Serie AufgeschlossenDas Geheimnis der alten Gemälde auf Schloss Frauenstein

Dorothea Gruber wuchs auf Schloss Frauenstein nahe St. Veit an der Glan auf. Die Villacherin schwelgt mit uns in ihren Kindheitserinnerungen.

Zusammen mit acht Verwandten bewahrt die Villacherin die einstige Ritterburg
Zusammen mit acht Verwandten bewahrt die Villacherin die einstige Ritterburg © KLZ/Markus Traussnig
 

Wenn Dorothea Gruber von ihrer Kindheit auf Schloss Frauenstein erzählt, strahlen ihre Augen. Faszination schwingt in ihrer Stimme mit. Es waren die Gemälde, die es ihr im Volksschulalter angetan hatten. "Zusammen mit der Tochter von Großonkels Chauffeur habe ich die Beschreibungen hinter den Bildern gespiegelt. Wir wollten wissen, wer diese Leute waren", sagt die diplomierte Forstwirtin. Zwei dieser Gemälde hängen im Wehrgang über einer schwarzen Ledergarnitur. Sie zeigen die Gabelkhover, die über 150 Jahre lang Schloss Frauenstein besaßen. "Der erste Gabelkhover war Leibarzt beim Kaiser und hat sich mit dem ersparten Geld das Schloss gekauft", weiß Gruber zu berichten. Dass sie nicht so reich gewesen sein durften, zeigt sich im Jägerzimmer: "Die Wandbespannungen sind nicht aus Gobelin, sondern Leinen", sagt Gruber. Die Holzvertäfelung im Zirbenzimmer stammt, wie auch die Holzkassettendecke im Jägerzimmer, aus dem 16. Jahrhundert. Die Sitzflächen aus Leder sind ebenfalls original. Wie nah man der Geschichte in diesen Mauern ist! Es ist ein wenig so, als stünde die Zeit still, als hätten die herrschaftlichen Bewohner nur kurz das Schloss verlassen. Im ersten Stock befindet sich auch die Kapelle. Die prächtigen bunten Glasfenster zeigen den heiligen Eugenius und die heilige Emerentia. Beeindruckend sind auch die Wappen, die die Wand in einem Turmzimmer zieren. Sie stehen für die einzelnen Familien, die auf Frauenstein lebten.

Die Mordgalerie auf dem Dachboden erinnert an die dunklen Stunden der einstigen Ritterburg. Über steile Stufen, die einen sicheren Schritt verlangen, geht es hinauf. "Wenn Feinde kamen, wurde von hier Pech hinuntergeschüttet. Die Steinschindeln, die außen angebracht waren, verhinderten, dass das Holz in Flammen aufging", erklärt Dorothea Grubers Gatte Peter. Und so manch ein ungebetener Gast machte bestimmt mit dem Gefängnis Bekanntschaft. Bevor es wieder ins Erdgeschoß geht, wird dieses inspiziert, zumindest von außen. Der Abgang befindet sich im Wehrgang direkt neben einer Schießscharte.

Serie Aufgeschlossen: Zu Besuch auf Schloss Frauenstein

Schloss Frauenstein nördlich von St. Veit wurde auf einer Felskuppe errichtet und hatte einst einen Wassergraben.

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Der erste urkundlich erwähnte Burgherr war Gundachir von Frovnstaine (1195 - 1227). Im Jahr 1909 erwarb der Unternehmer Otto Wirth das Schloss. Heute gehört das Anwesen seinen Nachkommen.

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Dorothea Gruber ist eine von neun Eigentümern. Sie wuchs auf Schloss Frauenstein auf.

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Das Wappen von St. Veit ist im Innenhof zu finden.

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Stellt dieser Kopf den Baumeister dar?

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Die Sonnenuhr im Innenhof

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Ein kleines Museum ist in diesem Raum untergebracht. Er dient der Jugend auch als Disco.

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Das ehemalige Köchinnenzimmer ist heute ein Gästezimmer.

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Der Frühstücksraum

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Die neue Bibliothek

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Die alte Küche mit dem Brotofen. 20 Laibe hatten darin Platz.

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Die Kapelle

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Glasfenster in der Kapelle

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Durch diese Tür geht es in das Gefängnis hinunter.

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Der Wehrgang mit Gemälden der Familie Gabelkhover. Diese besaßen Schloss Frauenstein über 150 Jahre lang.

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Die Mordgalerie auf dem Dachboden. Von dort wurde Pech auf die Feinde vor den Toren runtergeschüttet.

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Dorothea Gruber war eineinhalb Jahre jung, als die Eltern mit ihr nach Frauenstein zogen. "Wir waren glücklich, hier sein zu können. Unser Haus in Villach wurde im Krieg zerbombt", sagt sie. Das Schloss gehörte ihrem Großonkel, ihr Vater hatte zu dieser Zeit schon die Leitung über. Später erbte er das Schloss zusammen mit seinen beiden Schwestern. Deren Nachfahren, neun sind es an der Zahl, bewahren heute das Juwel spätmittelalterlicher Baukunst. Apropos Nachfahren: "Dieser Raum dient den Kindern als Disco und beherbergt ein kleines Museum", sagt Dorothea Gruber und öffnet im Erdgeschoß die Tür zu einem großen Raum mit Arkaden. Er ist in einem alten Plan als Holzlager ausgewiesen. Kleine wie große Schätze befinden sich darin: Eine alte Waschmaschine ist ebenso zu finden wie ein Wagenheber für Kutschen, ein Luster und eine alte Feuerwehrspritze. Letztere kam bei einem Brand im Stallgebäude zum Einsatz. "Die Globalisierung hatte schon früh begonnen", sagt Peter Gruber und öffnet einen Schrank. "Diese Bierdosen stammen aus Amerika und sind über 100 Jahre alt", sagt er begeistert.

DenkMal

Schloss Frauenstein befindet sich auf einer Felskuppe nördlich von St. Veit. Beim Gebäude handle es sich "um ein originales Beispiel spätmittelalterlicher Schlossbaukunst". Gundachir von Frovnstaine ist der erste urkundlich erwähnte Burgherr (1195 - 1227). Als die Familie Welzer von Eberstein 1499 in die damalige Besitzer-Familie Färber einheiratete, begann die Blütezeit des Schlosses. Christoph V Welzer und seine Gattin Agnes brachten den Bau zwischen 1519 und 1521 in die heutige Form. Weitere Eigentümer waren die Grafen von Trauttmannsdorff, die Gabelkhover und die Grafen von Abensperg-Traun. Im Jahr 1909 erwarb Unternehmer Otto Wirth das Schloss. Heute gehört das Anwesen seinen Nachkommen.

Quelle: Burgen und Schlösser in Kärnten, Wilhelm Deuer, Verlag Heyn, 2008

Das heutige Frühstückszimmer besticht durch seine schlichte Eleganz. Fünf Stühle und ein schöner alter Tisch sind zwischen zwei Säulen platziert. Die Steine, die in den Boden eingearbeitet wurden, stammen aus Wien. "Darunter ist eine elektrische Bodenheizung", sagt Dorothea Gruber, die übrigens mit ihrem Mann wieder in Villach lebt. Die alte Küche ist zum Teil noch in Verwendung. Wo einst geselcht wurde, wird heute gegrillt. Vorhanden ist auch noch der Brotofen, in dem bis zu 20 Laibe Platz hatten. Wo früher die Köchin genächtigt hat, sind Gäste untergebracht. Ganz bestimmt werden sie auch verzaubert – vom Charme dieser alten Mauern.

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