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Zuletzt aktualisiert: 26.09.2012 um 05:10 UhrKommentare

Löscher "Kärntner wollen stolz auf ihr Land sein"

Siemens- Konzernchef Peter Löscher, gebürtiger Villacher und Chef von 410.000 Mitarbeitern, über seine Heimat: "Im Land brauchen wir Neuanfang."

Peter Löscher

Foto © ReutersPeter Löscher

Kärnten muss Skandale aufarbeiten und steht vor Neuwahlen. Wie beurteilen Sie die akute Lage in Ihrem Heimatland?

PETER LÖSCHER: Auch in Kärnten wird an vielen Stellen exzellente Politik gemacht, speziell auf kommunaler Ebene. Aber im Land brauchen wir einen Neuanfang. Die Kärntner wollen wieder stolz auf ihr Land sein - in allen Belangen.

Wo überall fordern Sie einen Neubeginn ein?

LÖSCHER: Der Neuanfang beginnt beim Menschen. Am Ende des Tages haben es die Parteien zu entscheiden, wie sie sich personell erneuern. Die Geschichte lehrt, dass man am Ende des Tages ohne Erneuerung nichts erreicht. Es gehört also auch ein politischer Neuanfang dazu. Da hat zum Beispiel Staatssekretär Wolfgang Waldner ein wichtiges Zeichen gesetzt. Es ist erfreulich, dass sich eine Persönlichkeit wie er dazu bereit erklärt hat, in den Ring zu steigen, um die Politik in Kärnten zu verändern.

Was braucht Kärnten an politischer Kultur als Antwort auf die Jahre, die jetzt bis zum Gericht aufgearbeitet werden müssen?

LÖSCHER: Es klingt trivial: Die Politik muss offen, ehrlich und transparent sein. Die Politik darf nicht Partikularinteressen folgen, sondern muss vor allem für die Bürger da sein.

Wenn Sie mit globalem Horizont auf Ihr Heimatland blicken, was schmerzt Sie da am meisten?

LÖSCHER: Es schmerzt schon, dass man in Kärnten in einer leichtfertigen Art und Weise die vorhandenen Potenziale ungenutzt lässt. Das Bundesland Kärnten ist eine der schönsten Regionen in Europa. Es hat Bürger, die in einem multikulturellen Umfeld am Schnittpunkt dreier Länder leben, was ein riesiger Vorteil ist. Die Menschen in Kärnten verdienen eine gute Politik und die hat es in den vergangenen Jahren längst nicht überall gegeben.

Worin soll sich die notwendige moralische Erneuerung in Kärnten manifestieren?

LÖSCHER: Es muss ein Miteinander für das Land stattfinden. Mit Ehrlichkeit und Offenheit, die auch gelebt wird. Jeder Skandal schadet nicht nur der öffentlichen Wirkung schwer, sondern schreckt auch jeden potenziellen Investor ab.

Was gehört für Sie zu einem Zukunftskonzept für ein erneuertes Kärnten in wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereichen?

LÖSCHER: Es ist wichtig, dass die Politik die Rahmenbedingungen in Kärnten langfristig setzt. Das

beginnt damit, ein offenes Bildungssystem weiter zu fördern. Man muss Leistung forcieren und das Bildungssystem auch auf universitärer Ebene in Richtung moderner Technologien und Ausbildung weiterentwickeln. Es muss sichergestellt werden, dass die jungen Kärntner ihre Zukunft in Kärnten suchen und nicht anderswo. Und dass sie, wenn sie anderswo Erfahrung gesammelt haben, mit Freude zurückkehren.

Viele Kärntner, die auswärts erfolgreich sind, werden oft auf ihr Land angesprochen. Können Sie sich vorstellen, einen Beitrag zu leisten, um Kärnten mit ihrem weltweiten Netzwerk zu unterstützen?

LÖSCHER: Wichtig ist eine sachorientierte Weiterentwicklung für unser Land. Dazu leiste ich jederzeit gerne meinen Beitrag, wenn das Umfeld stimmt.

ADOLF WINKLER

Zur Person

Peter Löscher, geboren am 17. September 1957 in Villach

Studierte Wirtschaft an der WU Wien und in Hongkong sowie Management in Harvard

Karriere als Manager bei Kienbaum & Partner, Hoechst, Aventis, Amersham, General Electric Healthcare sowie Merck (USA)

Seit Juni 2007 Vorstandschef der Siemens AG mit Sitz in München und 410.000 Mitarbeitern

Privat ist Löscher verheiratet und hat drei Kinder

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