Bezirks- und Gemeindesuche
"Colours of Carinthia" Imagepflege für Gelb-Rot-Weiß
Gäste, Fremde, Ausländer: Das Buch- und Fotoprojekt "Colours of Carinthia" wirft einen differenzierten Blick auf Menschen, die in Kärnten (k)eine Heimat gefunden haben.

Foto © WeichselbraunGingen mit Begeisterung "fremd": Christian Brandstätter (links) und Karlheinz Fessl
Am Beginn stand ein Stammtisch im Klagenfurter "Bei uns": Der international tätige Fotograf Karlheinz Fessl (52) und der viel gereiste, fotografisch engagierte Bankmanager Christian Brandstätter (50) diskutieren über die Kärntner Politik und ärgerten sich zum x-ten Mal darüber, wie "hier bewusst Fremdenangst geschürt wird, um damit Politik zu machen". Quasi zum Abreagieren zählten sie einander Beispiele auf - von Menschen, die aus anderen Ländern nach Kärnten gezogen sind. "Auf Anhieb hatten wir 30 Leute - nur aus unserem Umfeld," erzählt Fessl. Und sie beschlossen "etwas zur "Imagepflege zu tun und den Kärntner Ruf ein bisschen zurecht zu rücken."
Traum und Trauma
Wenn Kärnten nun mit den "Colours of Carinthia" aufgeputzt wird, liegt dieser Stammtisch fast zweieinhalb Jahre zurück. In der Zwischenzeit haben Brandstätter und Fessl 50 Menschen aus den verschiedensten Regionen der Erde interviewt. Den zweijährigen, ins Gailtal adoptierten Äthiopier ebenso wie das Sonntagskind aus Nigeria, das von einem Job in der Solarenergiebranche träumt; den 92-jährigen nunmehrigen St. Veiter aus der autonomen deutschen Wolga-Republik oder die Australierin, die das Land wegen Rassismus und Unhöflichkeit wieder verlassen hat. "Die traurigste Geschichte handelt von einer afghanischen Familie. Von vier Kindern sind drei von den Taliban erschossen worden," wollte das Duo differenziert zeigen, welche Schicksale mitunter hinter reißerischen Pressemeldungen oder pauschalen Aussagen über "die Ausländer" stehen.
Zu den selbst erzählten Geschichten und Gedanken der 50 Porträtierten, hat der Verleger Lojze Wieser für den Bildband (für die tolle Optik ist der Grafiker Erich Kugi verantwortlich) auch Texte prominenter Autoren wie Peter Handke, Peter Turrini, Eva Rossmann oder Veit Heinichen besorgt.
Und auch das Vorwort hat besondere Power. Nachdem in der deutschen "Zeit" ein kärntenkritischer Text von Eva Menasse erschienen war, rief Christian Brandstätter einfach bei der Autorin an. Sie war von dem Projekt begeistert und sagte spontan zu.
Features
Fotoserie
Zum Projekt
Colours of Carinthia ist vor allem ein Fotoprojekt.
Die Autoren Karlheinz Fessl und Christian Brandstätter wollen das Publikum in klassischen Ausstellungen mit den Porträts und Aussagen der in Kärnten lebenden Immigranten konfrontieren.
Ausstellung ab 2. Februar in Villach, Galerie Freihausgasse. Anschließend: Ljubljana (Mai), Gorizia, Klagenfurt, Graz, Wien.



















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