Serie AufgeschlossenSie pflegen das Erbe ihrer Ahnen

Bedienstete gibt es heute keine mehr: Familie Auersperg erzählt über das Leben auf Schloss Reideben in Wolfsberg - und auch darüber, dass in Haus und Garten selbst Hand angelegt wird.

Drei Generationen Auersperg: Marielies (rechts) mit Sohn Christoph, Schwiegertochter Eva und Enkel Matheo
Drei Generationen Auersperg: Marielies (rechts) mit Sohn Christoph, Schwiegertochter Eva und Enkel Matheo © KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Die hellblauen Fliesen wurden im Lavanttal hergestellt. Und doch ist der Herd in der großen Küche im Erdgeschoß kein waschechter Kärntner. "Es ist ein steirischer Herd, denn die Rohre befinden sich oben und nicht unten", erklärt Marielies Auersperg mit einem Schmunzeln. Beim großen Umbau auf Schloss Reideben in Wolfsberg, wurde in den 1920er-Jahren der Schweinestall zur Küche umfunktioniert. Sie verfügt über einen Speisenwärmer. Außerdem gibt es einen Speisenaufzug, der noch in Verwendung ist und in die Küche im ersten Stock führt. Familie Auersperg nutzt die Küche im Erdgeschoß im Sommer sowie bei großen Festen. Der Herd leistet aber auch im Winter gute Dienste: "Damit der Raum nicht auskühlt. Darüber liegt auch ein Wohnzimmer", sagt Christoph Auersperg. Der 39-Jährige führt seit dem Tod seines Vaters im Jahr 2014 das Gut. Zu diesem gehören ein circa 500 Hektar großer Wald, eine Jagd, ein Damwildgehege und landwirtschaftliche Flächen.

So beschaulich das Leben in der warmen Jahreszeit in einem Schloss ist, im Winter muss man sich arrangieren. "Man bekommt eine andere Temperaturvorstellung. Doch man gewöhnt sich schnell daran", sagt Christophs Ehefrau Eva. Die Jungmama – Sohn Matheo kam im Mai zur Welt – hat, seit sie im Schloss lebt, Wollpullover schätzen gelernt. Im Winter kann es im Gang schon einmal Minusgrade haben. Das Leben in einem alten Gemäuer härtet ab: "Wir sind nicht so oft krank", sagt Marielies Auersperg. Ende der 1980er-Jahre entschied sie sich mit ihrem Mann Leopold, von der Wiener Mietwohnung nach Reideben zu übersiedeln. Die drei Kinder sollten hier zur Schule gehen. "Es war toll, im Schloss aufzuwachsen. Nur die Umstellung war schwer", sagt Christoph Auersperg. So war der lange Weg zum Badezimmer als Kind gewöhnungsbedürftig. Ja, die Wege sind in diesem großen Haus lang. "Man überlegt nicht, wie viele Kilometer man zurücklegt", sagt die Mutter des Hausherrn. Ihre Schwiegertochter, die von Beruf Volksschullehrerin ist, fügt lachend hinzu: "Sport müssen wir keinen machen."

Serie Aufgeschlossen: Zu Gast auf Schloss Reideben

Schloss Reideben liegt östlich von Wolfsberg am Westhang des Hartelsberges und wird von Familie Auersperg bewohnt.

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Ein ritterlicher Hausbesorger heißt Gäste willkommen.

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Arkadengang im Erdgeschoß

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Der malerische Innenhof

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Drei Generationen Auersperg: Marielies (rechts) mit Sohn Christoph, Schwiegertochter Eva und Enkel Matheo

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Das ehemalige Köchinnenzimmer ist heute ein beliebtes Gästezimmer.

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In der Halle ist eine Bibliothek.

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Die ehemalige Selchkammer

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Der rote Salon war früher Getreidespeicher

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Die Küche im Erdgeschoß wird im Sommer und bei großen Festen genutzt.

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Der Speisenaufzug ist heute noch in Verwendung.

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Mit dem Gong wurde einst zum Essen gerufen.

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Aufgang in die Beletage

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Arkadengang in der Beletage

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Das ausgebildete Forstschutzorgan und gelernte Hotelier erinnert sich gerne an seine Kindheit. Bei Schlechtwetter hat es großen Spaß gemacht, auf dem Dachboden Kübel zu platzieren, weil es reingeregnet hat; immer an anderen Stellen wohlgemerkt. Das Dach wurde schließlich in den 1990er-Jahren in drei Ertappen erneuert. Marielies Auersperg hat den Schritt, hierherzuziehen nicht bereut: "Die Natur und die Gegend sind so schön." Damit im zweigeschoßigen Schloss Leben herrscht, braucht man viel Besuch. Und der kommt auch. Ein beliebtes Gästezimmer ist das ehemalige Köchinnenzimmer. Der Raum mit Gewölbedecke hat noch den Charme von anno dazumal. Die Möbel sind blau, alte Bilder hängen an der Wand, ein grauer Kachelofen ist eingebaut. Während es in den nächsten Raum geht, erzählt Marielies Auersperg, dass es heute keine Bediensteten mehr im Schloss gibt. "Auch weil wir viel in Haus und Garten selbst machen, hängen wir sehr daran", sagt die gebürtige Steirerin.

DenkMal

Schloss Reideben liegt östlich von Wolfsberg am Westhang des Hartelsberges. Sein Name rührt von einer Wegbezeichnung her (Reide bedeutet so viel wie Wegkrümmung). Das Schloss geht auf einen mittelalterlichen Hof zurück und wurde 1354 erstmals genannt. Es ist überliefert, dass das Anwesen 1480 in Brand gesteckt wurde. Der heutige Renaissancebau wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts errichtet. Alexander von Freyberg soll der Erbauer gewesen sein. Im 17. Jahrhundert hat es mehrere Besitzerwechsel gegeben. 1846 erwarb Hugo Henckel von Donnersmarck das Anwesen. Seine Nachkommen leben noch heute auf Schloss Reideben.

Quelle: Vom mittelalterlichen Hof bis zum neuzeitlichen Schloss. Zur 600-jährigen Geschichte von Schloss Reideben, Richard Wanner.

Im roten Salon angelangt, erzählt Auersperg, dass der Raum früher ein Getreidespeicher war. Das Haus war seinerzeit ein reines Wirtschaftsgebäude. An der Wand hängt das Bildnis eines Mädchens. Es zeigt Anna Auersperg von der Ernegger Linie, die Urgroßmutter von Christoph. Gleich mehrere Lanzen sind im breiten Aufgang zur Beletage an der Wand platziert. "Diese stammen vom Großvater", sagt Marielies Auersperg. Er hatte einmal bei einem Turnier mitgemacht und war so fasziniert, dass er daheim einen Turnierplatz errichten wollte. Doch dazu kam es nicht. Auersperg erzählt auch, dass die Großeltern Sammler waren. Viele ihrer Schätze sind in den Arkadengängen im ersten Stock zu sehen. Zwischen Geweihen hängen Stiche. Sie zeigen Ahnen und wichtige Leute ihrer Zeit. Mittendrin hängt eine alte Ansicht von Krain, von wo die Auerspergs stammen.

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