Bezirks- und Gemeindesuche
So schwer wird die "KO-Matura"
"Kompetenzorientiert" (KO) soll die neue Reifeprüfung sein. Aber weder Schüler noch Eltern wissen, was auf sie zukommt. Experten versuchten bei einem Infoabend zu beruhigen.

Foto © FotoliaSchon 2014 sollen die Kärntner Gymnasiasten mit der neuen Matura ihre Reife beweisen. Ein Jahr später sollen die BHS nachziehen
Da kommt kein Maturant vorbei
Vorwissenschaftliche Arbeit
Die größte Neuerung bei der "KO-Matura" liegt in der "Vorwissenschaftlichen Arbeit" (VWA), die jeder Maturant abliefern muss. Anders als die Fachbereichsarbeit, die bisher freiwillig gewählt werden konnte, ist die VWA ein Muss. Dabei sollen die Maturanten einen "Nachweis der Studierfähigkeit" erbringen, so Gabriele Fenkart, die an der Pädagogischen Hochschule für die VWA zuständig ist.
Und so wird sie ablaufen: Die Maturanten müssen schon im ersten Semester der siebten Klasse ein Thema und einen Betreuungslehrer aussuchen. Dabei dürfen sie auf alle Lehrer der Schule zurückgreifen. Sie können entweder eine Literaturarbeit oder einen Text auf Basis empirischer Daten schreiben. Der Landesschulrat muss jedes einzelne Thema genehmigen, spätestens im zweiten Semester der siebten Klasse muss daher ein Exposé vorliegen, in dem der Maturant die Eckpunkte seiner Arbeit festlegt. Geschrieben wird im ersten Semester der achten Klasse, fertig muss die VWA Anfang des zweiten Semesters sein.
Schließlich müssen die Maturanten ihre Arbeiten (Umfang: 15 bis 20 Seiten) noch mündlich präsentieren, an einem eigenen Termin vor der eigentlichen Matura. Dabei wird das Thema mit einer Kommission diskutiert.
Gleiches Recht für alle
Schriftliche Reifeprüfung
Dem schriftlichen Teil verdankt die neue Reifeprüfung ihren Furcht einflößenden Titel "Zentralmatura". Tatsächlich ist dies der einzige Bereich, in dem die Reifeprüfung zentral, also mit österreichweit einheitlicher Aufgabenstellung und gleichem Termin, durchgeführt wird.
Einheitlich sind auch die Korrekturrichtlinien, nach denen alle Lehrer gleich bewerten müssen. Die Möglichkeit für Lehrer, schwächeren Klassen leichtere Aufgaben zu stellen, ist damit passé.
In Mathematik wird sich die Matura an der "Gesellschaft und Berufspraxis orientieren", sagt Gerhard Hainscho, der die neue Mathematik-Matura mitentwickelt hat. Seinen Kollegen verlangt er ab, als Vorbereitung für die neue Matura "Konzepte zu vermitteln, statt Aufgaben zu trainieren". Konkret heißt das, die Schüler müssen ab der Oberstufe mit Multiple-Choice-Fragen vertraut gemacht werden.
In Latein und Griechisch werden die Maturanten weniger übersetzen und mehr interpretieren müssen, in Deutsch haben sie mindestens 1000 Wörter zu schreiben. Bei den lebenden Fremdsprachen soll weniger Wissen reproduziert, sondern Alltagsaufgaben wie Briefe oder Bewerbungen schriftlich gemeistert werden.
Mehr reden statt wissen
Mündliche Matura
Weiterhin schulautonom verläuft die mündliche Matura. Schon zu Beginn des Schuljahres wird ein Kontingent an Themen für jedes Fach veröffentlicht. Bei der Reifeprüfung müssen die Maturanten aus diesem Kontingent dann zwei Themen ziehen, von denen sie sich eines für die Prüfung aussuchen können.
Bei der Beantwortung erbringen die Maturanten neben einer Wissensleistung auch eine Transferleistung, bei der sie ihr Wissen mit anderen Bereichen verknüpfen, und eine Reflexionsleistung, bei der sie eine Problemstellung lösen. Geprüft werden sie vom Klassenvorstand und einem Fachlehrer.
Wie das konkret ablaufen soll, erklärt Gabriele Isak, die Expertin für die neue Englisch-Matura: "Die Maturanten müssen nicht mehr Fachwissen reproduzieren, sondern zeigen, dass sie ein Gespräch führen und über ein Thema sprechen können." Fünf Minuten der mündlichen Matura werden vom Schüler im Monolog bestritten, zehn Minuten im Zwiegespräch mit den Prüfern.
In Latein und Griechisch muss gar nicht mehr übersetzt werden, in Mathematik wird dem Maturanten statt bisher zwei nur mehr eine Frage gestellt. Alle Fragen sollen "kompetenzorientiert" ausfallen.
Skepsis gegenüber den AHS-Lehrern
Am Rande
Rund 300 interessierte und teils besorgte Eltern sind am Mittwochabend der Einladung des Landeselternvereins gefolgt und haben sich an der Pädagogischen Hochschule (PH) über die neue Matura informieren lassen. Acht Experten von PH, Uni und Landesschulrat waren notwendig, um die Prüfungsmodalitäten genau zu erklären.
Dass dies überfällig war, ließ sich in der anschließenden Diskussion aus den Kommentaren der Eltern heraushören. Diese sind äußerst skeptisch, ob die Kärntner Lehrer ausreichend motiviert und ausgebildet sind, um ihre Kinder auf die Herausforderungen der neuen Matura vorbereiten zu können. Viele trauen das den Lehrern nicht zu.
Features
Die Säulen der KO-Matura
Drei Teilbereiche wird die "kompetenzorientierte, teilweise standardisierte, teilweise zentralisierte" Reifeprüfung künftig haben: die für alle verpflichtende "Vorwissenschaftliche Arbeit" (VWA), einen schriftlichen und einen mündlichen Teil. Erfolgreiche Absolventen erhalten zum Schluss ein Zeugnis mit sieben Einzelnoten.


















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