Wirtschaft

"Speedinvestor" und Architekt: Sebastian Haselsteiners Geschäfte

„Speedinvestor“ und Architekt Sebastian Haselsteiner entwickelt die Philanthropie des Vaters weiter: und zwar mit Social Business. Vom Generationencafé und biozertifizierten Stoffen.

Auf der Suche nach Projekten für Social Innovation: Sebastian Haselsteiner bei einem Erzeuger von Pflege-Robotern in Japan
Auf der Suche nach Projekten für Social Innovation: Sebastian Haselsteiner bei einem Erzeuger von Pflege-Robotern in Japan © KLZ/Winkler
 

Nach 900 absolvierten Fallschirmsprüngen muss es für Sebastian Haselsteiner (37) nicht mehr jedes Mal so hoch hinausgehen: „Der neue Indoor-Fallschirm-Windtunnel Wind-o-bona spart mir Zeit.“ Denn eigentlich fliegt der Architekt und Unternehmer derzeit voll auf Kultur. Für die um 25 Millionen Euro der Haselsteiner Familienprivatstiftung erfolgende Generalsanierung des Künstlerhauses in Wien machen die MHM architects – Sebastian Haselsteiner sowie Matthias und Florian Molzbichler – die Generalplanung. Außerdem planen sie für die Tiroler Festspiele in Erl ein 140-Zimmer-Hotel als Künstlerherberge. Auch privat hat bei Haselsteiner Kultur allen Vorrang: Partnerin Mariko Hara ist, wie schon ihre Mutter, eine weit über ihre Heimat Japan hinaus gefeierte Bratschistin.

Vor allem aber ist der zweitälteste Sohn von Hans Peter Haselsteiner wie sein Vater Unternehmer und Motor für Start-ups, für die er zum Beispiel im Speedinvest-Fonds beim Crowdfunding dabei ist. „Der Start in eine Handvoll Start-ups in Österreich und Deutschland erfolgte vor fünf Jahren in Berlin“, berichtet Haselsteiner jun. über seinen Einstieg bei Castaclip, das Spezialist für Onlinevideo-Syndizierung ist. „Das war eine gute Schule. Nie weiß man, was bei Start-ups kommt, da braucht man Nerven.“
Seine unternehmerischen Pläne steckt Sebastian Haselsteiner aber viel weiter: „Social Innovation ist das Ziel. Mir geht es um einen nachhaltigen, sozialen Impact auf die Gesellschaft und die Welt.“ Mit dem Begriff Nachhaltigkeit werde „viel Schindluder betrieben“. Außerdem: „Wo hört das Start-up auf und wo beginnt der soziale Nutzen?“

Biojeans, Talentify.me

Die Antwort, wo er federführend für die Familienstiftung in Social Business investiert, gibt Haselsteiner mit zwei Beispielen: „Wir finanzieren zum Beispiel in Wien gegen die Verarmung alter Menschen das Generationencafé Vollpension mit.“ Oder die „Organic Maßjeans Schneiderei Gebrüder Stitch“, denen er als Investor zuerst skeptisch begegnet sei. Inzwischen produzieren zwölf Mitarbeiter aus biozertifizierten Stoffen die Maßjeans für zwei Shops in Berlin und Wien. „Sonst fängt das Drama schon in den Färbereien in Mailand an, wo Vietnamesen mit Chemikalien arbeiten müssen.“

ZUR PERSON

Sebastian Haselsteiner (37) ist zwischen Johannes (39) und Clemens (35) sowie Halbbruder Simon (14) der zweitälteste Sohn von Hans Peter Haselsteiner.
Er ist Architekt und Unternehmer und investiert in mehrere Start-ups in Deutschland und Österreich, sowie mit der Familienprivatstiftung in Social Business.

Als Philanthrop war auch Hans Peter Haselsteiner stets dem sozialen Auftrag der Familienstiftung verpflichtet, zum Beispiel mit Pater Georg Sporschill für die Straßenkinder in Moldawien, das ihn zum Ehrenstaatsbürger ernannte. „Ich konnte meinen Vater überzeugen, dass wir den nächsten Schritt zum Social Business machen, das Gemeinnützigkeit und Unternehmertum verbindet“, berichtet Sebastian Haselsteiner vom Projekt „Concordia“, einer 40-Hektar-Landwirtschaft in Moldawien, die Jugendliche zu Agrartechnikern ausbildet und Biogemüse exportiert.

Die Onlineplattformen Veedu und Talentify.me fördern Lehrlinge und versuchen so, die hohe Drop-out-Rate zu reduzieren. Ein in Spittal am Millstätter See von Tante Ina Lerchbaumer vorangetriebenes Wohn- und Werkstättenprojekt für autistische junge Erwachsene, „Lebenswelt Antonius“, sei Teil der Aktivitäten. „Social Business ist nicht Charity. Es hat sozialen und ökonomischen, ertragsorientierten Zweck.“

ADOLF WINKLER

Kommentare (1)

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ATT2
1
4
Lesenswert?

Allein mir fehlt der Glaube.

Ein Politik-Insider, Mitglied einer politischen Partei, hat mir versichert: In der österreichischen Politik geht ohne den Willen des Hans-Peter Haselsteiners gar nix. Er sei, so meine Quelle, die Graue Eminenz im Hintergrund, ohne welche nix geht.
Daher fehlt mir irgendwie der Glaube, wenn jetzt so ein Artikel daherkommt, wo behauptet wird, dass seine Familie ja soooooo wohltätig ist.
Ja, wenn ich 25 Mille am Konto habe, kann ich leicht den wohltätigen spielen.....

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