Bezirks- und Gemeindesuche
"Die Kärntner brauchen wirklich Unterhaltung"
Erwin Steinhauer (60) pfeift auf das Polit-Kabarett und will mit Wienerliedern, Schlagern und Songs von Udo Jürgens ein wenig Licht nach Kärnten bringen. Interview von Erwin Hirtenfelder.

Foto © Kleine Zeitung/Erwin Scheriau (Archivbild)Erwin Steinhauer
Man kennt ihn als gelackten Primarius aus der TV-Verfilmung "Das Wunder von Kärnten", als Rad fahrenden Landgendarm Simon Polt oder als feinsinnigen Kabarettisten. In jüngster Zeit ist der vielseitige Schauspieler Erwin Steinhauer vor allem als Sänger unterwegs. Dieser Tage auch in Kärnten.
Sie haben einmal gesagt: "Wenn sich bei dem Kabarett, das man macht, außer dem Bankkonto nichts bewegt, dann hat das keinen Sinn." Ist die Lage wieder so hoffnungslos, dass Sie derzeit lieber als Musiker durch die Lande touren?
ERWIN STEINHAUER: Ich habe das 1992 bei meinem Abschied vom politischen Solokabarett gesagt. Doch dann kam viele Jahre später ein Kärntner, der mir sehr ans Herz gewachsen ist: Rupert Henning. Er hat mich praktisch verführt zu einem Comeback. Und dann haben wir drei Programme miteinander gemacht. Das letzte war das kritische SPÖ-Programm "Freundschaft". Im Grunde genommen ist ja Kabarettist keine Berufsbezeichnung, sondern eine Lebensauffassung. Und das gibt man ja nicht ab wie einen Mantel an der Garderobe. Auch wenn man letztlich nichts bewegen kann.
Stimmt es Sie nicht nachdenklich, dass Kabarettisten heutzutage ihre größten Erfolge dadurch feiern, dass sie beispielsweise aus Abhörprotokollen zur Buwog-Affäre lesen?
STEINHAUER: Es ist insofern bedenklich, als mir das als Konsument zu wenig wäre. Ich bin kein Freund von solchen Aktionen. Aber der Satz ist grandios: "Was war meine Leistung?"
Welche Leistung ist von Ihnen demnächst beim Humorfestival Velden oder im Schloss Albeck zu erwarten?
STEINHAUER: In Albeck singe ich mit meinen Schrammeln Wienerlieder. Ich habe mir ja mein Studium in Sievering mit dem Singen von Heurigenliedern verdient. Und in Velden lass ich die verschiedenen Musikrichtungen meiner ersten 20 Lebensjahre aufeinanderprallen: vom deutschen Schlager über Georg Kreisler bis hin zu Janis Choplin und den Kinks. Und natürlich Udo Jürgens, mein großes Vorbild. Ich habe 1971 als 15-Jähriger Françoise Hardy und Jürgens nachgesungen, weil mir die Musik so gut gefallen hat. Auch bei der Hochzeit meines Cousins in der Wiener Schottenkirche habe ich ein Udo- Jürgens-Lied gesungen.
"Siebzehn Jahr, Blondes Haar"?
STEINHAUER: Nein: "Warum nur, warum?" Passt doch gut zu einer Hochzeit. Die Ehe hat nicht lange gehalten.
Satirisches á la "I bin lei a Kantna" befindet sich nicht in Ihrem aktuellen Programm?
STEINHAUER: Nein. Ich glaube die Kärntner sind geschlagen genug mit ihrer Situation. Die brauchen wirklich Unterhaltung. Ich fahre nicht dahin, um die Kärntner für ihr Wahlverhalten der letzten Jahre zu prügeln. Ich hoffe, dass ich ein bisschen Licht hinunter bringe, weil ja die Sonne vom Himmel gefallen ist.
Überrascht es Sie als intimer Kärnten-Kenner, was derzeit an Korruptionsgeständnissen ans Tageslicht kommt?
STEINHAUER: Ich glaube, ein Großteil der Kärntner hat das geahnt. Es ist wichtig, dass jetzt aufgeräumt wird und dass das Land wieder ein normales Bundesland wird. Viele Kollegen haben den Fehler gemacht, dass sie gesagt haben: "Da fahre ich nicht runter, da spiele ich nicht." Das finde ich falsch, weil ein Großteil der Kärntner hat damit ja überhaupt nichts am Hut.
Sie werden Kärnten also auch in bitteren Tagen die Treue halten?
STEINHAUER: Ich war erst unlängst wieder am Wörthersee. Mir war so wohlig zumute. Es ist ja so ein schöner Flecken Erde!
Wo genau waren Sie?
STEINHAUER: In Reifnitz. Ich war dort zuletzt als Fünfjähriger mit meiner Mutter. Heuer im Juli bin ich nach 55 Jahren wieder in das Haus gegangen, wo ich auf Sommerfrische war. Ich mach die Tür auf und es steht die Christl vor mir und sagt: "Ma Erwin, jetzt warst oba schon lang nit do." Da ist mir das Herz aufgegangen.



















