Schloss RothenthurnWas Henriettes Briefe und Tante Fannys Gästebuch bewirkt haben

Georg Pereira-Arnstein erzählt von den Glücksfällen, die ihm die Sanierung von Schloss Rothenthurn nahe Spittal ermöglicht haben.

Pereira-Arnstein vermietet Zimmer und Appartements. Im Wohnzimmer (Bild) frühstücken seine Gäste stilvoll
Pereira-Arnstein vermietet Zimmer und Appartements. Im Wohnzimmer (Bild) frühstücken seine Gäste stilvoll © KLZ/Markus Traussnig
 

Es war die Angst vor einer Ohrfeige, die Georg Pereira-Arnstein das wohl größte Projekt seines Lebens in Angriff nehmen ließ. Der Gedanke, im Himmel seinem Ururgroßvater gegenüberzustehen, der ihn für den Verkauf von Schloss Rothenthurn tadelt, bereitete ihm Unbehagen. Pereira-Arnstein hatte im Jahr 2000 das Schloss, das sich nahe Spittal befindet, von seiner Mutter übernommen. In einem katastrophalen Zustand, wie er anmerkt. Es gab zum Großteil keinen Strom, keine Badezimmer, keine Abwasserleitung und und und. "Meine Mutter hatte es verabsäumt, mir ein dickes Bankkonto zu übergeben", sagt er mit einem Schmunzeln. Er stand vor der Wahl: veräußern oder etwas aus dem Haus machen. Pereira-Arnstein entschied sich für Letzteres. Er musste es zumindest probieren. Das war er seinem Ururgroßvater, der 1880 Schloss Rothenthurn erworben hatte, schuldig. Er verkaufte das einzig Wertvolle, das er hatte: eine Alm in Eigenjagdgröße. Mit dieser finanziellen Basis startete Pereira-Arnstein das Großprojekt.

Bei einer Tasse Kaffee erzählt er von den drei Glücksfällen, die ihm das Geld beschert haben, das er für weitere Investitionen dringend benötigte. Da war einmal das kleine Gästebuch einer gewissen Fanny Arnstein. "Meine Tante war zur Zeit des Wiener Kongresses in Wien Gesellschaftsdame Nummer eins. Bei ihr waren große Persönlichkeiten wie Metternich oder Voltaire zu Gast und verewigten sich in dem Bücherl." Ein Museum interessierte sich für diesen Schatz und kaufte es Pereira-Arnstein ab. Für ein Konvolut Briefe gab es ebenfalls einen Interessenten. Es war ein Schriftverkehr von Fannys Tochter Henriette mit ihrer Cousine Lea Mendelssohn Bartholdy, der Mutter des Komponisten Felix Mendelssohn Bartholdy. Die Briefe wurden wissenschaftlich aufgearbeitet und aus dem Französischen ins Deutsche übersetzt. "Jetzt weiß ich endlich, was in den Briefen steht", sagt Pereira-Arnstein stolz. Schließlich erbte er noch einen Meißner-Porzellanladen in Spittal.

Serie Aufgeschlossen: Rundgang auf Schloss Rothenthurn

Schloss Rothenthurn liegt hoch über dem Drautal. Die Geschichte des Hauses geht bis in das 11. Jahrhundert zurück. 

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Zwei Zimmer und fünf Appartements werden vermietet.

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Schlossherr Georg Pereira-Arnstein im Wohnzimmer, in dem die Gäste frühstücken.

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Namen statt Nummern: Die Zimmerschlüssel mit den Namen von Pereira-Arnsteins Vorfahren

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Der Aufenthaltsraum für die Gäste war einst eine Garage.

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Im Flur ...

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... sind Porträts der Vorfahren zu sehen.

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Pereira Arnsteins Ururgroßvater Constantin Graf Normann von Ehrenfels hatte das Schloss 1880 erworben.

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Eine jahrhundertealte Schrift

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Hochzeitssegen des Papstes

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Die barockisierte Kapelle

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Frau mit Bart – ein Bildnis der Heiligen Kümmernis in der Kapelle

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Das Stiegenhaus

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Die vergangenen 17 Jahre seien mit viel Risiko und Arbeit verbunden gewesen. "Mit dem Sanieren sind wir aber noch nicht fertig. Als Nächstes ist das Dach an der Reihe", sagt Pereira-Arnstein. Er hat sehr viel selbst gemacht, von den fachmännischen Arbeiten abgesehen. Großer Dank gebührt seiner Gattin Maria, einer gebürtigen Italienerin: "Ohne sie wäre all das nicht möglich gewesen. Sie gab ihren unkündbaren Posten in Italien auf und putzt jetzt hier das Haus." Das Ehepaar vermietet im Schloss fünf Appartements und zwei Zimmer. Nummern sucht man an den Türen vergebens. Die rustikal eingerichteten Räume tragen klingende Namen wie Gräfin Marie-Therese oder Graf Rudolf I. Es sind allesamt Pereira-Arnsteins Vorfahren. Die Gäste frühstücken an der Tafel im Wohnzimmer stilgerecht. Altes Porzellan ist aufgedeckt. Das Frühstück bereitet die Hausherrin zu.

 

DenkMal

Schloss Rothenthurn liegt hoch über dem Drautal in der Stadtgemeinde Spittal an der Drau. Die Geschichte des Hauses geht bis in das 11. Jahrhundert zurück. Da an einem Turm links und rechts Gebäudeteile errichtet wurden, ist das Haus in die Länge gewachsen. Es ist rund 110 Meter lang und hat mehrere zwei- und dreigeschossige Trakte. Sein heutiges Aussehen erhielt das Schloss im 17. und 18. Jahrhundert. Die Kapelle ist der Heiligen Barbara geweiht. Der Altar datiert aus dem Jahr 1710 und zeigt die Krönung Mariens. In Familienbesitz kam das Anwesen im Jahr 1880 durch Constantin Graf Normann von Ehrenfels. Die Familie bewohnte das Haus nur wenige Wochen im Sommer. Sie entfloh der Hitze im heimatlichen Kroatien.

Quelle: www.castello-rothenthurn.at und www.burgen-austria.com

Auf dem Weg in die Kapelle erzählt Pereira-Arnstein, dass ein Büro in ein Archiv umwandelt wird. Ein Kassabuch von 1723 wird dort genauso Platz finden wie ein dicker Band zur Geschichte der Gemeinde Koekelberg in Brüssel. Die Gründerfamilie Coeckelberghe zählt auch zu den Vorfahren des Schlossherrn. "Eine Frau mit Bart ist keine Erfindung von Conchita", sagt Pereira-Arnstein und weist in der Kapelle auf eine Malerei. Sie stellt die Heilige Kümmernis dar. "Es ist eine von drei Darstellungen, die es in Kärnten gibt", fügt der gelernte Bürokaufmann hinzu, der sich als "Knecht des Hauses" bezeichnet. Der Aufenthaltsraum der Gäste war bis 2008 eine Garage. Ein Tor zeugt noch von seiner einstigen Nutzung. In diesem Zimmer hat sich der Schlossherr als Hafner versucht. Den grünen Kachelofen hat er selbst errichtet.

Vor dem Wiedersehen mit seinem Ururgroßvater muss Pereira-Arnstein wohl keine Angst mehr haben. Für sein Engagement zur Erhaltung des Schlosses wird er ihm bestimmt anerkennend auf die Schulter klopfen.

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