Bezirks- und Gemeindesuche
Dörfler: "Entschuldige mich in aller Form"
Landeshauptmann Gerhard Dörfler kritisiert Landesrat Dobernig wegen Attacken auf die slowenische Volksgruppe und stellt für die FPK klar: "Meine Meinung zählt." Interview von Andrea Bergmann.

Foto © KLZ/TraussnigGerhard Dörfler geht auf Distanz: "Die Aussagen von Dobernig waren für mich nicht zeitgemäß, sie haben nicht meine Unterstützung"
Wenn FPK-Landesrat Harald Dobernig die Ortstafellösung als "Einstiegsdroge" abwertet, dann müssen Sie als Chefverhandler ein Drogendealer gewesen sein, oder?
GERHARD DÖRFLER: Ich sehe mich als Mann des Friedens und auf der Mitte der Brücke. Ich war von Dobernigs Aussagen überrascht, weil wir in der Partei alle Ortstafelbeschlüsse einstimmig gefasst haben. Er hat jetzt pointierte Aussagen gemacht, die nicht meine Unterstützung haben. Sie waren nicht zeitgemäß. Ich entschuldige mich in aller Form bei jenen, die sich zu Recht getroffen gefühlt haben.
FPK-Chef Kurt Scheuch betont, die Partei stehe geschlossen hinter Dobernig. Sie also auch?
DÖRFLER: Ich stehe hinter dem Land Kärnten.
Sie distanzieren sich damit von Harald Dobernig?
DÖRFLER: Ich stehe auf der Mitte der Brücke und habe eine Meinung, die ich als Landeshauptmann für alle Kärntner vertrete.
Will Dobernig nicht verstehen, dass die Ortstafellösung auf den Vorgaben des Rechtsstaates basiert und zusätzliche Volksgruppenthemen, die er als "maßlose Forderungen" bewertet, im Memorandum verankert sind?
DÖRFLER: Dobernig hat heute in der Regierungssitzung betont, dass er zur Ortstafellösung und zum Memorandum steht. Die Frage der slowenischen Musikschulen ist derzeit ein Thema, über das verhandelt wird.
Wenn ein 32-jähriger Landesrat, der auf die Verfassung vereidigt ist, im Jahr 2012 zwischen "richtigen Kärntnern und Slowenen" differenziert, müssen einem doch die Grausbirnen aufsteigen, oder?
DÖRFLER: Es gibt immer wieder politische Aussagen, die zu heftigen Reaktionen führen. Egal wie jung oder alt ein Politiker ist.
Warum haben Sie nicht sofort ein Machtwort gesprochen und sich erst mit einem Tag Verspätung entschuldigt?
DÖRFLER: Ich habe mich informiert und jetzt die Regierungssitzung zu klaren Worten genützt.
Fährt die FPK ganz bewusst eine Gut-Böse-Doppelstrategie in Volksgruppenfragen oder ist die Partei so zerrissen?
DÖRFLER: In der Wehrpflicht-Frage gibt es in der Bundes-SPÖ auch unterschiedliche Positionen. Das ist in Parteien so. Ich bin der Regierungschef und für Volksgruppenthemen zuständig. Meine Meinung zählt.
Das heißt, die FPK ist Brandstifter und Feuerwehr in einem?
DÖRFLER: Nein. Es gibt weder eine Kraft- noch eine Zerreißprobe in der Partei.


















