Bezirks- und Gemeindesuche
Paradies für seltene Tiere
In den hochalpinen Regionen Osttirols findet man viele gefährdete Arten. "Auf einer einzigen Wiese tummeln sich 682 Schmetterlingsarten."

Foto © KKDie romantische Daberklamm in Osttirol
Das Kalser Dorfertal in Osttirol ist ein Dorado für Naturforscher. "Hier gibt es einen Artenreichtum, wie er im Alpenraum nur mehr selten vorkommt. Einen besonderen Lebensraum finden viele Tiere auf den senkrechten Kalkfelsen am Eingang zum Kalser Dorfertal. Hier wurden in den vergangenen 30 Jahren mehr als 60 Schmetterlingsarten entdeckt", sagt Gerhard Tarmann, Leiter der naturwissenschaftlichen Sammlungen des Tiroler Landesmuseums Ferdinandeum in Innsbruck.
Eines der interessantesten Lebewesen konnten Forscher in der Daberklamm am Anfang des Kalser Dorfertales ausmachen: die Kessleria burmanni, eine Hochgebirgsgespinstmotte, deren Raupen den Blaugrünen Steinbrech als Futterpflanze in ausreichender Menge vorfinden. "Die Kessleria burmanni ist ein Ostalpenendemit und kommt vom Engadin bis zum Triglav vor. Man kann annehmen, dass die Art die letzte Eiszeit inneralpin überlebt hat. In Osttirol findet man sie bis in eine Seehöhe von 3000 Metern", erläutert Tarmann.
Eine Wiese, 682 Arten
Nicht minder spannend sind für den Zoologen und Schmetterlingsforscher die Wiesen um die Sajathütte in der Venedigergruppe oberhalb von Prägraten. Hier werden die Wiesen nur alle paar Jahre gemäht. Das Ergebnis: Eine schier unendliche Flora hat sich ausgebreitet, die einerseits das passende Futter für eine Vielzahl von Raupen und den Nektar für deren Falter bildet. "Auf einer einzigen Wiese tummeln sich 682 Schmetterlingsarten", erzählt Tarmann. Zum Vergleich: Auf einer Grasfläche in den bewirtschafteten Talflächen der Alpen finden sich gerade einmal maximal zehn verschiedene Arten.
Die Mehrzahl der Schmetterlinge um die Sajathütte sind nachtaktiv. "85 Prozent sind Nachtfalter", weiß Tarmann, der seit beinahe 50 Jahren Schmetterlinge beobachtet.


















