Bezirks- und Gemeindesuche
Die Pfarre bleibt im Dorf
Immer mehr alte Pfarrer, immer weniger Priesterweihen: In der katholischen Kirche Kärnten denkt man dennoch nicht ans Auflösen von Pfarren. Auswege sind gefragt.

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In Kals in Osttirol war es zuletzt Gesprächsthema Nummer eins und der Tiroler Tageszeitung einen großen Bericht wert: Zum ersten Mal überhaupt ist die Pfarre ohne eigenen Pfarrer vor Ort. Der ging mit 81 in Pension.
Immer mehr ältere und alte Priester, wenig Priesterweihen (heuer keine, im nächsten Jahr zwei) und immer mehr Pfarren ohne eigenen Pfarrer vor Ort, das betrifft auch die Diözese Gurk-Klagenfurt. Beispiele sind Oberdrauburg, Latschach/Loe, Reisach, Villach-Heiligenkreuz oder St. Salvator, wobei im Vorjahr keine neuen hinzugekommen sind.
Zudem: Kärnten hat gemessen an der Katholikenzahl das dichteste Pfarrnetz österreichweit. Die Vorgabe von Josef II., jeder Gläubige sollte binnen einer Gehstunde eine Pfarrkirche erreichen, wurde bis in die heutige autoreiche Zeit nicht rückgängig gemacht. Kärnten hat 336 Pfarren, wobei 89 davon, also fast ein Viertel, gleich wie Kals keinen eigenen Priester vor Ort haben. Das bedeutet, dass ein Priester mehrere Pfarren versorgt, im Schnitt sind es zwei, maximal drei, sagt Generalvikar Engelbert Guggenberger. Von den 336 Pfarren haben 202 weniger als 1000 Katholiken, 118 weniger als 500 und 17 sogar weniger als 100 Katholiken. Kirchberg (Klein St. Paul) ist mit 36 Katholiken die kleinste Pfarre.
Letzter Nahversorger
Egal wie groß: Die katholische Kirche in Kärnten hält (gleich wie die evangelische) an jeder Pfarre fest. Jede ist mit einem Grundstock ausgestattet: Kirche plus Pfarrhaus bzw. einem (angemieteten) Raum für Aktivitäten. "In Zeiten, in denen im ländlichen Raum die Post, die Schule, das Kaufhaus längst geschlossen haben, ist es für die Dörfer wichtig, eine Pfarre zu haben. Kirche ist oft der letzte Nahversorger", betont Guggenberger. Und das nicht nur mit den liturgischen Aufgaben, sondern auch mit den gesellschaftspolitischen, wenn Feste zu feiern sind, Konzerte in Kirchen stattfinden, Hilfe praktiziert wird. "Das bleibt auch so, wenn der Priester nicht vor Ort, sondern im Nachbardorf wohnt und die Pfarre mitbetreut", so Guggenberger. Pfarren zu schließen oder zusammenzulegen, diesen Plan gebe es in Kärnten nicht. Jede soll erhalten bleiben, so will es Bischof Alois Schwarz.
Wenngleich der Blick auf die Liste der Priester Herausforderungen für die zukünftige Seelsorge bringt: 255 Priester gibt es (49 davon Ordenspriester), 65 stammen nicht aus Österreich: Der Altersdurchschnitt liegt bereits bei 63,7 Jahren - in Zivilberufen wären diese Männer in Pension! 67 Priester sind 75 Jahre und älter - 40 von ihnen sind noch im Amt. Zu den ältesten Aktiven zählt Servitenpater Eugen M. Ferro in Maria Luggau. "So wie eine Mutter immer Mutter bleibt, bleibt ein Priester immer Priester und leistet bis zum Sterben seelsorgliche Dienste", so Guggenberger. Theoretisch kann ein Pfarrer mit 75 in Pension gehen. Viele bleiben aktiv, haben teils keine eigene Pfarre, helfen aus.
Zwei bis drei Pfarren - ein Pfarrer: Das funktioniert nur, weil 49 Ständige Diakone, rund 70 Pastoralassistenten, 440 Religionslehrer, 3000 Pfarrgemeinderäte und 13.000 ehrenamtlich Tätige samt Hauptamtlichen mit im Boot sind und sich seelsorgliche, wie administrative Tätigkeiten in den Pfarren aufteilen.
Neue Ideen
Die Kirche muss aber auch neue Formen von Pfarrmodellen suchen. Eine Idee, die laut Guggenberger seit Längerem präsent ist: Zwei Pfarrer bewohnen einen Pfarrhof und übernehmen gemeinsam einen größeren Bereich. Das funktioniere im städtischen Bereich. Sobald Fahrtstrecken für Tauf- oder Trauergespräch zu groß sind, ist das Modell nicht mehr umsetzbar.
Drei Gottesdienste und eine Taufe an einem Sonntag: Auf ein sensibles Thema reagiert der Generalvikar sensibel: "Unsere diözesane Dienstordnung ist human. Ich lasse mir nicht einreden, dass Priester ins Burn-out getrieben werden. Jeder muss sich eine humane Lebenskultur aneignen. Dazu gehören Grenzen des Einsatzes und das Sorgen für Erholung."


















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