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Kärntens Sparvereinskassen sind zuerst leer
Advent ist Zahltag. Zumindest gilt das für die Sparvereine, die zu dieser Zeit ihre Kassen leeren. Gut 20 Millionen Euro steckten heuer im Kasten.

Foto © TraussnigDer Sparvereinskasten im Klagenfurter Gasthaus Pirker wird neu befüllt
Ein wenig Überraschung ist doch dabei: So ganz genau weiß man schließlich nie, wie viel Geld tatsächlich im Kuvert stecken wird. Dabei geht es gar nicht um Glücksspiel, ganz im Gegenteil: Das Sparen im Sparverein ist wohl so ziemlich das Konservativste, was man mit seinem Geld anstellen kann. Nichtsdestotrotz ist das gemeinsame "Eineschmeißen" nicht aus der Mode zu bringen: 2010 steckten die Kärntner über 20 Millionen Euro in die Kästen an den Gasthauswänden und Vereinslokalen.
Boom bei Betriebssparvereinen
Einen besonderen Boom verzeichnen in Kärnten gerade die Betriebssparvereine. "Das betriebliche Sparen liegt im Trend, wir haben in letzter Zeit Zuwächse von bis zu fünf Prozent", sagt AK-Präsident Günther Goach. In seiner Funktion als Landesvorsitzender des "Verband Österreichischer Sparvereine" (VÖS) hat Goach den Überblick über die rund 300 Sparvereine, die vom VÖS betreut werden. Genau 28.735 Kärntner Sparer haben in der vergangenen Saison 15,8 Millionen Euro angespart. Hinzukommen noch einmal 57 Millionen Euro in längerfristigen Anlagen, sogenannten "Sparpools", dazu. Damit liegen die Kärntner im Mittelfeld, was ihre Sparfreude betrifft. Eine Ausnahme stellen sie aber dennoch dar: "Die Kärntner sind die einzigen, die zu Jahresende ihr erspartes Geld wieder herausholen kommen. In allen anderen Bundesländern bleibt das Ersparte viel länger liegen", sagt Goach. Dieses Kärntner Spezifikum erklärt sich Goach damit, dass Kärnten ein Land mit geringem Durchschnittseinkommen ist. Deshalb brauchen die Kärntner gerade in der Weihnachtszeit mehr Mittel, um flüssig zu bleiben. Goach ist selbst Mitglied in einem Betriebssparverein. 50 Euro legt er dafür jeden Monat zurück. Und was macht er mit dem Ersparten? "Am Jahresende kauf ich mir eine Schikarte."
Lobby für Sparer
"Sparen ist wieder modern. Schließlich hört man dieses Wort in jedem zweiten Satz von Finanzminister Josef Pröll", sagt Leopold Abraham. Er ist der Österreich-Präsident des VÖS und vertritt mit mehr als 260.000 Mitgliedern die meisten Sparer des Landes. 3800 Sparvereine kommen in diesem Verein unter einem Dach zusammen, gemeinsam haben sie über Vereine und Gemeinschaftskonten rund zwei Milliarden Euro auf der hohen Kante. Keine Kleinigkeit, deshalb spielt der VÖS auch eine gewichtige Rolle in der Vertretung von Sparerinteressen. "Wir sind derzeit in Verhandlungen mit unserer Partnerbank, der BAWAG, um eine Erhöhung der Sparzinsen zu erwirken. Ende des Jahres sollte ein Ergebnis herausschauen", gibt sich Abraham optimistisch. Das Verhandlungsergebnis des VÖS habe auch Auswirkungen auf das generelle österreichische Zinsniveau. Denn was der größte Vertreter von Sparern für seine Mitglieder erreicht, habe Signalwirkungen für andere Banken. "Wenn wir eine Erhöhung durchsetzen, wären wir österreichweit tonangebend."
Derzeit werden Sparer ja links liegen gelassen von den Banken, das Zinsniveau ist nach wie vor äußerst gering. "Sparen ist derzeit nicht wirklich attraktiv, dabei sind die Spareinlagen eine wichtige Stütze des Bankensystems - sie sorgen für Stabilität." In Zeiten von Finanzkrisen und krachenden Banken also kein unwesentlicher Faktor.


















