ThurnhofBruchstein, Tuff und zwei Meter dicke Mauern

Seit 1869 ist der Thurnhof in Hermagor im Eigentum von Familie Lampersberger. Herzstück des Anwesens ist ein Wohn- und Wehrturm, der 1342 erstmals erwähnt wurde.

© KLZ/Helmuth Weichselbraun
 

Früher war das Turmzimmer im zweiten Stock des Thurnhofes Franz Lampersbergers Refugium. Der pensionierte Frächter erinnert sich noch gut an die Winter, in denen es im Raum mangels Heizung bitterkalt war. Sogar Eiskristalle bildeten sich an der Innenseite der Fenster. Einziger Wärmespender war eine Heizdecke. "Die Wäsche habe ich in der Früh ins Bett gezogen, um sie anzuwärmen und dann unter der Decke anzuziehen", sagt der 67-Jährige. Diese Zeiten sind längst vorbei.

Das rund 16 Quadratmeter große Turmzimmer ist heute mit Steinwolle und Fichtenholz vertäfelt, eine Heizung ist eingebaut. Stolzer Bewohner ist Lampersbergers Enkel Florian. Brigitte Lampersberger macht die Besucher im Zimmer auf eine Besonderheit aufmerksam: "Die Mauer ist hier rund 1,80 Meter dick und nimmt nach oben hin ab. Das merkt man aber weder von außen noch von innen." Ganz dick trägt es die Speisekammer im Erdgeschoß auf: Stolze zwei Meter misst dort das Mauerwerk. Der ehemalige Wohn- und Wehrturm ist aus Bruchstein errichtet, in den Ecken sind mächtige Quader aus Tuffstein eingefasst. Welch beeindruckendes Bauwerk dieser Turm am Nordwestrand von Hermagor doch ist!

Serie Aufgeschlossen: Rundgang im Thurnhof

Der Turm wurde 1342 erstmals urkundlich erwähnt. Das angrenzende Wohnhaus wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet.

KLZ/Helmuth Weichselbraun

Franz Lampersberger ist Turmherr in fünfter Generation.

KLZ/Helmuth Weichselbraun

Das Turmzimmer im zweiten Stock ist heute mit Fichtenholz vertäfelt, eine Heizung ist eingebaut.

KLZ/Helmuth Weichselbraun

Im heutigen Abstellraum wurde einst geräuchert.

KLZ/Helmuth Weichselbraun

Der Turm wurde aus Bruchstein erbaut. In die Ecken sind mächtige Tuffsteine eingefasst.

KLZ/Helmuth Weichselbraun
KLZ/Helmuth Weichselbraun

Ahnenbilder

KLZ/Helmuth Weichselbraun

99 sehr steile Stufen führen nach oben

KLZ/Helmuth Weichselbraun

Die Aussicht genießen.

KLZ/Helmuth Weichselbraun

Im obersten Stockwerk des Turms haben sich die Besucher an der Wand verewigt.

KLZ/Helmuth Weichselbraun

In der Stube des Wohnhauses gibt es eine Decke aus Lärchenholz ...

KLZ/Helmuth Weichselbraun

... ein Holztram ist mit der Zahl 1593 versehen. Dabei dürfte es sich um das Jahr der Errichtung handeln.

KLZ/Helmuth Weichselbraun

Eine alte Ansicht des Thurnhofs.

KLZ/Helmuth Weichselbraun
1/13

Durch eine alte Blechtür geht es nun in höhere Sphären. "Bis ganz noch oben sind es genau 99 Stufen", sagt Franz Lampersberger. Es sind 99 Stufen, die es in sich haben. Die Treppe ist nicht steil, sondern sehr steil. Jeder Schritt sei gut bedacht. Doch die Neugierde auf das, was der Turm noch zu bieten hat, lässt einen gut vorankommen. Die oberen Stockwerke sind unbewohnt. In der vierten Etage taucht man in die Familiengeschichte ein. Die drei Fotos an der Wand zeigen Lampersbergers Großeltern und Tante. Dazwischen hängt ein Pferdekomat. Der Turmherr verrät, dass der Thurnhof seit dem Jahr 1869 im Eigentum der Familie ist, mittlerweile in fünfter Generation. Im fünften Stock ist ein Gewölbe zu sehen. "Das könnte ein Zeichen dafür sein, dass hier Adelige gelebt haben", sagt Brigitte Lampersberger. Es hat auch Zeiten gegeben, in denen in diesem Raum Speck getrocknet wurde. Eine Vorrichtung aus Eisen und Holz in der Decke legen Zeugnis davon ab. Einmal geht es noch nach oben. Im letzten Stockwerk hat sich schon so mancher Besucher des Thurnhofs verewigt. Namen und Daten sind auf der Wand vermerkt. Sie reichen zurück bis in die 1920er-Jahre. Während der Blick aus dem kleinen Turmfenster über die Landschaft schweift, erzählt Franz Lampersberger von der Sanierung des Turmdaches. Zweimal wurde es bereits mit Lärchenbrettern neu eingedeckt. "1991 wurde das Material mittels Aufzug nach oben gebracht. Im Vorjahr hatten wir einen 26-Meter-Hubsteiger im Einsatz", sagt der Hermagorer. So ändern sich die Zeiten.

DenkMal

Der Thurnhof liegt auf einem Hügel in Möschach, Gemeinde Hermagor. Der Wohn- und Wehrturm könnte eine Vorburg der nahe gelegenen Grünburg gewesen sein. Er wurde erstmals im Jahr 1342 erwähnt. In einer Urkunde der Pfarre Hermagor ist von einem Henricus de Turri die Rede. Mitte des 14. Jahrhunderts war der Thurnhof ein Lehen der Grafen von Ortenburg. Um das Jahr 1600 wurde das Anwesen ein Lehen der Herren von Lind im Drautal. Die Besitzer sollten in der Folge noch etliche Male wechseln. Seit 1869 gehört der Thurnhof der Familie Lampersberger. Vorstehende Balkenenden zeugen davon, dass es um den Turm einmal einen Wehrgang gegeben haben muss. An der Fassade ist ein früherer Zinnenabschluss erkennbar. Dieser dokumentiert das Privileg, sich befestigen zu dürfen.

Quelle: Landeskonservatorat für Kärnten

Das Wohnhaus der dreifachen Eltern hätte wie der Turm Einiges zu erzählen. Der Renaissance-Bau wurde Ende des 16. Jahrhunderts errichtet. Ein Holztram in der Stube ist mit der Zahl 1593 versehen. Die Lärchendecke ist wie das Gewölbe im Vorhaus denkmalgeschützt. Das Haus wurde aus den gleichen Materialen wie der Turm errichtet und steht auf einem Felsen. "Im Sommer ist es im Haus fast schon zu kühl. Im Winter heizen wir es gerade", sagt die 64-Jährige. Rund 60 Kubikmeter Scheiterholz werden pro Heizsaison benötigt. Gewiss, das Leben in historischen Mauern hat seine Vor- und Nachteile. Freude bereitet dem Ehepaar, dass der knapp 17-jährige Enkel Interesse zeigt, später einmal in die Fußstapfen seines Großvaters zu treten. Zum 5,5 Hektar großen Thurnhof gehört auch eine kleine Landwirtschaft, die Florian ebenfalls weiterführen möchte.

Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.