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Zuletzt aktualisiert: 23.02.2012 um 05:10 Uhr

Libysche Invaliden angefeindet

Mitpatienten beschimpften vier libysche Kriegsopfer in der Reha-Klinik Althofen als "Sozialschmarotzer". Sie wurden in andere Betreuungseinrichtungen verlegt.

Die Reha-Klinik Althofen

Foto © KLZ/GebeneterDie Reha-Klinik Althofen

"Ich schäme mich, Österreicherin zu sein", sagt die Himmelbergerin Birgit Kullnig nach einem Rehabilitationsaufenthalt in Althofen. Sie musste mit ansehen, wie vier libysche Kriegsopfer von Mitpatienten beschimpft wurden. Alle vier hatten während des Krieges in ihrem Heimatland nicht nur schwere körperliche Verletzungen davongetragen, sondern auch seelische Traumata.

Ihr Betreuer und Dolmetscher Rashid Abdalla berichtet, dass seine Schützlinge aufgrund der grausigen Erlebnisse während des libyschen Bürgerkriegs in der Nacht keinen Schlaf fanden. Umso mehr haben die Nordafrikaner unter der ablehnenden Haltung der Mitpatienten gelitten. Birgit Kullnig erinnert sich: "Was haben diese Sozialschmarotzer hier verloren? Warum lachen die überhaupt? Das finanzieren alles wir Steuerzahler", seien noch die harmlosen Aussagen der Mitpatienten gewesen.

Bei der Humanomed kann man sich die erhobenen Vorwürfe nicht erklären. "Es war von vorneherein klar, dass die libyschen Patienten nach einer bestimmten Behandlungszeit in andere Einrichtungen überstellt werden", sagt Pressesprecherin Ulrike Koscher-Preiss. Eine gewisse Isolation der Libyer gesteht sie ein: "Es gibt natürlich eine Sprachbarriere, wenn diese Menschen nur Arabisch und kaum Englisch sprechen."

Liebevoll um Patienten gekümmert

Die Humanomed trifft kein Vorwurf. Mitpatienten berichten darüber, dass sich sowohl das medizinische als auch das Gastro-Personal sehr liebevoll um die besonderen Patienten gekümmert hätten. Die Anfeindungen seien vielmehr von den Einheimischen gekommen. Eine Patientin: "Die vier Männer waren unsicher, liebenswürdig, hatten starke Schmerzen und natürlich Heimweh. Kein Wunder, waren sie doch schon seit Wochen rund 2400 Kilometer von ihrer Heimat entfernt."

Der Vorwurf der Mitpatienten, die Libyer seien Sozialschmarotzer geht übrigens ins Leere: Alle Kosten, die für ihre Behandlungen angefallen sind, werden über Vermittlung der AUVA von der libyschen Übergangsregierung getragen. Der ärztliche Leiter Primarius Henry Puff: "Die libyschen Patienten haben von uns die bestmögliche medizinische Versorgung erhalten und wurden länger als die 30 Tage betreut."

Dass die Kriegsopfer von den Mitpatienten "rausgeekelt" worden sind, entspricht laut Puff nicht der Wahrheit: "Die Kriegsopfer wurden nach dem Aufenthalt in Althofen wie geplant in andere Betreuungseinrichtungen verlegt."

ROBERT BENEDIKT

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Betreuer Rashid Abdalla berichtet von der langen Leidensgeschichte seiner Schützlinge Foto © KK/Privat

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