Bezirks- und Gemeindesuche
"Die Bürgermeister vergessen auf sich"
Hans Ferlitsch ist seit 27 Jahren Bürgermeister von St. Stefan im Gailtal. Zuvor war er zwölf Jahre Vizebürgermeister.
Hans Ferlitsch stand viele Jahre dem Gemeindebund als Präsident in Kärnten vor. Er ist in den Bezirken Spittal und Hermagor der dienstälteste Bürgermeister.
Herr Bürgermeister, sind die Anforderungen an ein Gemeindeoberhaupt so belastend, dass man mit gesundheitlichen Schäden rechnen muss?
HANS FERLITSCH: Ich beobachte das Geschehen seit mehreren Jahrzehnten. Und rückblickend muss ich sagen, dass sich sehr viel geändert hat. Die Aufgabenstellung ist eine andere als vor 20 Jahren, die Herausforderung ist größer geworden, die Bevölkerung erwartet 100 Prozent Service. Die Mitarbeiter müssen bestens ausgebildet sein, für Fehler trägt der Bürgermeister die Verantwortung. Die Bürger erwarten sich zunehmend eine hohe Kompetenz in allen Belangen.
Bleibt bei so hohen Anforderungen der Kontakt zum Bürger auf der Strecke?
FERLITSCH: Im Mittelpunkt soll heute wie damals der Mensch stehen. Es ist die Aufgabe des Bürgermeisters, für seine Mitbürger da zu sein. Ich möchte jedem, der sich an mich wendet, das Gefühl geben, dass ich sein Anliegen ernst nehme. Wenn man seine Aufgabe so wahrnimmt, dann ist sie sehr zeitaufwendig, erfordert ein großes Einfühlungsvermögen und kostet sehr viel Kraft.
Und wenn man diese hohe Erwartungshaltung nicht erfüllen kann, dann wird man krank?
FERLITSCH: Es ist wichtig, dass jeder für sich Auszeiten sucht. Es liegt in der Natur von Bürgermeistern, dass sie auf sich selbst vergessen. Man bekommt aber auch sehr viel zurück, es ist ja nicht nur alles negativ.


















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