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Zuletzt aktualisiert: 02.05.2011 um 21:15 UhrKommentare

Prügelorgien für ein paar Euro

Immer mehr Raubüberfälle finden im Jugendmilieu statt. Die Täter werden immer jünger. Drogen und Alkohol sind die Hauptursachen. Polizei startet neue "Aktion scharf".

Die Schläger werden immer brutaler und rücksichtsloser

Foto © Fotolia/Simon EbelDie Schläger werden immer brutaler und rücksichtsloser

Prellungen, Blutergüsse und das Gefühl, jederzeit wieder Opfer brutaler Schläger werden zu können. Das ist die Bilanz einer "Fortgehrunde" in Klagenfurt für drei Schüler im Alter zwischen 16 und 17 Jahren aus Straßburg, Pusarnitz und Ossiach. Am Montag gegen 4 Uhr früh wurde das Trio am Heiligengeistplatz von zwei Jugendlichen angepöbelt. Kurze Zeit später schlugen die unbekannten Burschen auf die Schüler ein. Zwei der Opfer mussten ihre Brieftaschen aushändigen. Der Inhalt: insgesamt rund 100 Euro. Beim Kriminaldienst des Klagenfurter Stadtpolizeikommandos herrscht seit dem Wochenende Alarmstufe Rot. Vier Raubüberfälle auf offener Straße in drei Nächten - dass gab es schon lange nicht.

Am Montag rief Stadtpolizeikommandant Eugen Schluga zu einer Strategiebesprechung: "Wir werden Maßnahmen setzten, die für jeden Bürger deutlich sicht- und spürbar werden", versichert Kriminalreferent Wolfgang Pittino. Verstärkte Streifen, Ausweiskontrollen, Leibesvisitation und noch einiges mehr, über das aus "kriminaltaktischen Gründen", wie Pittino formuliert, nicht gesprochen wird.

Fakt ist: Straßenräuber werden immer jünger. Die Altersgruppe 15 bis 20 ist am stärksten vertreten. Mädchen ziehen als Täter mit Burschen gleich. Und: Der Zug zur hemmungslosen Gewalt nimmt beängstigende Ausmaße an. Haupttriebfeder, um Handtaschen zu entreißen, Passanten niederzuschlagen und krankenhausreif zu prügeln, ist die Sucht nach Geld - egal, mit welchen Folgen. Es sind vor allem Süchtige, die jeden Cent für Drogen und Alkohol brauchen. "Sich zudröhnen um jeden Preis", sagt Wolfgang Pittino, sei für immer mehr Jugendliche, die keinen Schulabschluss haben und nicht arbeiten, eine Art "Überlebenstriebfeder."

Keine Einsicht

Die Schuldeinsicht bei ausgeforschten Tätern ist gering. Die Angst "im Knast" zu landen, ist gleich null. "Es ist unbestritten, dass Sucht eine Krankheit ist und behandelt gehört. Alle Institutionen, die auf diesem Gebiet arbeiten, sind unverzichtbar und verdienen volle Unterstützung. Sucht kann und darf aber nicht zum Freibrief für rohe Gewalt sein", so der erfahrene Kriminalist. Das deutsche Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" widmet in seiner aktuellen Ausgabe die Titelgeschichte den "Kindern der Finsternis". Dabei wird auch der Vorstoß der CDU/FDP-Fraktion diskutiert, Maximalstrafen bei Jugendlichen von derzeit 10 auf 15 Jahre Gefängnis zu erhöhen.

Zudem soll es für Wiederholungstäter Schnupperwochen hinter Gittern geben. Der Warnschussarrest mit einer Maximaldauer von vier Wochen soll junge Schläger mit Bewährungsstrafen spüren lassen, welchem Schicksal sie gerade noch einmal entronnen sind. Psychologen sind über die Wirkung skeptisch.

PETER KIMESWENGER, WOLFGANG ZEBEDIN

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