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Talent schlägt Herkunft
Ismail Kiyak hatte eigentlich keine Chance: Das Schulsystem erkannte seine kreativen Fähigkeiten nicht. Erst dank der Hilfe von Pro Mente beginnt er eine steile Karriere als Designer.

Foto © KKErste Arbeiten von Ismail Kiyak
Andere Leute sind froh, wenn sie zu uns nach Österreich kommen dürfen, und was machst du? Du sitzt hier nur faul herum!" Die Worte seines Hauptschullehrers klingen Ismail Kiyak noch heute in den Ohren. Diese wenig motivierende Standpauke markiert einen Tiefpunkt in seiner Schulzeit. Diese Tiefen hat er aber mit Hilfe von anderen und aus eigener Kraft überwunden. Jetzt steht der 21-jährige Klagenfurter mit türkischen Wurzeln kurz vor der Erfüllung seines großen Traums: der Matura.
Lange Zeit schien dieses Ziel unerreichbar. Mit einem Jahr kam Ismail mit seiner Familie aus dem kurdischen Teil der Türkei nach Kärnten. Seine Eltern waren bald geschieden, mit 13 Jahren musste er als ältester Junge seinen beiden Geschwistern das "Oberhaupt" der Familie geben. Seine Mutter sprach kaum Deutsch, er begleitete sie auf allen Amtswegen und Besorgungen. "Das hätte ich auch gemacht, wenn ich nicht der älteste Bruder gewesen wäre. Für mich war es selbstverständlich, meine Familie zu unterstützen. Ich fühlte mich nicht durch Tradition dazu verpflichtet - da habe ich wohl eine andere Mentalität als meine Artgenossen." Ismail spielt darauf an, dass unter Kurden der traditionelle Ehrbegriff oft ins Extrem getrieben wird. "Das habe ich relativ locker genommen, ich hatte keine Scheu, alleine meinen Weg zu gehen. Mir war klar, dass ich immer selbst für meine Situation verantwortlich war."
Familiäre Verpflichtungen
Seine schulische Situation leidet allerdings unter seinen familiären Verpflichtungen. Statt den Unterricht zu besuchen, kümmert er sich um seine Mutter, versucht, die Familie finanziell zu unterstützen. Im Zeugnis schlägt sich das nieder, die schlechten Noten verursachen Stress zu Hause. Ismail sieht keine Chance für eine weitere Schulkarriere und ein Studium. Er beginnt, eine Lehrstelle zu suchen.
Schwierig. Sein Migrationshintergrund kommt bei den Betrieben nicht gut an, dabei hätte er "alles gemacht". Seine Schulzeugnisse verstärken den negativen Eindruck. Ismail landet über das Berufsförderungsinstitut beim Wifi-Technikzentrum. Die 150 Euro, die er dort pro Monat bekam, gingen zum überwiegenden Teil an die Familie - um die 60 Euro behielt er.
Dass Ismail Talent hat, fiel in der Berufsschule ebenso wenig auf wie in der Hauptschule. "Mit elf Jahren habe ich begonnen, zu zeichnen. Seitdem wollte ich eigentlich einen kreativen Beruf ergreifen." Seine besondere handwerkliche Begabung lag lange brach und wird erst wertgeschätzt, als er die "letzte Chance" ergriff - beim Arbeits- und Qualifizierungsprojekt von Pro Mente Kärnten. Die Abteilung für Kinder, Jugend und Familie von Pro Mente kümmert sich mit den Projekten "Works" und "Lehre" um Jugendliche, die unter normalen Umständen keine Chance auf dem Arbeitsmarkt hätten.
Kleine Kunstwerkes
Ismails Betreuer, Hans-Jörg Miklautz, erkannte schnell, dass in seinem Schützling großes Potenzial liegt. "Schon in der zweiten Woche, in der Ismail bei uns war, wurde sein Talent offensichtlich", sagt Miklautz, während er stolz durch Ismails gesammelte Werke in der Pro Mente-Werkstatt führt. Die kleinen Metallkunstwerke lassen schon darauf schließen, dass in Ismail mehr steckt als ein Schweißer. Miklautz war klar, dass Ismail gefördert werden muss; er vermittelte ihn an die HTL Ferlach. Dort besucht Ismail derzeit ein Kolleg für Objektdesign, für das man eigentlich eine Matura oder eine künstlerische Ausbildung braucht. Die Ferlacher waren aber sofort von Ismails Fähigkeiten begeistert und übernahmen ihn ohne Aufnahmeprüfung in das Kolleg. Dort kann er neben einem Diplom auch noch die Matura nachholen. Nächstes Jahr im Frühling steht seine Reifeprüfung an.
"Ich konnte mir nie vorstellen, dass ich einmal studieren werde. Jetzt überlege ich schon, an welcher Uni ich mich bewerben soll." Zur Auswahl stehen Architektur an der Uni für angewandte Kunst oder ein künstlerisches Studium in London. Möglich wurde das, "weil es doch Menschen gab, die an mich geglaubt haben. Ihnen bin ich unendlich dankbar."
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Erste Arbeiten von Ismail KiyakFoto © KK
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Erste Arbeiten von Ismail KiyakFoto © KK


















