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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2012 um 05:10 UhrKommentare

Erneuerung von Körper und Geist

Mit dem Aschermittwoch beginnt die Fastenzeit. Sechs Kärntner berichten, worauf sie in den 40 Tagen vor Ostern verzichten. Die Vorhaben sind ehrgeizig und reichen vom Autofasten bis zum Schokoladeverzicht.

Foto © APA

Klagenfurter Dompfarrer ohne Auto

Der Klagenfurter Dompfarrer Peter Allmaier hat sich Besonderes vorgenommen: Er will in den 40 Tagen vor Ostern "Autofasten", das heißt: Höchstens 500 Kilometer mit dem Auto zurücklegen. Was ist die Alternative? "Ich bewege mich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln." Einige "Probeläufe" hat er sich schon hinter sich gebracht und dabei festgestellt, dass das Vorhaben gar nicht so schwer zu realisieren ist: "Ich habe sogar schon daran gedacht, mein Auto zu verkaufen." Vom Autofasten abgesehen möchte der Dompfarrer in der Fastenzeit "auf alles, was Spaß macht" verzichten. Dazu gehören für den populären Priester Alkohol, Süßigkeiten und Zigaretten. Dabei gilt Allmaier als Nichtraucher. Er gesteht aber ein: "Nach einem guten Essen rauche ich gerne einmal eine Zigarette." Die nächste erst nach Ostern.

Politologin will Informationsfasten

Als Politologin an der Fachhochschule Villach ist Kathrin Stainer-Hämmerle jahraus, jahrein mit einer Informationsflut konfrontiert. Der will sie zumindest in der Fastenzeit entkommen. Ihr Vorsatz lautet: "Ich habe mir, so weit es der Beruf erlaubt, striktes Informationsfasten vorgenommen." Das erlaube ihr, die Konzentration auf das Wesentliche, die Familie und das eigene Wohlergehen, zu richten: "Wir sind heutzutage einem unglaublichen Informationsmüll ausgeliefert, durch alle Medien, ob es sich nun um Computer, Radio, Fernsehen, Handy oder Zeitungen handelt." Ihr Vorsatz lautet: Konsum in den Hintergrund drängen, Ablenkungen vermeiden und auf die innere Stimme hören.

Kein Alkohol für Uwe Scheuch

Ganz ohne Alkohol will FPK-Obmann Uwe Scheuch während der Fastenzeit auskommen: "In dieser Zeit wird es akzeptiert, wenn man sagt: Ich trinke nichts. Während des Jahres kann man als Politiker nicht immer Mineralwasser trinken." Aus Erfahrung weiß der Parteichef, dass es während der Fastentage "ein paar Joker" gibt, Familien- oder andere Feste, bei denen man das Glas auf das Wohl der Gäste erhebt. Aber heuer hat er einen besonderen Vorsatz: "Mein Ziel ist es, den Alkoholverzicht in dieser Fastenzeit konsequenter als sonst einzuhalten, denn es steht mir ja ein besonderes Jahr bevor." Damit spielt er wohl auf das Urteil des Oberlandesgerichts in Graz an, mit dem über die Berufung gegen das Ersturteil entschieden wird, mit dem Scheuch wegen Amtsmissbrauchs zu einer 18-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt wurde.

Rauchfreier Superintendent

Der evangelische Superintendent Manfred Sauer gesteht, ein Genussmensch zu sein. Deshalb hat er im abgelaufenen Fasching auch einiges an Gewicht zugelegt: "Ich war zu vielen privaten und öffentlichen Festen eingeladen, da kann man nur sehr schwer ,Nein' sagen." Die 40 Tage vor Ostern sind nur ein Teil der Verzichtstrilogie des geistlichen Herren: "Ich werde auf Alkohol und Nikotin verzichten." Das fällt ihm insofern leicht, als er sich selbst als typischen Sommerraucher bezeichnet: "In den Monaten ohne R rauche ich mehr als während des übrigen Jahres. Zweimal im Jahr wird im Hause Sauer Heilfasten geübt. Da steht nur flüssige Nahrung auf dem Speiseplan. Der Verzicht trägt Früchte: "Man kann sich viel leichter auf die wesentlichen Dinge des Lebens konzentrieren. Mit dem angenehmen Nebeneffekt: Das Gewicht schrumpft."

Enthaltsamer Landespolizeikommandant

Zeit seines Lebens musste Landespolizeikommandant Wolfgang Rauchegger auf seine Linie achten. Deshalb fällt es ihm nicht schwer, während der Fastenzeit Verzicht zu üben. In der Fastenzeit kommt noch ein Aspekt dazu: In den 40 Tagen vor Ostern bemüht sich der höchstrangige Polizist des Landes, keine Süßigkeiten zu sich zu nehmen. Und er freut sich schon auf das Ergebnis: "Bei der jährlichen Untersuchung vom Arzt Gesundheit attestiert zu bekommen, ist der Lohn für das Darben."

Raucheggers Familie unterstützt den Generalmajor bei seinem Vorhaben: "Meine Frau legt wie ich großen Wert auf gesunde Ernährung. Die Schwiegermutter, die aus spirituellen Gründen fastet, gibt zusätzliche Motivation. Rauchegger übt seit 15 Jahren Enthaltsamkeit und freut sich während der 40 Tage auf den traditionellen Osterschmaus.

Bei Claudia Egger purzeln Kilos

Die Bezirkshauptfrau von St. Veit, Claudia Egger, ist es gewohnt, auf bewusste Ernährung zu achten. Deshalb fällt es ihr auch in der Fastenzeit nicht schwer, auf Süßigkeiten wie Schokolade, Kuchen und Torten zu verzichten: "Ich veranstalte zweimal pro Jahr eine Wohlfühlwoche. Da ernähre ich mich nur von Tee, Salat und Basensuppe." Dabei steht nicht der Verzicht im Vordergrund, sondern die Entschlackung des Körpers. Auch während des Jahres kommt es vor, dass sie den ganzen Tag über wegen der dichten Folge von Terminen keine warme Mahlzeit zu sich nehmen kann. Am Abend kommt dann das große Schmausen. Das fällt allerdings in der Fastenzeit weg. Die Juristin hofft auf Erfolgserlebnisse: "Ich habe nichts dagegen, wenn ein paar Kilos purzeln." Deshalb erträgt sie den Verzicht auch ohne Missmut.

ROBERT BENEDIKT

Aschermittwoch

Aschermittwochsliturgie heute um 19 Uhr im Dom zu Klagenfurt mit Bischof Alois Schwarz mit Austeilung des Aschenkreuzes - ein Ritus, der seit dem elften Jahrhundert überliefert ist. Die Asche ist nicht nur ein Zeichen der Vergänglichkeit, sondern auch der Reinigung.

Zeit der Buße. Heute beginnt die 40-tägige österliche Bußzeit als Vorbereitung auf das höchste Fest im Kirchenjahr. Da früher an Sonntagen nicht gefastet wurde, werden Sonntage bei der Zählung der 40 Tage nicht berücksichtigt. Die "heilige Zahl" 40 bezeichnet in der Bibel fast immer eine Zeit der Buße, des Fastens und Betens.

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