KärntenDrei "Eiskalte Engel" packen aus

Männersport Eishockey? Fehlanzeige! Die Nachwuchs-Talente Christina Schusser (18), Lena Kristin Dauböck (14) und Vanessa Simonis (15) erzählen, wie es am Eis wirklich läuft.

Wissen genau, was und wohin sie wollen: Dauböck, Schusser und Simonis (von links)
Wissen genau, was und wohin sie wollen: Dauböck, Schusser und Simonis (von links) © KLZ/Markus Traussnig
 

Dieser Sommer hatte ja so einige Überraschungen parat. Die sportlichste war, dass ausgerechnet das weibliche Fußball-Nationalteam mit seinem EM-Erfolg die (durchwegs männliche) Fangemeinde zum Jubeln brachte. Aufs nächste Fußballmärchen müssen wir aber nicht warten, denn auch auf dem Eis machen Mädels eine gute Figur.

Wer jetzt an Eiskunstlauf denkt, sitzt allerdings einem verstaubten Klischee auf. Ähnlich wie bei den Kickerinnen hört man von Eishockeyspielerinnen (viel zu) wenig. Dabei stehen jede Saison vielversprechende Talente auf dem Eis und mischen die Männerdomäne auf. Drei davon sind die Kärntnerinnen Christina Schusser (18), Lena Kristin Dauböck (14) und Vanessa Simonis (15). Sie spielen im österreichischen Frauen-Nationalteam U18 und U16 sowie im A-Team.

Wo der Barthel den Most holt

Mit dem Satz „Du bist ja ein Mädchen, du kannst gar nicht Eishockey spielen!“ sind die drei groß geworden. Auf Diskussionen lassen sie sich erst gar nicht ein, sondern zeigen in der Eishalle, wo der Barthel den Most holt. „Nach ein paar Minuten sagt dann eh keiner mehr was“, grinst die 14-jährige Dauböck, die von ihrem Opa entdeckt wurde. Ihre Karriere begann sie im zarten Alter von fünf Jahren beim KAC, wechselte dann später aber zum VST Völkermarkt. Im Gegensatz zu ihren Kolleginnen Schusser und Simonis spielt die Schülerin am liebsten im reinen Frauenteam: „Bei den Mädels fühle ich mich einfach gut aufgehoben.“

KLZ/Markus Traussnig
© KLZ/Markus Traussnig
Die 18-jährige Schusser macht heuer die Matura und spielt in der U18 des EHC Althofen – mit lauter jungen Männern. „Als Frau darf man aber ein Jahr länger dabei sein“, erzählt die Bambini-Trainerin ihres Vereins. Auch sie ist „vorbelastet“: Ihr erstes KAC-Spiel hat sie mit zwei Jahren gesehen, der Papa hatte 20 Jahre ein Abo und drückte ihr eines Tages einen Schläger in die Hand. Mit acht („relativ spät“) fing sie dann beim EHC Althofen an – als einziges Mädchen. Honigschlecken war das freilich keines, aber die Kärntnerin hat durchgebissen und gezeigt, was in ihr steckt. Auf dem Eis sind schließlich alle gleich und Star-Allüren fehl am Platz. „Der Unterschied zwischen Burschen und Mädels ist sicher die Einstellung. Wir müssen uns ständig beweisen und deshalb auch mehr bemühen. Ich habe zum Beispiel immer darauf geachtet, ja pünktlich zum Training zu kommen. Manchmal habe ich sogar die Schule hinten angestellt“, verrät Schusser.

Hart, aber herzlich

Trainiert wird hart, aber herzlich. Bis zu sechs Mal in der Woche sind die Eishacklerinnen am Eis und spielen für verschiedene Vereine. „Da kann es schon vorkommen, dass ich an einem Wochenende zwei Spiele pro Tag habe“, erzählt Dauböck. Gleiches gilt für die 15-jährige Simonis, die sechs Mal pro Woche trainiert. Immer mit einem Ziel vor Augen: „Ich will nach Kanada, Amerika oder Schweden und in der NHL spielen.“ Ihr großer Wunsch: Dass mehr Damen-Eishockeyspiele übertragen werden und generell mehr über die Randdomäne berichtet wird. „Das würde enorm zu einem Imagewechsel beitragen“, ist die Oberkärntnerin überzeugt, die beim EC-SV Spittal „daheim“ ist.

Aber eine Frage hätten wir da noch: Warum sind Frauen die besseren Eishockeyspielerinnen? „Weil es uns nicht ums Zerstören oder Verletzten anderer Spieler geht, sondern um die richtige Taktik, gegenseitigen Respekt und die Freude am Spiel“, meint Simonis. Dann steht dem nächsten Märchen im Frauensport ja nichts mehr im Wege.

Zu den Personen

Christina Schusser
Privat.
18 Jahre, aus St. Georgen/Längsee. Hat drei Geschwister, Maturajahr HLW St. Veit.
Sport. Am Sprung ins A-Nationalteam, EWHL „Southern Stars“ und EHC Althofen. Trainiert inzwischen die „Bambinis“ beim EHC Althofen.
Ziel. Fixer Platz im A-Team, eine zeitlang in Schweden spielen. Ausbildung zum Eishockeytrainer.
Vorbild. Joey Kirisits
Hobbys. Klavier spielen, Eishockey.

Vanessa Simonis
Privat. 15 Jahre, aus Spittal, hat einen älteren Bruder, geht in zweite Klasse HLW Spittal.
Sport. Frauen-Nationalteam U16 und U18, EWHL „Southern Stars“, EC-SV Spittal, Villacher Gipsy Girls.
Ziel. Profisport: NHL Kanada, Amerika oder Schweden.
Hobbys. Eishockey

Lena Kristin Dauböck
Privat. 14 Jahre, aus Hörtendorf, zwei Halbbrüder, 5. Klasse slowenisches Gymnasium in Klagenfurt.
Sport. Frauen-Nationalteam U16 und U18, EWHL „Southern Stars“, KAC U14, VST Völkermarkt, Gipsy Girls Villach.
Ziel. Mit dem Nationalteam zur Olympia fahren und das Land zu vertreten.
Hobbys. Eishockey und Zeit mit Freundinnen verbringen.

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