Krebs nicht erkannt: Arzt muss zahlen

Arzt haftet mit 154.000 Euro, weil er Patienten, bei dem erst Jahre später Hautkrebs diagnostiziert wurde, nicht richtig behandelt habe.

Urteil im Krebs-Rechtsstreit
Urteil im Krebs-Rechtsstreit © Kanizaj
 

"Ich bin nicht mehr der Mensch, der ich einmal war“, sagt ein Kärntner Pensionist (72). Im Jahr 2002 bekam er die Diagnose „Hautkrebs“. Bestrahlungen, weitere Metastasen, schwere Operationen, Lymphknoten-Entfernung, eine Hauttransplantation und jahrelanges Leiden waren die Folge.


Früher feststellbar


Dazu kam ein nervenaufreibender Rechtsstreit: „Denn die Krebserkrankung des Mannes hätte schon viel früher erkannt werden müssen“, sagt sein Anwalt Paul Wolf. Genau genommen: sechs Jahre vor der eigentlichen Krebs-Diagnose. Denn damals hatte der Mann einen Facharzt aufgesucht. „Wenn dieser Arzt damals eine Biopsie durchgeführt hätte, dann hätte die Hautkrebserkrankung des Mannes viel früher festgestellt werden können und der katastrophale Krankheitsverlauf wäre zu verhindern gewesen“, behauptet Rechtsanwalt Wolf. Bereits 2007 gab es ein rechtskräftiges Urteil gegen den Arzt, der den Krebs nicht erkannt hatte. Im Urteil steht: Weil der Mediziner den Patienten nicht nach allen Regeln der ärztlichen Kunst behandelt habe, hafte er für alle zukünftigen Schäden.


Salbe verschrieben


Zwei Mal hatte der Patient damals den Hautarzt aufgesucht, weil er einen Juckreiz an der linken Gesichtshälfte spürte. Doch der Mediziner erkannte die Gefahr nicht. Er machte keine Biopsie, sondern diagnostizierte ein Ekzem und verschrieb dem Patienten lediglich eine Salbe. „Ich bin noch heute voller Wut, wenn ich daran denke“, gibt der Krebspatient zu. „Ich habe diesem Arzt vertraut. Das war alles Pfusch.“


Nach dem Urteil im Jahr 2007 stellte sich die Frage: Wie viel Entschädigung steht dem Patienten für die folgenschwere Fehlbehandlung zu. Der Betroffene wechselte zu Anwalt Paul Wolf, der erkämpfte nun Schmerzensgeld und Schadensersatz für den Betroffenen. In einem ersten Urteil bekam der Mann bereits rund 38.000 Euro (rechtskräftig), jetzt bekam er am Zivillandesgericht Klagenfurt weitere 116.000 Euro zugesprochen. Letztere Zahlung ist noch nicht rechtskräftig.


„Davon habe ich noch keinen Cent gesehen“, sagt der Krebspatient. Für ihn sei das alles sehr zermürbend. „Der schlimme Krankheitsverlauf hat meinem Mandanten auch psychisch stark zugesetzt“, betont Anwalt Wolf.


Umziehen


Der Betroffene erzählt: „Früher war ich Bergsteiger und Kletterer und lebte in einem Haus. Heute ist alles anders.“ Er habe starke Bewegungseinschränkungen im Hals- und im Schulterbereich. „Ich musste mit meiner Frau in eine kleinere Wohnung ziehen, weil ich die Haus- und Gartenarbeit nicht mehr schaffe.“ Er habe auffallende Narben und lebe total zurückgezogen. „Ich habe das alles nicht mehr verkraften können.“

Mediziner wirft dem Patienten Mitverschulden vor

Es kann sein, dass der Arzt gegen die Zahlung von weiteren 116.000 Euro beruft. Er wirft dem Patienten nämlich ein 50-prozentiges Mitverschulden vor. Begründung: Er habe den Mann damals aufgefordert, wiederzukommen, falls die Beschwerden („Juckreiz im Gesicht“) nicht besser werden. Doch der Patient sei dem Arzt ferngeblieben. Dazu fand die Richterin allerdings klare Worte: „Dem Patienten kann das nicht zur Last gelegt werden.“ Denn der Facharzt habe dem Patienten keine Diagnose genannt, keinen Krebsverdacht geäußert und keinen Arztbrief an den Hausarzt geschrieben. Aus Sicht des medizinischen Laien habe also kein Grund bestanden, den Facharzt erneut aufzusuchen. Die bloße Mitteilung, wiederzukommen, sei zu wenig. „Zumal der Patient ja nicht untätig war, sondern weiterhin zum Hausarzt ging.“

MANUELA KALSER

Kommentieren

Bei der Erstellung von Kommentaren haben Nutzer rechtliche Bestimmungen (z. B. Privat-, Strafrecht), die Netiquette und Forenregeln einzuhalten. Was wir in diesem Forum nicht dulden: Beschimpfungen, Verspottungen, Belästigungen, Ehrbeleidigungen, Verhetzung, Diskriminierung in jedweder Form, Rassismus, Aufrufe zu Gewalt oder gar Selbstjustiz. Beiträge, die diesen Bestimmungen zuwiderlaufen, werden bei Kenntnis gelöscht, Nutzer im Wiederholungsfall gesperrt. Zudem behalten wir uns die stundenweise oder völlige Schließung von Foren vor. Wir weisen Sie darauf hin, dass wir auch keine Links zu anderen Websites akzeptieren.
Als Nutzer stimmen Sie der Speicherung der von Ihnen angegebenen Daten (Stamm-, Verkehrsdaten, etc.) ausdrücklich zu. Die angegebenen Daten werden an staatliche Stellen (z. B. Polizei, Gericht) bei Untersuchung von vom Nutzer verbreiteten Materialien, oder sonst vorgenommenen ungesetzlichen Aktivitäten, weitergegeben. Weiters werden angegebene Daten (Name und Adresse) an sonstige Dritte bei Verletzung von Rechten oder sofern deren Rechtsverletzung nachvollziehbar behauptet wird (zB gem. § 18 Abs. 4 ECG), weitergegeben. Mit der Erstellung von Kommentaren stimmen Sie dem ausdrücklich zu und verzichten auf die Geltendmachung von jeglichen Ansprüchen. Siehe dazu auch unsere Forenregeln/Betriebsbedingungen in den AGB.