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Zuletzt aktualisiert: 17.09.2011 um 20:57 UhrKommentare

"Mit dem Schicksal kokettiert man nicht"

Am Sonntag wird bei einer Galapremiere in Velden erstmals "Der Mann mit dem Fagott", die Familiengeschichte von Udo Jürgens, in Österreich präsentiert. Udo hielt sein Buch eigentlich für unverfilmbar.

Udo Jürgens: stolz auf David Rott, der ihn als jungen Mann darstellt

Foto © APUdo Jürgens: stolz auf David Rott, der ihn als jungen Mann darstellt

Es ist die Geschichte einer deutschen Familie im europäischen Wahnsinn des 20. Jahrhunderts. "Die Hauptrolle spielt das Jahrhundert - nicht ich", sagt Udo Jürgens über den TV-Zweiteiler "Der Mann mit dem Fagott". Udo selbst hat zwar kurze Auftritte, die als Rahmenhandlung dienen, seine Karriere wird jedoch nur bis zum Song-Contest-Sieg erzählt (großartig und zum Verwechseln ähnlich: David Rott als junger Udo). Der Fokus in den rund 200 Minuten liegt auf den verschlungenen Wegen der Bockelmanns. Ausgangspunkt: Udos Großvater lockte eine russische Weise, die ein Mann auf dem Fagott spielte, von Bremen nach Moskau.

Bei der Präsentation des Zweiteilers in Deutschland schien es fast, als ob Sie sich kleiner machen wollen, als Sie sind.

UDO JÜRGENS: Ich bin nicht so wichtig, dass es einen Film über mich geben muss. Die Verfilmungsidee kommt ja auch nicht von mir. Ich habe immer gesagt: Dieses Buch ist unverfilmbar. Außer man macht fürs Fernsehen so etwas wie "Fackeln im Sturm", also 15 Folgen über eine längere Zeit. Ich dachte, zwei Weltkriege abzubilden, sprenge den finanziellen Rahmen.

Ist die Verfilmung gelungen?

JÜRGENS: Sie berührt mich sehr. Ein großes, ernstes Ergebnis. Bei diesen unglaublichen Schauspielern habe ich etliche Male mit den Tränen gekämpft. Mir wurde es fast unheimlich, da die Szenen genauso sind, wie ich sie in meiner Kindheit erlebt habe. Ich hatte ja ein unglaublich warmes Verhältnis zu meinen Eltern. Die Verfilmung hat in mir wieder vieles aufgeschaukelt.

Was kann man Ihrer Karriere jetzt eigentlich noch aufsetzen?

JÜRGENS: Das weiß ich nicht. Ich plane nie weit voraus. Ich werde nie ein Abschiedskonzert geben, nie ein Abschiedslied schreiben - das ist für mich alles Koketterie mit dem Schicksal. Und mit dem Schicksal kokettiert man nicht! Das Schicksal wird mir den Flügel von meinen Händen wegschieben, dann werde ich begreifen, dass die Zeit vorbei ist.

Arbeiten Sie bereits an einem zweiten Buch?

JÜRGENS: Ja, es sind Kurzgeschichten, inspiriert von Stefan Zweig. Ich bin unendlich glücklich, dass ich mir die auch mit Bitternis behaftete Zeit des Altwerdens erleichtern, veredeln und verschönern kann. Durch das, was ich mit Begeisterung tue, setze ich mir selbst Glanzlichter.

Das war ganz am Beginn anders: Für Ihren ersten Plattenvertrag mussten Sie doch Lieder aufnehmen, die Sie gar nicht wollten?

JÜRGENS: Ja, meine Produzenten in den 50ern gaben mir Lieder voller Klischees. Es ging um Italien, Seemänner, Cowboys. Das war der Geist der Zeit, der Künstler hatte nichts zu entscheiden. Ich musste das singen, das war mein Vertrag. Meine erste Liebe Gitta sagte: "Du verrätst dich! Komponiere selbst!" Gott sei Dank wurden diese Lieder nicht groß, bekamen keine Freddy-Quinn-Dimension, sonst wäre ich nie zu dem geworden, der ich bin.

Apropos Liebe: Die innigste Liebe haben Sie aber zu keiner Frau, sondern zu dem Klavier, wie es auch im Film zur Sprache kommt?

JÜRGENS: Ja, dazu muss ich stehen. Ein Besessener, ob Musiker oder Maler, muss meistens sein Privatleben, seine Partner opfern.

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