Bezirks- und Gemeindesuche
Die Kärntner müssen für Dürre bezahlen
Die Krise auf den Getreide-Weltmärkten spitzt sich zu und trifft auch heimische Landwirte und Konsumenten. Lebensmittel werden ab Herbst teurer.

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Nach dem ungewöhnlich heißen Sommer könnte ein heißer Herbst folgen. Heiß vor allem, was die Lebensmittelpreise betrifft: In Österreichs Kornkammern wird die schlechteste Ernte seit 40 Jahren erwartet und in Amerika - dem größten Getreide-Lieferanten weltweit - sind bereits zwei Drittel der Getreide-Ernte verdorrt. Was das bedeutet, kann sich jeder Konsument selbst ausrechnen. Wenn die Preise für die Urprodukte wie Gerste, Mais, Weizen, Roggen, Soja ins Astronomische steigen, bedeutet dies à la longue auch einen Preisanstieg bei Lebensmitteln wie Brot, Fleisch, Milch, Bier.
Kärnten kommt zwar, was die Getreide-Ernte betrifft, heuer nicht so schlecht weg. "Die Getreide- und Mais-Ernte ist sogar besser als erwartet", erklärt Landwirtschaftskammerpräsident Johann Mößler. Wenn man aber den Anteil der Kärntner Getreide-Flächen an den österreichischen Gesamtflächen betrachtet, sind die Ergebnisse relativ: Von 585.000 Hektar GetreideFlächen hat Kärnten 13.587 Hektar, von den restlichen Anbauflächen wie Soja, Erbsen oder Mais hat das südlichste Bundesland 44.414 Hektar von österreichweit 1,05 Millionen Hektar. Daher gibt es auch nur rund 400 Getreide erzeugende Betriebe.
Teure Futtermittel
Prekär wird es für jene 15.000 Kärntner Landwirte, die auf den Ankauf von Futtermitteln angewiesen sind. Mößler: "Das ist die große Mehrheit der Kärntner Bauern, sie müssen heuer mit saftigen Preissteigerungen rechnen." Einen besonderen Höhenflug macht der Preis für gentechnikfreies Soja.
Die FAO (Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen) schlägt bereits Alarm. Nach drei Monaten des Rückgangs stiegen die Getreide-Preise wieder stark an. So haben sich die Ernteaussichten für Mais in den USA wegen der anhaltenden Dürre und Hitze so sehr verschlechtert, dass die Preise in der vergangenen Woche um bis zu 70 Prozent gestiegen sind. Die Weizen-Preise erhöhten sich wegen schlechter Ernten in Russland um ein Drittel. Rohstoffspekulanten springen an den Börsen zusätzlich auf den Zug auf. Getreide hat sich schon immer trefflich als Spekulationsobjekt geeignet.
"Mit der prognostizierten Gesamternte von etwas mehr als 2,3 Millionen Tonnen wird heuer um rund ein Viertel weniger geerntet als im Vorjahr. Damit ist die heurige Ernte die schlechteste seit über 40 Jahren und deutlich unter dem langjährigen Schnitt von knapp drei Millionen Tonnen", erklärt der Vorstandschef der Agrarmarkt Austria (AMA), Günter Griesmayr. "Es ist ein Jahr der Extreme. Vor allem in der Kornkammer Österreichs, im Osten, gibt es schlechte Erträge", bedauert Griesmayr.
Überschussregionen sind heuer in ganz Europa nicht auszumachen. Auch eine Ausweitung der Getreide-Flächen ist nicht zu erwarten. Im Gegenteil: Landwirtschaftliche Flächen nehmen stetig ab, Getreide und Mais werden weltweit zu Treibstoff verarbeitet. Im Herbst wird Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovic den Treibstoff E 10 einführen. Verwendet werden dafür Mais, Zuckerrüben und Getreide. Sie gehen als Nahrungsmittel ab.
HINTERGRUND
Lebensmittel werden teurer
Am Ende der Kette steht der Konsument, der die gestiegenen Rohstoffpreise schlucken muss. Der Innungsmeister der Kärntner Bäcker, Martin Franz Vallant kündigt für den Herbst eine Brotpreissteigerung an. "Wie viel es sein wird, wissen wir nicht, aber dass Brot und Gebäck teurer wird, ist sicher", ist Vallant überzeugt. "Dabei macht der Anteil der Urprodukte am Erzeugerpreis nur einen geringen Prozentsatz aus", wehrt sich Landwirtschaftskammerpräsident Johann Mößler. "Man glaubt immer, die Bauern würden kassieren. Sie bekommen den geringsten Teil."
"Sicher ist dass, unsicher ist wann." So stellt sich die Situation bei den Kärntner Fleischern dar. Innungsmeister Rudolf Plautz rechnet mit einer Preissteigerung, vor allem für Schweinefleisch, Anfang des nächsten Jahres. "Die Schweinebauern müssen Futtermittel am Markt besorgen. Wenn es Ernteausfälle gibt, ist eine Preissteigerung sicher, das wird sich mit Verzögerung auf den Fleischpreis auswirken", so Plautz.
"Zwei Preissteigerungen in einem Jahr geht gar nicht", wehrt der Vorstandschef der Villacher Brauerei Josef Pacher ab. Wenn auch der Preis für Gerste wegen Ernteausfällen steigen wird, der Konsument werde es nicht spüren, versichert Pacher.
Die Diskonter haben zwar erst kürzlich an der Milchpreisschraube nach unten gedreht, für den Chef der Kärntnermilch, Helmut Petschar, ist es so gut wie sicher, dass der Preis für die Bauern, der derzeit 36 Cent pro Liter beträgt, steigen muss. "Wir werden im Herbst Verhandlungen mit den Handelsketten führen", so Petschar. Es könne nicht sein, dass ein Liter Milch 1983 gleich viel gekostet hat, wie 2012. Milch werde als Frequenzbringer für den Handel missbraucht. "Höhere Preise für Futtermittel und niedrige für die Milch, das ann nicht zusammengehen."
Features
Fakten
Brot. Schon jetzt kündigen die Bäcker nach einem Jahr die nächste Brotpreiserhöhung an. Eine staatliche Brotpreisregelung, wie vor dem EU-Beitritt, gibt es in Österreich nicht mehr.
Bier. Anfang des Jahres schnellte der Bierpreis in die Höhe. Daher schließen zumindest die Vereinigten Kärntner Brauereien eine neuerliche Erhöhung aus. Das gilt für andere Brauereien jedoch nicht.
Milch. Mit 32 bis 36 Cent Erzeugermilchpreis gab es Milch noch nie so billig. Die Milch müsse daher teurer werden. In Österreichs Nachbarländern kostet sie zwischen 1,20 bis 1,60 Euro pro Liter.
Fleisch. Die Rinder- und Schweinebauern kommen heuer zum Handkuss, weil der Zukauf von Futtermitteln teuer werden wird. Der Großteil der Kärntner Bauern muss zukaufen - ergo Fleisch wird teurer.


















