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Kärnten radelt dem Boom hinterher
Andere Regionen machen mit Radtouristen ein gutes Geschäft. In Kärnten gibt es (fast) keine Radkarten, Lücken im Wegenetz und eine desaströse touristische Vermarktung.

Foto © Millstätter See Tourismus GmbHIn Kärnten gibt es wunderschöne Radwege (wie hier am Millstättersee), aber es fehlt an der Vermarktung und an Radkarten
Als 1987 die Rad-Weltmeisterschaft am Faaker See veranstaltet wurde, war die Euphorie groß. Das Image des Radlandes Kärnten, so hieß es, werde davon profitieren, Gäste würden scharenweise in die WM-Region radeln, Kärnten einen Radboom erleben. Mittlerweile sind 23 Jahre ins Land gezogen. Niemand kann sich an die Rennen am Faaker See erinnern, andere Bundesländer, wie das Burgenland, Salzburg oder Niederösterreich, sind Kärnten davon geradelt. Denn wie immer haperte es an der Nachnutzung. Von einem lückenlosen Radwegenetz in Kärnten keine Spur. Es gibt zwar schöne Radlerstrecken, wie den 300 Kilometer langen Drau-Radweg von Toblach nach Marburg, die Strecke um den Millstätter See, den Lavanttal-Radweg oder den Karnischen Radwanderweg, doch der Rest ist lückenhaft. Mit den Mountainbikestrecken sieht es überhaupt traurig aus. Neben Strecken in den Nockbergen wird eine einzige Strecke zwischen Klagenfurt und Villach ausgewiesen.
Verschläft den Bikeboom
"Kärnten verschläft den Bikeboom völlig", bedauert der Tourismusberater Manfred Kohl. Denn wenn es einen touristischen Megatrend der letzten Jahre gegeben hat, dann war es Radfahren und Mountainbiken. "Im Bregenzer Wald hat man 400 Kilometer Mountainbikestrecke beschildert und versichert", nennt Kohl ein Beispiel. Im Pinzgau drückt man den interessierten Gästen ein dickes Buch mit 38 Mountainbikestrecken in die Hand, mit GPS-Anleitung und Tipps für Wirtshäuser und Radlertreffs. "Kärnten würde sich ideal als Radland eignen, doch die Vermarktung funktioniert nicht einmal in Ansätzen", kritisiert Kohl. Ob sich der Rückstand je wieder aufholen lässt, bezweifelt der Tourismusfachmann.
Keine Radkarten
"Am Gardasee wird ein Drittel der Nächtigungen mit den Bikern gemacht", nennt auch der Chef der Tourismusbank Franz Hartl ein Beispiel und zieht Vergleiche mit dem Wörthersee. "Hier gibt es nur einen schlecht beschilderten Bikerweg am Techelsberg, geschweige denn ordentliche Radkarten." Über die einzige Radkarte, die die Kärnten Werbung zur Verfügung stellt, können Profis nur lachen: zwar Radwege, aber bar jeder Beschreibung, geschweige denn mit GPS-Koordinaten.
Ein Dilemma für Kärntens Radzukunft ist die zweigeteilte Kompetenz: Der Ausbau des Radwegenetzes fällt in das Straßenbaureferat von Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK), die Beschilderung und touristische Vermarktung ist bei Josef Martinz (VP) angesiedelt. Beide beeilen sich, einander auszurichten, was der andere verabsäumt hat. "Kärnten hat ein ausgezeichnetes Radwegenetz. Ich lasse mir nicht nachsagen, dass ich etwas verabsäumt habe," sagt Dörfler. "Das Radwegenetz ist nur in Fragmenten vorhanden, daher ist es schwer zu vermarkten. Das Wichtigste ist der Lückenschluss," kontert Martinz. Er hat einen Mitarbeiter immerhin beauftragt, ein längst fälliges Mountainbikeangebot zu erstellen.
Das größte Hindernis ist die fehlende Versicherung. Grundbesitzer weigern sich, Biker über ihre Wege fahren zu lassen, wenn sie für Unfälle haften müssen. Das Land Tirol hat bereits eine flächendeckende Versicherung für Mountainbiker abgeschlossen. Ein Vorbild für Martinz. Kärnten Werbung Chef Christian Kresse will nun das leidige Thema in die Hand nehmen. "In ein bis zwei Jahren haben wir das erledigt", verspricht er. Ein Ziel: einheitliche Beschilderungen wie auf Autobahnen. Gemeinden und Regionen werden in die Pflicht genommen. Das Beispiel Oberdrautal zeige, wie ein perfekter Radweg funktioniert.


















