Klagenfurt

HCB-D in Trinkwasser entdeckt

Laut Stadtwerken wurde eine Kontaminierung mit dem Umweltgift HCB-D in der Brunnenanlage Rain festgestellt. Die Quelle ist jedoch schon seit Jahren vom Netz.

Laut Stadtwerken können die Klagenfurter unbedenklich Wasser trinken. Der belastete Brunnen ist nicht in das Netz eingespeist
Laut Stadtwerken können die Klagenfurter unbedenklich Wasser trinken. Der belastete Brunnen ist nicht in das Netz eingespeist © Fotolia
 

Geschehen ist alles Ende 2014. Zutage gefördert wurde die HCB-D-Belastung (wasserlösliche Variante des HCB) im Trinkwasser erst jetzt. Nach Bekanntwerden des vom Görtschitztal ausgehenden HCB-Skandals wurden auch in Klagenfurt Rückstände des Umweltgiftes nachgewiesen. Betroffen war laut einer Aussendung der Stadtwerke die Brunnenanlage Rain. Diese war Teil der Wasserversorgung und wurde Mitte 2014 vom Netz genommen. „Die Maßnahme stand in keinem Zusammenhang mit HCB. Der Brunnen dient lediglich zur Notversorgung“, sagt STW-Sprecherin Birgit Rutter. Deshalb habe man keinen Grund dafür gesehen, die Öffentlichkeit zu informieren. Wie das Unternehmen festhält, seien zu keiner Zeit Grenzwerte überschritten worden.

Die Ursachen für die Kontaminierung liegen in der Gurk. Der Fluss fließt auf dem Weg Richtung Klagenfurt bei der Donau Chemie in Brückl vorbei. Gemeinsam mit dem Wietersdorfer Zementwerk steht das Unternehmen im Mittelpunkt des 2014 aufgeflogenen HCB-Skandals. Nach Bekanntwerden wurden Untersuchungen mit dem Land Kärnten und dem Magistrat durchgeführt. Laut Stadtwerken sei bestätigt worden, „dass die ins Netz eingespeiste Wasserqualität zu 100 Prozent ohne HCB und Folgekontaminationen ist“. Als solche gilt HCB-D. „Die Klagenfurter können sich darauf verlassen, Trinkwasser in Top-Qualität zu bekommen“, sagt Vorständin Sabrina Schütz-Oberländer. Der Großteil der Versorgung wird derzeit durch die Wasserschiene und durch die Brunnenanlage Straschitz im Süden sichergestellt.

Kaum Proben vorhanden

Für Umweltexperte Herwig Schuster von Greenpeace kann nicht ausgeschlossen werden, dass schon davor über Jahre verseuchtes Trinkwasser durch Klagenfurter Leitungen geflossen ist. „Was davor passiert ist, kann niemand genau sagen. Es sind kaum Proben vorhanden, die jetzt rückwirkend getestet werden können“, sagt Schuster. Auf der Deponie in Brückl werden seit den 20er-Jahren kontaminierte Altlasten gelagert.
Dass über die Gurk belastetes Wasser den Weg nach Klagenfurt findet, sei eine Tatsache. „Für diesen Fluss besteht nicht umsonst ein Fischereiverbot“, sagt Schuster.

Kommentare (16)

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noodleover
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Was ist mit dem Grundwassergebiet "Krappfeld"?

Laut Umweltbundesamt Gutachten von 2003 befindet sich das Untersuchungsgebiet der Deponie im südlichen Bereich des Grundwasserschongebiet "Krappfeld"! Etwa 6 km Grundwasserstromabwärts beginnt das Wasserschongebiet "Klagenfurt Ost" wo HCB D festgestellt wurde. Was passiert, wenn auch in der Quelle Krappfeld HCB Werte im Wasser festgestellt werden? Diese Quelle liefert derzeit fast die Hälfte des Klagenfurter Trinkwassers. Vor kurzem noch diente diese Wasserquelle laut STW Aussendung noch als "Notversorgung"! Wie lange werden die Klagenfurter noch hinters Licht geführt? Alle Daten und Gutachten sofort veröffentlichen!

