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Zuletzt aktualisiert: 07.08.2011 um 05:10 UhrKommentare

Traum & Albtraum im Siedlungsraum

Der Klimawandel und der steigende Wunsch nach Nutzflächen stellen Land und Behörden vor neue Herausforderungen. Viele Behörden arbeiten gemeinsam daran, die Wirkungen von Muren, Lawinen, Hangrutschungen, Wildbächen und Hochwasser vorherzusehen und möglichst gering zu halten

Drau-Hochwasser 1991. Hundertprozentig sicher ist kein Ort in Kärnten. Daher kommt es auf das richtige Risikomanagement an

Foto © HYDROPOWERDrau-Hochwasser 1991. Hundertprozentig sicher ist kein Ort in Kärnten. Daher kommt es auf das richtige Risikomanagement an

Wenn die Natur den Menschen zeigt, wer der Stärkere ist, müssen die Schwächeren zusammenhalten. Das tun sie auch: Viele Landesabteilungen und Behörden arbeiten gemeinsam daran, die Wirkungen von Muren, Lawinen, Hangrutschungen, Wildbächen und Hochwasser vorherzusehen und möglichst gering zu halten.

Zwei Kräfte verschärfen die ohnehin bestehenden Risiken: der Klimawandel und die Raumentwicklung. "Pro Sekunde wird ein halber Quadratmeter Naturland in Nutzfläche umgewandelt - statistisch gesehen", sagt Norbert Sereinig, Leiter der Schutzwasserwirtschaft und Mitglied des interdisziplinären Teams gegen Naturgefahren. Doch nur ein knappes Viertel Kärntens ist besiedelbar, daher ist abzusehen, dass die Raumnutzung immer öfter in Konflikt mit gefährdeten Flächen kommt.

Druck macht auch der Klimawandel. "Bis 2050 wird die mittlere Temperatur um 1,5 Grad steigen", weiß Sereinig, "um ebenso viel wie von 1970 bis heute." Damit steigt die Wahrscheinlichkeit für Trockenheit, Wassermangel, Dürre, Waldbrandgefahr. Zugleich wird die Verschiebung der Niederschläge in den Winter erwartet, öfter auch als Regen.

Alpine Tornados

Experten unterscheiden zwischen harten und weichen Fakten. Harte Fakten sind unwiderlegbare Messungen, Statistiken, Berechnungen, welche die Grundlage von Gutachten und behördlichen Entscheidungen sind. Weiche Fakten hingegen sind Überlegungen und Spekulationen, welche Auswirkungen die harten Fakten haben dürften. So etwa steht für die Fachleute fest, dass es mehr gefährliche "alpine Tornados" geben wird, also regionale Windhosen mit erheblicher Zerstörungskraft. Doch die Experten halten sich mit Aussagen über Extremereignisse als Folge des Klimawandels zurück, weil es nur - wenn auch realistische - "Prophezeiungen" wären.

Innerhalb von 30 Jahren hat sich der Gebäudebestand in Kärnten von 105.000 auf 165.000 um mehr als die Hälfte vergrößert. "Mit dem Siedlungsdruck steigt das Konfliktpotenzial", sagt Sereinig. Er weiß von "leichtfertigen Baubewilligungen, bei denen die Gemeinde denkt: Nicht optimal, aber machen wir's halt." Das kann bewusst geschehen, aber auch daran liegen, dass die Gemeinde selbst nichts vom Risiko weiß, das ein Grundstück bedroht. "Die Gemeinden sind verpflichtet, alle Daten über Naturgefahren in ihre Flächenwidmungspläne und örtlichen Entwicklungskonzepte hineinzunehmen", so Sereinig. "Wir wollen ihnen dabei helfen, indem wir ihnen optimale Unterlagen zur Verfügung stellen und sie auf Wunsch beim Risikomanagement beraten."

Fehler können teuer werden, wenn es etwa um Haftung bei Schäden in roten gefährdeten Zonen geht. Unabhängig davon rät Sereinig jedem Grundstückskäufer, sich über das Internet im Kärnten Atlas über die Belastung der Fläche zu informieren.

JOCHEN BENDELE

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