Serie AufgeschlossenSchloss Schmelzhofen ist ein Königreich für die Kunst

Künstler Pepo Pichler suchte einen Raum für seine Arbeit und wurde im Lavanttal fündig. In seinem Schloss begegnet man Malereien, Plastikobjekten und so manch einer Engelsgestalt mit einem Sägeblatt in der Hand.

Sie setzen im Schloss Akzente: Pepo Pichler und seine Frau Anitanaz in der Bibliothek
Sie setzen im Schloss Akzente: Pepo Pichler und seine Frau Anitanaz in der Bibliothek © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Es sind oft die Details, die zusammen ein perfektes Ganzes ergeben. In Schloss Schmelzhofen in St. Margarethen im Lavanttal ist es das Zusammenspiel von Alt und Neu, von dezenten und kräftigen Farben, die dem ehrwürdigen Haus neuen Glanz verleihen. Ursprünglich war Pepo Pichler nur an der zugehörigen stillgelegten Mühle interessiert: "Ich war auf der Suche nach einem Raum auf dem Land, wo ich arbeiten und meine Werke aufbewahren kann", sagt der Künstler, der sich als Maler, Bildhauer und Objektkünstler international einen Namen gemacht hat. Doch die Mühle gab es nur im Doppelpack mit dem Schloss, das mehr als sanierungsbedürftig war. 1992 erwarb er das Anwesen und ist seitdem mit seiner Frau Anitanaz, einer Amerikanerin mit armenischen Wurzeln, am Sanieren.

Bei einem Glas mit selbst gemachtem Rosensirup erzählt das Ehepaar in der Küche – sie gehört zu den ältesten Räumen im Haus – von der wohl faszinierendsten Entdeckung im Zuge der Sanierung. Im Eingangsbereich wurde ein vergittertes Fenster mit zugehöriger Schießscharte freigelegt. Das zeuge davon, so Pichler, dass das Haus früher aus zwei Gebäuden bestanden haben muss oder u-förmig war. Stolz präsentieren die beiden kurz darauf die Entdeckung. Links neben dem Fenster aus dem 13. Jahrhundert sind Römersteine platziert, gegenüber hängen farbenfrohe Werke Pichlers. Eine Schießscharte findet man auch im heutigen Weinkeller. Dieser Raum wurde im Mittelalter errichtet, der Boden ist aus Lehm.

Serie Aufgeschlossen: Zu Besuch auf Schloss Schmelzhofen

Schloss Schmelzhofen befindet sich in St. Margarethen in der Stadtgemeinde Wolfsberg.

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Dieses Fenster wurde bei der Sanierung entdeckt.

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Blick in den Weinkeller. Der Raum wurde im Mittelalter errichtet.

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Die Küche gehört zu den ältesten Räumen im Haus.

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Stiegenaufgang mit Putti

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Dem Badezimmer wurde im Zuge der Sanierung viel Raum gegeben.

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Das mexikanische Zimmer

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Das amerikanische Zimmer

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Künstler Pepo Pichler mit seiner Gattin Anitnaz in der Bibliothek. Das Ehepaar hat das Schloss 1992 erworben und saniert es seitdem.

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Die stillgelegte Mühle wurde zur Kunstmühle umfunktioniert.

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Pepo Pichler bearbeitet Plastikrohstoff.

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Das Salettl im Garten wurde auch vom Ehepaar gestaltet.

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Spiel der Farben

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Pepo und Anitanaz fühlen sich in ihrem kleinen Paradies sehr wohl.

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Kunstvoll bis ins Detail

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Kunstwerk Pepo Pichlers im Garten. Es wurde aus Plastikrohstoff gefertigt.

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Als Nächstes wird der erste Stock erkundet. "Wir haben Raum für Raum saniert", erzählt Anitanaz auf dem Weg nach oben. Stolz präsentiert die Bildhauerin das mexikanische Zimmer. Retablos, Malereien, die Heiligen gewidmet sind (Exvotos), schmücken die Wand, die in einem kräftigen Rosa gestrichen ist, über der Tür sind Totenmasken zu sehen. Das Doppelbett haben sie auf dem Flohmarkt aufgestöbert. Das angrenzende Bad war früher eine Küche. "Das Versailles Tafelparkett war leider so kaputt, dass wir es entfernen mussten", sagt Anitanaz und sie fügt mit in ihrem sympathischen amerikanischem Akzent hinzu: "In diesem Raum ist alles schief." Stimmt, jetzt wo sie es sagt, sieht man es. In einem zarten Gelb ist das Balkonzimmer gehalten, eine grüne Sitzgruppe und ein grünes Gemälde setzen hier Akzente. "Der Balkon ist bei der Sanierung zerbrochen und musste zusammengeschweißt werden", erzählt Pepo Pichler. Putti, nackten Engelsgestalten, begegnet man im Stiegenhaus auf dem Weg in den zweiten Stock. Jedes von ihnen hält ein verchromtes Sägeblatt in der Hand. Hier trat Pichler als Objektkünstler in Aktion.

Das knallig gelbe Wohnzimmer hat eine Holzkassettendecke. Sie stammt aus dem Jahr 1585. Die aufblasbare Riesenlampe im Eck hat Pepo Pichler gefertigt. Im angrenzenden roten Zimmer ist die Bibliothek untergebracht. Hingucker sind die schiefen Bücherregale, die bis auf den letzten Platz gefüllt ist. Der schicke rote Sessel ist ein Geschenk eines japanischen Designers. Aus San Francisco, wo das Ehepaar seinen Hauptwohnsitz hat, stammt ein großes Gemälde, das eine Frau zeigt. "Das amerikanische Zimmer ist traditionell altmodisch", sagt die Hausherrin und bittet ihr zu folgen. Es ist in blau-weiß gehalten. Hinter der Couch wurde beim Ausmalen ein Teil ausgespart. Die alte Malerei zeigt unter anderem Ansichten einer Stadt. Auf den Bildern an der Wand sind kalifornische Landschaften zu sehen. Gemalt wurden sie von einem armenischen Künstler.

DenkMal

Schloss Schmelzhofen befindet sich in der Ortschaft St. Margarethen in der Stadtgemeinde Wolfsberg. Aus einem Hof, der im Jahr 1399 im bambergischen Lehenbuch genannt wird, entwickelten sich Gut und Herrschaft Schmelzhofen. Es liegt die Vermutung nahe, dass der Name vom Bergbau im Lavanttal herrührt. Doch dem ist nicht so: Namensgeber war eine Familie Schmelzing aus Judenburg, die im Dienst der Bamberger Bischöfe stand. Familie Schmelzing scheint 1488 als Besitzer von Schmelzhofen auf. Nach dem Jahr 1533 ging das Gut an Andreas Weiß über. Weiß war Bergbauunternehmer und bambergischer Herrschaftsverwalter.

Quelle: Wilhelm Wadl, Streiflichter aus der Geschichte von St. Margarethen, aus der Festschrift 700 Jahre St. Margarethen im Lavanttal

Schließlich geht es in Pepo Pichlers Wirkungsbereich, in die Kunstmühle. In jenes Gebäude aus dem Jahr 1856, das ihn schon bei der ersten Besichtigung fasziniert hatte. "Zurzeit male ich nicht. Ich zeichne und fertige Skulpturen an", sagt der gebürtige Klagenfurter. Im Atelier zeigt er, wie er Plastikrohstoff bearbeitet. Eine Skulptur steht in der wunderschönen Parkanlage, die ein Kapitel für sich ist.

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