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archiv
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Der ORF Kärnten schreibt am 23.08.2016:


Holub sieht für das Trinkwasser in Klagenfurt derzeit keine akute Gefahr. Fische aus der Gurk sollten aber weiterhin nicht gegessen werden.

Wie genau ist das zu verstehen?

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NikoHorn
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welche Nachfragen man sich von Journalisten wünschen würde:

1.) Da spätestens seit 2003 (laut einem Bericht des Umweltbundesamtes, nachwievor für die Öffentlichkeit online abrufbar) bekannt ist, dass HCB aus Brückl ein große Gefährdung fürs Klagenfurter Trinkwasser (Rain) darstellt, stellt sich die Frage: wann wurde in Rain im Zeitraum 2003 bis 2014 auf HCB getestet, und welche Ergebnis brachten diese Messungen?

2.) Wieso steht auf der Homepage der Wasserwerke, dass "Zwirnawald, Rain und Straschitz ... die größten Wassergewinnungsanlagen der Klagenfurter Trinkwasserversorgung " sind und "97 Prozent des Wassers für die Landeshauptstadt" liefern, wenn Rain nun angeblich seit 2014 abgeschalten ist?

3.) Welche HCB-Werte weisen die Hausbrunnen zwischen Brückl und Rain auf, um die das Umweltbundesamt ebenfalls schon 2003 in Sorge war? (Diese Brunnen sind zum Teil 10mal näher bei Brückl als die nun bekannt gewordenen Proben aus Rain).

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archiv
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Nachstehendes berichtete die Woche Klagenfurt am 09.07.2016 zum Punkt Klaenfurter Trinkwasser......- warum steht da nicht eine Brunnenanlage ist im HCB-D Backup????

98 Prozent des Klagenfurter Wassers werden aus der Erde gepumpt. "Von den drei Gewinnungsanlagen sind derzeit zwei in Betrieb, eine ist Backup.
Die Brunnen haben eine Tiefe zwischen dreißig und siebzig Meter", erklärt Heinz Koch, Bereichsleiter Erzeugung. Von den Brunnen wird das Trinkwasser in die Hochbehälter gepumpt. Der größte der 18 Hochbehälter befindet sich am
Spitalsberg, er fasst rund 25.000 Kubikmeter Wasser. "Die Anlagen sind speziell
geschützt. Sie werden permanent videoüberwacht", erklärt Koch.
Das Klagenfurter Trinkwasser wird mit UV-Licht behandelt. "Unsere Quellen haben eine sehr hohe Qualität. Durch die Bestrahlung mit dem Licht wird sichergestellt, dass sich keine Keime in dem Wasser bilden können. Jedes Jahr gibt es über 400 externe Untersuchungen", beschreibt Koch. Damit es zu keiner Verunreinigung des Wassers durch die Düngemittel kommt, achtet man vonseiten der Stadtwerke auf biologische Landwirtschaft. "Wir sorgen dafür, dass die Felder im Einzugsgebiet der Gewinnungsanlagen möglichst schonend bewirtschaftet werden", sagt Koch.

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wiegehtndas
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Wie jetzt, unsere Landeskaiser haben gesagt alles

Okidokie

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Kopfarbeit
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Reissierische Schlagzeile

Wohl die einzige Möglichkeit auf Leser für die Kleine. Ich meine, auszuschließen ist es ja nicht das es wirklich in Trinkwasser gelangt ist, jedoch ist es nach den derzeitigen Erkenntnissen ja nur in einem Brunnen der KEIN Trinkwasserreservoir ist.

Die Schlagzeilen suggeriert den Eindruck, als ob das Gift im Trinkwasser wäre, was es nicht ist.

Aber anscheinend läuft es nicht mehr so gut und dumme Schlagzeilen müssen die Leser anlocken.

