Bezirks- und Gemeindesuche
Telekom-Razzia auf Kärntner Alm
In seiner Kolumne "Chefetage" schreibt Adolf Winkler dieses Mal über die Hausdurchsuchung im Almhaus des Ex-Telekom-Managers und "Kronzeugen" Gernot Schieszler in der Innerkrems.

Foto © Elke Mayr/WBGernot Schieszler, in Innerkrems gefilzt
Kein alltäglicher Auftrag für die Polizeibeamten des Postens Rennweg: Auf gerichtliche Anordnung mussten sie ein Almhaus in der Innerkrems zuerst amtlich versiegeln. Denn Hausherr Gernot Schieszler weilte im Ausland. Erst nach der Rückkehr des Ex-Telekom-Managers rückten die Ermittlungsbeamten dann in dessen Anwesenheit zur Hausdurchsuchung auf die Kärntner Alm aus.
Die Fahnder suchten in Schieszlers Almhaus nach Belegen für den Korruptionsfall, der seit Tagen die Schlagzeilen beherrscht: die mutmaßliche Kursmanipulation, die Telekom-Managern Super-Prämien einbrachte, sowie Millionenzahlungen der Telekom über die Agentur Peter Hocheggers . Auf die Telekom und auf Schieszler, der inzwischen als Kronzeuge auspackt und auf Strafmilderung hofft, war man nach der Hausdurchsuchung bei Hocheggers Lobbyfirma Valora AG gekommen.
Die Liste der ins Ermittlungsvisier geratenen Politiker und Lobbyisten ist inzwischen ein Who's who der einstigen schwarz-freiheitlichen Regierungskoalition. Von Ex-Vizekanzler Hubert Gorbach (BZÖ), der abstreitet, 264.000 Euro bekommen zu haben, bis zu Waffenlobbyist Alfons Mensdorff-Pouilly, der rund um die Auftragsvergabe des Blaulichtfunknetzes 2004 unter Ex-ÖVP-Innenminister Ernst Strasser laut "profil" bis zu 3,7 Millionen Euro kassiert haben könnte.
In einem Kärntner Duell liegen Blaue und Orange, wer Verantwortung hat für angeblich 600.000 Euro der Telekom an die 2010 stillgelegte BZÖ-eigene "Orange Werbeagentur GmbH". BZÖ-Obmann Josef Bucher schloss für sein "BZÖ Neu" jede Unregelmäßigkeit aus, über noch nachvollziehbare 300.000 Euro will er mit einer Sachverhaltdarstellung voll mit der Korruptionsstaatsanwaltschaft kooperieren. "Die damals handelnden Personen, wie Generalsekretär Uwe Scheuch und Bundesgeschäftsführer Arno Eccher, sind heute bei der FPÖ. Das ist System FPÖ und hat mit dem BZÖ-Neu unter meiner Führung nichts zu tun", sagt Bucher. Eccher hat Geldflüsse von der Telekom ausgeschlossen.
Im Jahresabschluss 2010 der Orange Werbeagentur scheint ein Bilanzverlust von 1,6 Millionen Euro auf und Manfred Stromberger als ein Geschäftsführer. Er war auch Geschäftsführer der stillgelegten FPK-Agentur Connect, für deren Layout-Beratung und Auftragsbeschaffung sich die Korruptionsstaatsanwaltschaft seit Monaten interessiert. Fairerweise ist anzumerken, dass Stromberger, der als FPK-Landtagsabgeordneter zurücktrat, mit Telekom-Geld an die Orange-Agentur nichts zu tun haben kann. Das floss im Sommer 2006, ihn holte Jörg Haider erst später als Bundesgeschäftsführer nach Wien. Ähnlich könnte das System sein. Für alle gilt die Unschuldsvermutung.


















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