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Zuletzt aktualisiert: 29.03.2011 um 05:10 UhrKommentare

Keine Angst vor zu viel Strahlung

Der Reaktorunfall in Japan verunsichert viele Kärntner. Gibt es auch bei uns erhöhte Radioaktivität? Muss ich beim Lebensmittelkauf aufpassen? Experten beruhigen.

Egon Rauter, Katastrophenschutzbeauftragter Land Kärnten

Foto © KKEgon Rauter, Katastrophenschutzbeauftragter Land Kärnten

Kernschmelze, weit überhöhte Radioaktivität, verstrahltes Wasser, kontaminierte Lebensmittel. Die nukleare Katastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima wird nicht unter Kontrolle gebracht. Die Auswirkungen auf Kärnten sind glücklicherweise weiter überschaubar.

In Österreich wird radioaktive Strahlung mit einem Frühwarnsystem, das 335 Stellen und zehn Luftmonitorstationen umfasst, gemessen. "Die mehr als 40 Messstellen in Kärnten und Osttirol haben in den vergangenen Wochen keine Auffälligkeiten gezeigt", sagt der Kärntner Katastrophenschutzbeauftragte Egon Rauter. Derzeit wird natürliche Strahlung registriert, die zwischen 70 und 200 Nanosievert pro Stunde (nSv/h) liegt. "Bei über 300 nSv/h wird über Landesalarm- und Warnzentrale alarmiert."

Montagabend wurden am Sonnblick 174 nSv/h gemessen, 86 nSv/h waren es in Villach. Wie erklärt sich dieser Unterschied? "Das Granitgestein in diesem Gebiet enthält viel Kalium-40, das erhöht die natürliche Strahlung deutlich", erklärt Strahlenschutzexperte Oliver Unterweger. Auch starke Regenfälle oder Blitzschläge können zu erhöhten Messwerten führen. Gesundheitsgefährdend wird die Strahlung ab 1000 Millisievert pro Stunde.

Reaktorunfall in Tschernobyl

Nach dem Reaktorunfall in Tschernobyl vor 25 Jahren verzehnfachten sich die Normalwerte. Die Folgen sind heute noch messbar, vor allem im Lavanttal. "Bei Pilzen und Wildfleisch gibt es zum Teil leicht erhöhte Radioaktivität, weil Waldböden nicht so leicht auswaschen." Schuld ist das Kernspaltprodukt Cäsium 137, das eine "Halbwertszeit von 30 Jahren" hat. "Aber man müsste hunderte Kilo Schwammerl essen, um eine gesundheitliche Auswirkung zu haben", sagt Unterweger, "besser wäre es wohl, auf die eine oder andere Röntgenstrahlung zu verzichten."

Bei japanischen Lebensmitteln wurden bisher "keine Probleme" festgestellt, erklärt Gesundheitsminister Alois Stöger. "Alle Lebensmittel, die aus Japan und Nachbarländern kommen, werden auf radioaktive Strahlung überprüft." Japan ist kein wichtiger Lieferant für Österreich, pro Jahr werden Waren im Wert von etwa 3,5 Millionen Euro importiert - hauptsächlich Tee, Saucen, Gewürze und getrocknete Pilze. Fisch aus Japan ist in unseren Supermärkten eine Seltenheit.

WOLFGANG FERCHER

Strahlen-Infos

Strahlenmessung. Auf www.umweltnet.at oder im Teletext (Seite 623) sind die aktuellen Werte von über 100 Messstationen in Österreich abrufbar. Die gemessene Strahlung ist großteils natürlichen Ursprungs.

Informationen zu den Auswirkungen des Atomunfalls und Schutzmaßnahmen in Österreich sind auf www.ktn.gv.at und www.lebensministerium.at zusammengefasst. Das Innenministerium hat unter 059-133 9500 eine Hotline eingerichtet.

Foto

Foto © FF St. Veit/Glan

Bild vergrößernStrahlenspürtupp der FF St.Veit/Glan ist für den Ernstfall gerüstetFoto © FF St. Veit/Glan

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