr als Gemeinderat nicht mehr aktiv. Auch hat er laut Aussendung bei vielen Ausschüssen zu großen Teilen unentschuldigt gefehlt.

Dafür glaubt er halt alles, was stattdessen aufgetischt wird, nur um seine Ergüsse abzusondern - zum Erbrechen.

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CuiBono
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Bravo!

Dieter Berger hat sich die Entscheidung sicher nicht leicht gemacht. Hut-ab vor soviel Rückgrat und Selbstachtung!

Es gibt nicht viele wie ihn in diesem nicht nur wirtschaftlich herunter gewirtschafteten sondern auch politisch verkommenen Land, wo der Grad politischer Verbandeltheit zwischen den Altparteien schon längst ungustiöse Ausmaße angenommen hat.

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GordonKelz
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KNALLEFFEKT

Ja, Politik vom feinsten ,die Herr Albel den eigenen Fraktionsmitgliedern vorsetzt !
Herr Pfeiler , hinausgeschmissen,Frau
Hochstätter - Lackner ,hinausgelobt und jetzt Herr Berger ....wer ist der nächste der es nicht mehr aushält in dieser "Sozialen Fraktion" ?? So kann man auch nicht wüten ,wie Albel es tut ! Die Menschen kommen in den Überlegungen dieser Partei offensichtlich gar nicht vor !
OBA MIR GLABT JO KANA....
Gordon Kelz
gordon.kelz@a1.net
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