Bezirks- und Gemeindesuche
Geld für Suchthilfe wird gekürzt
In der Drogenambulanz werden 330.000 Euro eingespart. Wer weiß, wie es den Betroffenen geht und ihnen helfen will, findet das schlimm. 1500 Menschen in Kärnten sind opiatabhängig.

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Drogenabhängige haben keine Lobby. Meistens am Rande der Kriminalität, körperlich zerstört, getrieben von der Jagd nach der nächsten Dosis. Und immer gibt es für sie etwas Wichtigeres als Freunde, Eltern, Kinder, Familie: die Droge. Wenn man also, wie die Kärntner FPK/ÖVP-Koalition, bei ihnen 330.000 Euro einspart - wen kümmert's? Zum Beispiel die Medizinerin Brigitte Prehslauer, Leiterin der Drogenkoordination und Sozialmedizin des Landes. "Dass wir ein Viertel unserer Ressourcen verlieren, tut mir leid. Für die Patienten, weil sie dadurch diskriminiert werden und ihr persönliches Leiden größer wird. Und für die Gesunden und die Gesellschaft, denn sie müssen nun einmal die Folgekosten und Folgeschäden dieser Einschränkung tragen."
Tendenz bei Opiatabhängigkeit steigt
1500 Menschen in Kärnten sind opiatabhängig, Tendenz steigend. Um sie kümmern sich vor allem die Drogenambulanzen Klagenfurt und Villach mit Anlaufstellen in Spittal und Völkermarkt. In den Einrichtungen arbeiten Allgemeinmediziner, klinische Psychotherapeuten, Sozialarbeiter, Jugend- und Erwachsenenpsychiater sowie Pflegepersonal. Klingt aufwendig, ist aber notwendig. "Man braucht eine Diagnose, muss die Lebensumstände der Leute kennen, ob sie Hilfe im sozialen Umfeld haben. Sind sie noch nicht so lange abhängig, setzen wir auf Abstinenz, sonst auf Substitution oder es wechselt. Bei manchen ist es für ambulante Hilfe zu spät, sie haben stationären Bedarf", erklärt Prehslauer. Viele probieren Drogen, die meisten hören wieder auf, einige werden abhängig, weil sie an psychiatrischen Erkrankungen leiden. Dann ist Drogensucht keine Ursache, sondern ein Symptom. Man könnte seitenweise weiterdifferenzieren, was sich langweilig liest, aber für Betroffene lebensentscheidend sein kann.
Verlängerte Wartezeiten
Was bedeuten die Kürzungen für die Drogenopfer? "Dass sich die Wartezeiten verlängern und die Motivation verloren gehen kann. Dass die Angehörigen von Drogenkranken länger leiden. Dass sich Symptome und Krankheit weiter verfestigen." Ihnen geht es oft schlechter, als man ahnt: Kopfschmerzen, Kater, Untergangsstimmung, Geldsorgen, Krankenstand, Streit. Prehslauer: "Wer abhängig ist, spürt die positive Wirkung der Drogen nicht mehr. Er will nur noch den Entzugsschmerz verhindern." Prehslauer wünscht sich, jeder könnte einmal einen betreuten mit einem unbetreuten 40-jährigen Drogenabhängigen vergleichen, um zu erkennen, wie groß der Unterschied ist. Deshalb wünscht sie sich auch, dass man mehr für Drogenkranke tun kann. "Sicher wäre es nie genug. Aber jede Investition zahlt sich vielfach aus - für die Betroffenen, für die Gesellschaft und jawohl: Es rechnet sich sogar."
Gesundheitspolitiker Peter Kaiser hat festgestellt, "dass in meinen Sprechtagen immer mehr Eltern, Partner, Freunde oder Kinder von Drogenabhängigen Hilfe brauchen". Drogenvorbeugung, -beratung und -therapie dürften nicht an 330.000 Euro scheitern.
Features
Suchtmittel
Opiate dominieren nach wie vor laut Gesundheitsministerium den problematischen Drogenkonsum. In Suchthilfe-Betreuung befindet sich aber auch eine große Gruppe an Personen, die hauptsächlich Cannabis konsumieren.



















