Klagenfurt, VillachHaider-Erben zeigen Ex-Steuerberater Birnbacher an

Streit um Honorar für Hypo-Gutachten: Anwalt der Familie Haider wirft Dietrich Birnbacher betrügerische Krida vor. Seit Verteidiger sieht "prozesstaktisches Vorgehen". Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt.

Dietrich Birnbacher (links) und sein Verteidiger Richard Soyer
Dietrich Birnbacher (links) und sein Verteidiger Richard Soyer © APA/SCHLAGER
 

Fünf Jahre nach seiner Verurteilung wegen Untreue droht Dietrich Birnbacher neuer Ärger. Die Familie des verstorbenen Kärntner Landeshauptmannes Jörg Haider hat den ehemaligen Steuerberater Birnbacher im Mai dieses Jahres wegen betrügerischer Krida angezeigt. Das bestätigt Dieter Böhmdorfer, ein Anwalt der Haider-Erben. Sie werfen Birnbacher vor, Teile seines Vermögens an seine Kinder verschenkt zu haben. Nicht verboten, wenn da nicht Birnbachers Verurteilung aus dem Jahr 2012 wäre. Und daraus resultierende Gläubigerforderungen an ihn.

Birnbacher hatte 2007, im Zuge des Verkaufs der Hypo Alpe Adria Bank, ein sechsseitiges Gutachten erstellt und dafür sechs Millionen Euro von der Kärntner Landesholding (KLH) erhalten. Vor Gewährung seines berühmt-berüchtigten Patriotenrabbats hätte Birnbacher zwölf Millionen Euro bekommen sollen.

5,7 Millionen Euro für sechs Seiten

Im Prozess sechs Jahre später stellte sich heraus, dass das Honorar um 5,7 Millionen Euro zu hoch war. Birnbacher gestand das und wurde – wie drei Mitangeklagte – verurteilt. Seitdem versucht die KLH, die nun Sondervermögen-Kärnten-Fonds heißt, das Geld von Birnbacher zurückzubekommen.

Für Dieter Böhmdorfer, Anwalt der Familie Haider, ergeben sich daraus und dem Verhalten Birnbachers zwei Varianten: Entweder habe Birnbacher damals ein Zweckgeständnis abgelegt, um einer unbedingten Haftstrafe zu entgehen. Wenn dem so sei, habe er das Sechs-Millionen-Euro-Honorar zu Recht bekommen und sei nicht schuldig. „Dann muss das Verfahren gegen ihn und die anderen Angeklagten wieder aufgenommen werden“, sagt Böhmdorfer.

Oder das Geständnis sei korrekt gewesen, dann habe Birnbacher zuvor, in Kenntnis der Rückzahlungsforderung, sein Vermögen verschenkt. „Das wäre betrügerische Krida“, so Böhmdorfer.

Nur ein Ablenkungsmanöver

Sein Mandant werde sich zu offenkundig prozesstaktischen Maßnahmen nicht äußern, sagt Birnbachers Anwalt Richard Soyer. Bei Zivilprozessen würden regelmäßig Anzeigen erstattet, um Drohkulissen aufzubauen und den Fokus auf vermeintliche Nebenschauplätze abzulenken, so Soyer.

Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt ermittelt gegen Dietrich Birnbacher wegen des Verdachts betrügerischer Krida, wie Behördensprecherin Tina Frimmel-Hesse bestätigt.

Es gilt die Unschuldsvermutung.

Kommentare (7)

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georgXV
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?

bei aller USV, wer sucht nach den unter Umständen vorhandenen Nummernkonten im Ausland ???

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CuiBono
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Meine Red'

und zwar seit Jahren.

Endlich fängt man an, sich um die nur allzu offensichtlichen Vermögensverschiebungen der diversen Profiteure zu kümmern.

Kinder und Ehepartner wurden bedacht, Stiftungen dotiert, ganze Berge gekauft,... und die Justiz benötigt Jahr um Jahr um irgendwann mal zu beginnen, sich das alles anzusehen.

Aber nicht aus eigenem Antrieb heraus, sondern notgedrungen in die Pflicht genommen, weil sich die einst so Einigen nun beginnen - möglicherweise aus immer noch überbordender Gier - gegenseitig an die Gurgel fahren.

Aber Hauptsache es wurde eine ins Ausland verkaufte Bank rückgekauft und mittels durch absolut nichts gerechtfertigte Notverstaatlichung dem Steuerzahler umgehängt.

Tüpfelchen auf dem "i" ist dann die mittlerweile durch (teilweise durchgängig in den Haftungsskandal des Landes verstrickte) Politiker erfolgte "Lösung" des HGAA/HETA Haftungsskandals - wiederum auf Kosten der derzeitigen und zukünftiger Generationen von Steuerzahlern.

Die Zahl der mittlerweile rechtskräftig verurteilten Verantwortlichen und deren Strafausmaß ist dann der nächste Skandal.

Soweit zum demokratischen Rechtsstaat Österstan.
Einfach PFUI, einfach ROT-SCHWARZ-BLAU inklusive weisungsgebundener Justiz.
KOTZ!

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nignig
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Follow the money

Ja endlich beginnt man in den ganzen Hypo Causen nach dem Geld zu suchen - und im Idealfall auch zurück zu holen. Die Schuldigen einzusperren ist ja nur die halbe Miete. Geld verschwindet ja bekanntlich nicht, sondern wechselt nur den Eigentümer.....
Wann kommen eigentlich die ganzen Profiteure dran?

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voit60
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hat man eigentlich auch einmal

die Erbschaft von der Kärntner Sonne genau untersucht, denn Bares dürfte er ja nicht so viel gehabt haben, da damals die Politiker der Anständigenpartei ja "nur" Schilling 60.000,-- verdienen haben dürfen.
Sollte also zuviel Barvermögen vererbt worden sein, sollte dieses auch hinterfragt werden.

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Bayerirene
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Patriotenrabbat

??

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BernddasBrot
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Birnbacher vs Soyer ,

das darf man sich vor Gericht dann nicht entgehen lassen. Übrigens waren das nicht Steuergelder , die der Birnbacher vereinnahmte ?? Lt. Prozess hatte der Verstorbene davon nichts bekommen auch nicht der Pepi...( ausgenommen die 75.000 )

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Kormoran
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Die Haider Erben

sollten mal lieber still sein.

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