Bezirks- und Gemeindesuche
Krach macht immer mehr Kärntner krank
Lärm entwickelt sich zunehmend zur Belastung für Geist und Körper. 28 Prozent der Kärntner fühlen sich in ihrer Wohnung durch Lärm belästigt. Lärmquelle Nummer 1 ist der Straßenverkehr.

Foto © FotoliaLärm kann bei andauernder Belästigung zu Tinnitus, Bluthochdruck oder sogar Herzinfarkten führen
Das klingt nicht gut - 28 Prozent der Kärntner fühlen sich in ihrer Wohnung von Lärm belastet. Damit nicht genug: "Ich gehe davon aus, dass wir auf dem Weg zur 24-Stunden-Gesellschaft sind und deshalb mit einer Ausdehnung der Lärmbelastung rechnen müssen. Die Ruhezeiten werden weniger", sagt Hans-Peter Hutter von der Medizinischen Universität Wien.
Weil Lärm nicht nur nervt, sondern auch krank macht, hat das Land Kärnten jetzt eine Infobroschüre zum Thema Lärm und Gesundheit herausgegeben. Darin wird erklärt, wie das Gehör funktioniert, wie Lärm auf das Gehörnorgan und die Gesundheit einwirkt, und was jeder Einzelne tun kann, um Lärm zu vermeiden.
Außerdem wurde erhoben, welchen Lärmquellen die Kärntner unvermeidbar ausgesetzt sind. Am meisten fühlen sich die Kärntner vom Verkehr gestört. Mit 63 Prozent wird der Straßenlärm als häufigste Ursache für Ärger genannt. Ebenfalls aufs Trommelfell schlagen Baustellen und der Lärm aus Nachbarwohnungen; rund zehn Prozent der Kärntner beschweren sich darüber. Relativ gering ist überraschenderweise die Lärmbelästigung durch Lokale und Freizeiteinrichtungen, nur zwei bis drei Prozent fühlen sich dadurch gestört. Insgesamt hat die Lärmbelastung seit den 70er-Jahren zwar abgenommen, seit 2003 ist sie aber wieder am Steigen. "Lärm ist omnipräsent. Jeder vierte junge Erwachsene hatte schon mit Hörproblemen zu tun. Außerdem wird mit einer Verdopplung der Schwerhörigkeitsfälle in den nächsten 20 Jahren gerechnet", sagt Hutter. Er bringt den Lärmstress auch mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkte und Tinnituserkrankungen in Verbindung.
"Die gesundheitlichen Auswirkungen von Umweltlärm werden nach wie vor unterschätzt", sagt Gesundheitsreferent Peter Kaiser (SPÖ) und fordert alle Politikbereiche auf, im Rahmen ihrer Möglichkeiten für Ruhe zu sorgen. Verkehrsplanung, Raumordnung und Wohnbau sollen mit Bedachtnahme auf den Lärmschutz durchgeführt werden. Die Broschüre "Lärm und Gesundheit" ist bei Bürgermeistern, in den Bezirkshauptmannschaften, bei Amtsärzten und niedergelassenen Ärzten oder unter Tel. 050 536 15052 erhältlich.
So vermeiden Sie zu viel Lärm
Am Arbeitsplatz: Gewerbe- oder Industrielärm kann zu den stärksten Belastungen überhaupt zählen. Lärmbedingte Schwerhörigkeit ist die häufigste Berufskrankheit. Gehörschutz am Arbeitsplatz sollte deshalb Standard sein.
Zu Hause: Nicht nur Lärm, sondern auch Nachbarschaftsstreit kann vermieden werden, wenn man darauf achtet, "leise" Haushaltsgeräte zu kaufen, große Geräte wie die Waschmaschine auf gepolsterte Unterlagen stellt und den Kühlschrank mit etwas Abstand zur Wand aufstellt.
Im Straßenverkehr: Eine ruhige Fahrt hat man mit lärmarmen Reifen, bei langsamerer und niedertouriger Fahrweise und wenn man unnötige Beschleunigungsvorgänge vermeidet. Kurze Wegstracken sollten mit dem Rad oder zu Fuß zurückgelegt werden.
In der Freizeit: Jugendliche sollten Musik über Kopfhörer nicht mit voller Lautstärke hören, um der Gefahr einer Lärmschwer-hörigkeit zu entgehen. In die Disco am besten nur mit geeignetem Hörschutz.
Im Allgemeinen: Die Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr sowie Sonn- und Feiertage gelten als Ruhezeiten. Lärmende Tätigkeiten sollten da vermieden werden. Das gilt auch für Zeiten "erhöhter Ruheerwartung", wie mittags.
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Hans-Peter Hutter rechnet mit mehr Lärm Foto © APA/Hautzinger


















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