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"Kleiner Stellenwert der Außenpolitik schmerzt"
Wolfgang Waldner ist Staatssekretär im Außenministerium und einziger Kärntner in der rot-schwarzen Bundesregierung. Auf Heimat-Besuch sprach er über die Zerreißprobe der EU, sein Schatten-Dasein und seine Schwester Gabi.

Foto © KLZ/WeichselbraunStaatssekretär Wolfgang Waldner
Griechenland, jetzt Spanien, und sie sind nicht die einzigen Probleme der EU. Wird es die EU zerreißen?
WOLFGANG WALDNER: Keineswegs! Die EU wird immer auf das Wirtschaftliche reduziert. Die EU ist aber vor allem ein Friedensprojekt: 70 Jahre ohne Krieg, das ist die längste Periode von Frieden in der Geschichte der Menschheit in einer zusammenhängenden Region mit über 500 Millionen Menschen. Es ist unvorstellbar, dass man wieder aufeinander schießt. Die Situation in Griechenland ist höchst unangenehm. Aber man muss sie gemeinsam bewältigen. Die Alternatives ist schrecklicher für alle Beteiligten.
Sie sind seit 14 Monaten im Amt, waren zuletzt beim Außenministerrat in Brüssel, bei der UNO in New York und beim NATO-Gipfel in Chicago. Die außenpolitischen Schlagzeilen machen Finanzministerin Maria Fekter mit ihrem ungezügelten Redefluss in Brüssel oder Verteidigungsminister Norbert Darabos mit seiner Beschimpfung von Israels Außenminister als "unerträglich". Was bedeuten solche Eklats für Ihre Arbeit?
WALDNER: Ich sehe keine Eklats. Nachdem Finanzpolitik eine Herzproblematik der EU ist, kommen die Finanzpolitiker am prominentesten in den Medien vor. Zum Verteidigungsminister kann ich nur sagen, es gehört zu den Grundprinzipien, keine Aussagen über Regierungsmitglieder anderer Staaten zu machen.
Lassen Sie uns hinter die Kulissen blicken. Müssen Sie in Fällen wie der Darabos-Aussage Krisenfeuerwehrmann spielen, sind Entschuldigungen angesagt?
WALDNER: Das Außenministerium hat eine Aussendung gemacht. Das genügt in dem Fall. Ich selbst wurde gar nicht darauf angesprochen, auch nicht in Chicago, wo ich acht Außenminister getroffen habe. Eine andere Sache war das FPÖ-Wahlplakat in Innsbruck ("Marokkaner-Diebe"). Das habe ich gegenüber dem marokkanischen Außenminister angesprochen. Denn eine pauschale Verdächtigung eines ganzen Landes ist einfach nicht zulässig.
Gibt es für Regierungsmitglieder wie Frau Fekter, die den Chef der Euro-Gruppe Jean-Claude Juncker verärgert hat, eine diplomatische Nachschulung von Ihnen?
WALDNER: Das ist nicht notwendig. Frau Fekter gibt selbst zu, dass sie manchmal etwas drastischer formuliert. Das ist bei den EU-Räten kein Problem, das sind Leute, die mehrmals im Monat miteinander zu tun haben. Da fallen oft sehr direkte Worte. Die Frage ist, ob man das nach außen macht.
Sie sind bei den wichtigsten Konferenzen. In Österreich sind Sie der Staatssekretär, das unbekannte Wesen. Schmerzt Sie das?
WALDNER: Es schmerzt mich nicht für mich persönlich, es tut mir leid für den Stellenwert der Außenpolitik. Es ist aber ein Faktum. Ich bin drei Mal um die Welt gereist und habe 400 Arbeitsgespräche gehabt. Es gibt Initiativen, die ich mitgestalte. Da wissen die beteiligten Leute, dass ich die Arbeit mache. Aber Außenpolitik ist schwer zu erklären.
Sie sind aus der Welt der Kultur in die Welt der Politik gewechselt. Wo sind Sie zu Hause?
WALDNER: Schwer zu sagen. Die Welt der Politik ist für mich die Welt der Außenpolitik, wo ich mich immer schon zu Hause gefühlt habe. Die Kultur ist eine Leidenschaft, die ich für mich schon vor Jahrzehnten als Teil meines Lebens definiert habe. Hier in Klagenfurt war ich als Erstes im Landesarchiv, um mir die Ausstellung über die Deportation der Kärntner Slowenen anzusehen. Dieses Thema gehört ja zur Außenpolitik dazu, wie auch die Kultur zur Außenpolitik gehört.
Politik erweckt oft den Eindruck, dass Sie sehr kulturlos ist.
WALDNER: Kultur hat man oder hat man nicht. Kultur braucht man oder braucht man nicht.
Wie sehr nervt es, dass Sie ständig mit Society-Journalist Kari Hohenlohe verwechselt werden?
WALDNER: Überhaupt nicht. Das geht schon seit Jahrzehnten. Wir haben beide festgestellt, dass es schlimmere Menschen als uns beide gibt, mit denen man verwechselt werden könnte.
Wie oft intervenieren Sie bei Ihrer Schwester, ORF-Report-Journalistin Gabi Waldner? Oder wird der Wunsch an Sie herangetragen?
WALDNER: Kein einziges Mal. Ein solch unprofessionelles Verhalten würde uns niemand zumuten.
Features
Zur Person
Wolfgang Waldner ist seit April des Vorjahres Staatssekretär im Außenministerium.
Geboren am 6. Oktober 1954 in Villach, aufgewachsen im Gailtal, Jurist, seit 30 Jahren im Dienst des Außenamtes.
Karriere-Stationen: Kulturchef an den Botschaften in Washington und New York, ab 1999 Direktor des Museumsquartiers in Wien. KK


