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noodleover
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Es geht um das Trinkwasser der Landeshauptstadt, nicht um Schlagzeilen!

Das dürfte wohl keine schwere Kopfarbeit sein, wenn wegen HCB Verunreinigung ein Grundwasserbrunnen der Stadt stillgelegt werden muss, aus dem über 1 Mio. m³ Trinkwasser gefördert wurde! Also ein überflüssiger Kommentar!

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Playthegame
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@Kopfarbeit

Haben Sie schon mal dran gedacht, dass das Wasser im Brunnen auch irgendwo herkommen muss? Oder darüber, dass dieses Wasser sicherlich nicht im Brunnen bleibt, sondern sich verteilt?

Ziemlich kurzsichtig, Ihre Einstellung.

So könnte man ja auch sagen: "Der Dreck in der Luft über der Stadt geht mich nix an, ich wohn ja eh am Land".

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archiv
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Schön langsam kenne ich mich nicht mehr aus......


Das Fließwasser, das Grundwasser und der Grundwasserstrom wird durch die "Deponie" (und die wasserlösliche Variante des HCB) schon seit Jahrzehnten belastet (laut ORF-Aussendung seit 1926).

Fragen:
Warum wurden erst Ende 2014 HCB-D Belastungen festgestellt?
Wurde vorher auf diesen Schadstoff nicht überprüft?
Welche Maßnahmen sind von der Stadtpolitik geplant?

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CloneOne
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man hat es schon festgestellt

doch sind ja die "Grenzwerte" nie überschritten worden und deshalb war es nach Ansicht der Zuständigen nicht notwendig damit an die Öffentlichkeit zu gehen.
Alles in Allem: Ausred valoss mi net! Früher hat man auch Altöl auf die staubigen Schotterstrassen gegossen->und es regte sich niemand auf...wer weiss was unserer generationen davor noch alles verbrochen haben...

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Zeitgenosse
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hat

Eigentlich schon mal jemand die Eierschwammerl in Kärntner Wäldern untersucht?

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gintonicmiteis
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Wann

wird endlich mal einer der verantwortlichen Beamten auch zur Verantwortung gezogen??

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stuffl
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Jaja, die Gurk...

...fließt wohl kaum bei den Wietersdorfern vorbei. Geografie 5 :-)
Es ist die Görtschitz, die durch das Görtschitztal fließt und in Brückl in die Gurk mündet... von dort aus, fließt dann die Gurk weiter Richtung Klagenfurt...

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sepp147
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die Görtschitz hat mit HCB nichts zu tun

Es ist richtig das bei den Wietersdorfern die Görtschitz vorbeifließt - ABER dort wo das Gift deponiert ist und von dort es auch ins Wasser gelangt (Deponie Brückl) fließt die Gurk vorbei!

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stuffl
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Ist mir bewusst...

... als Görtschitztaler kennt man sich aus ;-) Im Bericht stand ursprünglich, dass die Gurk bei den Wietersdorfern und der Donau Chemie vorbei fließt... und das war nicht korrekt. Was anderes hab ich hier nicht behauptet.

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So wie es ausschaut, werden die "Gerichtsverfahren etc." noch einiges ans Tageslicht bringen ... Vielen Dank Herr RA Dr. List....

Bereits in einem Dokument vom 06.11.2003 - Altlast K20 "Kalkdeponie Brückl I/II" - wurde vom Umweltbundesamt auf das Problem beim Grundwasser und Grundwasserstrom in das Grundwasserschongebiet "Klagenfurt-Ost" hingewiesen.

Erst Ende 2014 wurden HCB-Rückstände im (Tiefen)Brunnen Rain festgestellt und wird das belastete Trinkwasser angeblich nicht mehr für das Klagenfurter Wassernetz verwendet?

Schon etwas eigenartig ist aber, wenn der ORF heute auch berichtet, dass gesundheitsgefährliche Abfälle bereits seit 1926 in Brückl gelagert wurden - oder?

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