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1911 waren Frauen nur Randfiguren
Am 8. März jährt sich der Frauentag zum 100. Mal. Wer wissen will, warum viele Frauen mehr als bedient sind, sollte schauen, wie sie am 8. März 1911 in Kärntner Zeitungen vorkamen.

Foto © KKBöse Blicke gegen das mehr als gerechte Anliegen der Frauenwahlrecht-Streiterinnen. In Kärntner Zeitungen wurden nur brave Frauen respektiert
Männer regieren die Welt, machen Geschäfte, begehen Verbrechen und geben zu allem ihren wichtigen Senf. Und die Frauen? Oh weh! Das beweisen sogar die Ausgaben von "Klagenfurter Zeitung", "Kärntner Tagblatt" und Kärntner "Freie Stimmen" vom 8. März 1911, exakt 100 Jahre vor dem heurigen Frauentag-Jubiläum.
Sehr beliebt ist die Frau als Opfer: Königin Elisabeth von Rumänien liegt mit Influenza "in ernstem Zustand" im Bett. Ein hoch verschuldeter Richter fasst eine Disziplinarstrafe aus, obwohl "er sich nachher durch eine reiche Heirat saniert" hat. Geschäftsfrau Anna Solath in der Klagenfurter Kramergasse werden "besonders frech" 1000 Kronen gestohlen. Frau Muthowska (60) stürzt in Wien von der "unbeleuchteten Theaterrampe und bleibt mit zerschmettertem Schädel tot auf dem Pflaster liegen". Ein Referendar erschießt ein "bedienstetes Mädchen, weil es das Liebesverhältnis lösen wollte. Kaufmann Pilling in London soll seine Frau vergiftet haben, will aber bei der Aufklärung helfen. Mutter und Tochter der gutbürgerlichen Wiener Gesellschaft werden von slawischen Studenten belästigt. Ein Dienstmädchen (15) verschwindet beim Kirchgang.
Gelobt werden Frauen nur für Treue, Moral, Wohltätigkeit. So gilt Konstantinopel als Hochburg des Feminismus, weil dort monatlich 2000 Exemplare von "Die Mehasin" erscheinen. Die Zeitung soll "das geistige und sittliche Niveau der ottomanischen Frau heben" und wird "von der Frauenwelt am Goldenen Horn mit bemerkenswertem Eifer und höchstem Interesse studiert". Die junge Britin Olive Mac Leed lässt sich nicht "von der letzten Pflicht gegen ihren verstorbenen Bräutigam abbringen", nämlich den gefährlichen Ort am Tschadsee aufzusuchen, wo er "als Märtyrer der Wissenschaft und Opfer seiner Kühnheit" von Schwarzen getötet wurde. Ein Ball bringt tausende Kronen an Spenden: Dank gebühre den "Damen", die dafür gearbeitet haben und "so wieder ein neues Blatt einflochten in den Ruhmeskranz, den Klagenfurts Frauen und Mädchen sich um völkische Arbeit schon erwarben. Heil ihnen!"
Nur in Anzeigen gleichberechtigt angesprochen
Scheinbar gleichberechtigt angesprochen werden Frauen nur in Anzeigen. Da sollen sie - schön, schlank und hochgewachsen - Sunlight Seife nehmen und sich - Gott behüte! - bloß keinen "unaechten Franck-Kaffee" andrehen lassen. In Stellenanzeigen werden natürlich eine "nette Bedienerin", ein "besseres Mädchen für alles" oder "Extramädchen fürs Büro" gesucht.
Man kann nicht nur Frauen ausbeuten, sondern auch mit Frauen andere Männer. Das zeigt ein verdächtiges Inserat, das aufregende, schwerreiche, junge Frauen für die schnelle Heirat anpreist: "Ernste Antr. v. Herren (auch ohne Vermögen) an . . ."
Schluss mit lustig ist, wenn's ans Eingemachte geht, also an das, was die Frauen selbst wollen. Kämpferinnen für das Frauenwahlrecht werden misshandelt, eingesperrt und lächerlich gemacht. Selbst der harmlose Wunsch nach Hosenröcken weckt Aggressionen, von denen gleich zwei Kärntner Zeitungen berichteten. Am 6. März 1911 hat der Hosenrock in Wien Premiere. "Die betreffende Dame wurde mit Pfui!-Rufen und scharfen Bemerkungen verfolgt" und in die Flucht gejagt. Es war die "Probiermamsell eines der ersten Wiener Kleidersalons, die für die neue Mode Reklame machen wollte". In Prag führt der Hosenrock zu "Krawallen", in Budapest müssen mutige Trägerinnen vor "höhnischen Zurufen" fliehen.
Opfer von Viren, Schicksal und Gewalt. Heldinnen im Dienst des Mannes und der Gemeinschaft. Direkt angesprochen nur als Konsumentin. Lächerlich-böse, wenn sie eigenen Willen zeigen: die Frauen in drei Kärntner Tageszeitungen am 8. März 1911.
Waren das nicht putzige Zeiten? Heute leisten Frauen Haus-, Familien- und Erwerbsarbeit und verdienen um die Hälfte weniger als Männer. Das ist genauso ungerecht - ohne dass "JemandIn" demonstriert.




















