KärntenWietersdorfer Zementwerk reinigt jetzt Abgase mit neuer Anlage

Am Freitag nahm das Unternehmen die neue Nachverbrennungs- und Staubfilteranlage offiziell in Betrieb. Damit werden Abgase um bis zu 90 Prozent reduziert. 13 Millionen Euro wurden investiert.

Salzer (links) und Weber vor der neuen Nachverbrennungsanlage
Salzer (links) und Weber vor der neuen Nachverbrennungsanlage © Kleine Zeitung
 

Ein weltweit einzigartiges Abgas-Reinigungssystem wurde am Freitag beim Tag der offenen Tür im Wietersdorfer Zementwerk in Klein St. Paul offiziell in Betrieb genommen. Nachdem bereits 2015 die Quecksilberreduktionsanlage eröffnet wurde, folgte jetzt der zweite Teil: Eine Nachverbrennungs- und Staubfilteranlage, die den Ausstoß an organischen Kohlenstoffen um 80 bis 90 Prozent reduziert. "Wir lagen schon bisher 50 Prozent unter dem Grenzwert beim Schadstoffausstoß, jetzt wird das noch deutlich verringert", sagt Lutz Weber, der im April die Geschäftsführung im Werk übernommen hat. Allein in die Nachverbrennungs- und Staubfilteranlage wurden 13 Millionen Euro investiert.

In der neuen Anlage werden die Abgase, die bei der Zementproduktion entstehen, durch zwei Türme mit vorgewärmten Keramiksteinen geschickt. Dort werden sie auf 850 Grad Celsius erhitzt, wodurch der Großteil der Abgase zerstört werde, erklärt der neue Betriebsleiter Florian Salzer, der auch wesentlich an der Planung der gesamten Anlage beteiligt war. Anschließend fließt die Abluft, die zuvor schon die Quecksilberreduktions- und Staubfilteranlage passiert hat, in zwei weitere Türme mit Keramiksteinen, wo sie abkühlt. Um bei diesem Prozess den Energieeinsatz niedrig zu halten, wird die Wärme rückgewonnen.

Patent angemeldet

"Weltweit gibt es vier solcher Nachverbrennungsanlagen, drei in Österreich und eine in den USA. Die Quecksilberreduktionsanlage ist die erste ihrer Art weltweit", sagt Salzer. Diese Anlage, die zu einem großen Teil in Klein St. Paul entwickelt worden ist, wurde patentiert: "Jetzt wird in Deutschland eine weitere Anlage nach unserem Vorbild gebaut." In Zukunft will man weiter in Umweltmaßnahmen am Standort Klein St. Paul investieren, sagt Weber: "Wir planen, eine hocheffiziente, selektive, nicht katalytische Reduktion zu installieren." Dadurch soll der Stickoxid-Ausstoß verringert werden.

Salzer erklärt, wie die Reinigung funktioniert. 52.000 solcher Keramiksteine wurden in der Anlage verbaut
Salzer erklärt, wie die Reinigung funktioniert. 52.000 solcher Keramiksteine wurden in der Anlage verbaut Foto © Kleine Zeitung

Mit der Umweltverträglichkeitsprüfung, die 2003 begonnen und heuer abgeschlossen wurde, haben all diese Maßnahmen nichts zu tun. Ebensowenig mit dem HCB-Skandal im Jahr 2014, beteuern Salzer und Weber. Ziel der Abgasreduktion sei es, zu einem ökologischen und ökonomischen Vorzeigebetrieb zu werden, sagt Weber: "Und wir wollen dadurch den Standort sichern."

Warten auf UVP-Bescheid

Mit der Umweltverträglichkeitsprüfung, die im Jahr 2003 begonnen wurde, hat die Inbetriebnahme der Abgasreduktionsanlage nichts zu tun. Dass dafür heuer im Juli die Endabnahme stattfand, war ein Zufall.

Ersatzbrennstoffe. Die UVP musste durchgeführt werden, um im Werk Ersatzbrennstoffe im Ausmaß von bis zu 100.000 Tonnen pro Jahr verbrennen zu dürfen.

Abfallverbrennung. Wieviel Ersatzbrennstoffe man tatsächlich im Werk verwendet, unterliege Schwankungen, aber man halte sich auf jeden Fall immer an die im Bescheid festgelegte Obergrenze. Gefährliche Abfälle dürfte man laut Bescheid zwar 20.000 Tonnen pro Jahr verbrennen. Dies würde aber nicht gemacht und sei derzeit auch nicht geplant, sagt Geschäftsführer Lutz Weber.

UVP-Bescheid. Ob das Land dem Betrieb nach der Endabnahme weitere Auflagen vorschreibt, wisse man derzeit noch nicht, sagt Unternehmenssprecherin Michaela Hebein, da der Bescheid noch nicht zugestellt wurde. Man rechnet damit aber in den nächsten Tagen.

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