Bezirks- und Gemeindesuche
Martin Balluch: "Bedrohungsgefühl weicht nur langsam"
Martin Balluch (47) spricht über Respekt vor Tieren und seine Erfahrung mit den aggressiven Reaktionen des Staates.

Foto © APAMartin Balluch stand als radikaler Tierschützer vor Gericht
Von falschen Mitstreitern bespitzelt, dreieinhalb Monate U-Haft, drei Jahre Prozess wegen angeblicher Bildung einer kriminellen Vereinigung und dann freigesprochen: Wie geht es Ihnen jetzt?
MARTIN BALLUCH: Damals kam ich mir vor wie in Kafkas "Prozess". Das Gefühl der Bedrohung flaut nur langsam ab, auch weil der Freispruch noch nicht rechtskräftig ist. Die Richterin hat es in acht Monaten nicht geschafft, das Urteil schriftlich herauszugeben. Es kann noch viel passieren.
Die finanziellen Folgen?
BALLUCH: Ich bin bankrott und habe 500.000 Euro Schulden. Ich habe ein Haus geerbt, das ist draufgegangen. Und vor Rechtskraft des Urteils kann ich keinen Schadenersatz einklagen.
Wie wurden Sie zum konsequenten Tierschützer?
BALLUCH: Schon als Kind habe ich Respekt vor Tieren mitbekommen. Als zwei Buben Krebse gefangen und ihnen die Scheren ausgerissen haben, ist meine Mutter ausgerastet und hat die Tiere befreit. Das hat mich beeindruckt. Ich bin auch bereit, mit jedem zu reden - außer denen, für die Tiere nur eine Ware sind und die keinerlei Mitgefühl für sie aufbringen.
Sie arbeiteten acht Jahre im gleichen Institut wie Stephen Hawking. War der auch ein Tierschützer?
BALLUCH: Das war ihm eher gleichgültig. Doch als meine Arbeitsbewilligung in Gefahr war, weil ich gegen die Fuchsjagd der Aristokraten gekämpft habe, schrieb er ans Ministerium - mit Erfolg.
Was erwartet Ihre Gäste morgen, Montag, um 19 Uhr im Hörsaal 1 der Alpen-Adria-Universität?
BALLUCH: Ich rede über mein Buch "Tierschützer. Staatsfeind - In den Fängen von Polizei und Justiz" und lese daraus vor. Ein Teil gilt meinen persönlichen Erfahrungen im Gefängnis, also das, was auch die zehn Prozent Unschuldigen ertragen müssen, die später freigesprochen werden. Ein anderer Schwerpunkt behandelt die politisch motivierte Vendetta gegen mich und den "Verein gegen Tierfabriken", der schon viele Verbesserungen erreicht hat.
















