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Der Triumph der Familiennamen in Kärnten
Manche Nachnamen beherrschen Orte und Täler, andere sterben aus. Damit Namen im großen Stil überleben, brauchen sie drei günstige Faktoren. Und interessante Bedeutungen haben Namen auch noch.

Foto © Scheriau
Auf manchen Friedhöfen decken vier, fünf Familiennamen zwei Drittel aller Gräber ab." Was Landesarchiv-Direktor Wilhelm Wadl bei seinen Streifzügen entdeckt hat, ist fast jedem schon aufgefallen. Nicht nur auf Friedhöfen, sondern auch in Ortschaften, Dörfern, Gemeinden und ganzen Tälern.
Doch wie ist es möglich, dass sich ein Familienname ausbreitet, während andere untergehen?
Die Antwort ist einfach: Was aus einem Familiennamen wird, hängt von drei Umständen ab. Erstens: Die frühen Namensträger müssen viele Söhne zeugen, die sich woanders niederlassen, den Namen mitnehmen und ebenfalls Söhne zeugen. Zweitens: In der Großfamilie muss ein gewisser Wohlstand herrschen, der ihren Abkömmlingen den Aufbau einer dauerhaften Existenz ermöglicht. Und drittens müssen die Nachkommen bereit sein, in die Nachbarschaft oder auch weiter weg zu übersiedeln.
Wie das im Detail aussehen kann, hat Stammbaum-Forscher Joachim Eichert vom Landesarchiv anhand einiger Lesachtaler Familien belegt. "Im Jahr 1601 taucht urkundlich zum ersten Mal ein Valentin Salcher unter der Adresse ,Salach 1' auf. Von diesem Ursprung konnten bis zum Jahr 1900 genau 401 weitere Salcher nachgewiesen werden. Vermutlich waren es viel mehr, da nicht alle Salcher urkundlich erwähnt wurden." Der Name ist auch im Gailtal verbreitet.
Kuckuck & Salweide
Der Name "Salcher" ist ein schönes Beispiel für einen weiteren Aspekt von Familiennamen: deren Herkunft und Bedeutung. Salcher leitet sich ab vom Ort Salach und das bedeutete einen Ort, an dem viel Salhen (Salweiden) stehen. Der im Lesachtal ebenfalls häufige Name Guggenberger geht auf Guggenberg zurück, ein Berg, auf dem viele Kuckucke leben. Ableitungen wie Ober- und Unterguggenberger bedeuten nicht, dass ein Hof ober oder unter Guggenberg liegt. "Häufiger haben mehrere Söhne geerbt, und um sie zu kennzeichnen, gab es die Namenserweiterungen", erklärt Eichert.
Orte und Geländeformationen gehören zu den häufigsten Grundlagen von Familiennamen. In seiner augenfälligsten Form hat sich das in der Osttiroler Gemeinde Hopfgarten erhalten, denn deren Bürgermeister heißt Franz Hopfgartner.
Diese Übereinstimmung ist erstaunlich, denn die Vorläufer der Familiennamen im heutigen Österreich entstanden schon vor über 800 Jahren, so Heinz Dieter Pohl, universitärer Sprachprofessor im Ruhestand.
Zur Zeit ihrer Entstehung und Jahrhunderte danach entsprachen Namen dem Leben der Bezeichneten. "Doch von dem Moment, da die Familiennamen urkundlich festgehalten sind, ist die Entwicklung der Familiennamen abgeschlossen.
Manchmal zielten die Namen auch auf Eigentümlichkeiten ihrer Träger. Ein in Kärnten unverdächtiges Beispiel ist der norddeutsche Pirat Störtebeker. Den Namen Stürzenbecher gibt es auch auf Deutsch und überträgt die Trinkfreude des Namens-Ahnherrn für Generationen auf seine Nachgeborenen.
Obwohl: Eigentlich schade, dass es das nicht mehr gibt. Was könnte man sich für die zweifelhaften Promis unserer Welt für Namen ausdenken . . .
Features
Kärntner Namen
Rennweg: Dulling, Lackner, Peitler, Ramsbacher, Genser
Gmünd und Malta: Feistritzer
Metnitztal: Rauchenbald
Großkirchheim: Suntinger, Granig
Lesachtal: Guggenberger, Oberguggenberger, Lexer, Salcher
Mölltal: Sauper
Liesertal: Pleschberger
Drautal: Staber, Niedermüller
Gegendtal: Unterköfler, Köfler
Gurktal: Rossmann, Pertl, Huber
Lavanttal: Steinkellner, Stickler, Vallant


















