Alpen-Adria-UniversitätKlaus Schönberger: "Das Liebes-Video hat mich überrascht"

Handyvideos von Jugendlichen werden auf der Uni ausgestellt. Kulturforscher Klaus Schönberger über Pornos, Anerkennung und Alltagsfilme.

Schönberger leitet das Institut für Kulturanalyse an der Uni Klagenfurt
Schönberger leitet das Institut für Kulturanalyse an der Uni Klagenfurt © KLZ/Weichselbraun
 

Welches Handyvideo hat sie am meisten überrascht?
Klaus Schönberger: Das war eine Liebeserklärung von einem Mädchen an einen Jungen. Eine Art Liebesbrief auf Video. Alle Bereiche des alltäglichen Lebens können in ein digitales Format umgewandelt werden. Das war die größte Überraschung.

Auch Bereiche, die sehr persönlich sind.
Das ist natürlich eines der Probleme der Digitalisierung. Deshalb zeigen wird den Film auch nicht. Der Angebetete hat sich nämlich über die junge Frau lustig gemacht.

Haben Jugendliche keinen Sinn mehr für Privatsphäre?
Unsere Erfahrung ergibt ein widersprüchliches Bill: Es hängt nicht nur von ihrem Bildungsstand ab, aber eben auch, in welcher Weise sie vorsichtig sind. 

Welche Videos teilen sie denn?
Vorweg: Es wird total überschätzt, dass diese Filme ins Internet hochgeladen werden. Meistens bleiben sie am Handy. Wenn, dann wird der Film als Kommunikationsmittel genutzt: Gefilmt wird, wenn ich etwas erzählen möchte. Das können Streiche sein, Konzerte, Lernvideos. Pornos hatten auch fast alle auf dem Handy. Keine selbst gedrehten, sondern welche aus dem Netz. Sex und Gewalt spielt bei den Jugendlichen aber keine derart große Rolle, wie manche denken. Ihre Videos beschäftigen sich meistens mit dem Alltag.

Kritiker sagen auch: Jugendliche reden nicht mehr miteinander. Sie schicken nur noch Videos, Fotos und Smileys.
Die Frage ist: Sind die Videos ein Ersatz oder ein Zusatz? Wir sehen die Erweiterung der Kommunikation, die dadurch möglich ist. Auch für Menschen, die der Sprache nicht so mächtig sind. Für sie sind Videos und Bilder eine Möglichkeit, sich zu artikulieren. Der Kritikpunkt, dass das Soziale verloren geht, stimmt so nicht. Durch Videos können räumliche und sprachliche Grenzen überwunden werden.

Verpasse ich nicht sehr viel, wenn ich Ereignisse nur filme und nicht erlebe?
Für die Jugendlichen ist es oft wichtiger, zu zeigen: Hier bin ich gewesen. Um andere teilhaben zu lassen; aber auch, um Anerkennung zu bekommen. Alle wissen: Man muss sich selbst darstellen können. Dieser kreative Imperativ wird in der Forschung kritisch gesehen. Aber es ist eben auch eine Möglichkeit, die Kommunikation wiederum ermöglicht.

Eines der Ausstellungsstücke:

Das wird gezeigt

Noch bis 22. Mai ist die Ausstellung über Handyvideos von Jugendlichen in der Aula der Uni Klagenfurt zu sehen. Kuratorin ist die Klagenfurter Uniprofessorin Ute Holfelder. Sie war Teil der Schweizer Forschungsgruppe, die die Videos analysierte.

 

 

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