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Mit Glas, Glanz und Gloria
Am 27. Juni startet der außergewöhnliche Villiglas-Neubesitzer Philipp Daniel Merckle in Pörtschach durch: mit Musik, Glaskunst, Lichtermeer und weißem Wundertier.

Foto © KLZ/KoscherDas neue Kino mit Villiglas-Fassade
Schon andere Unternehmer sind daran gescheitert, am Wörthersee und in Kärnten Fuß zu fassen. Gunther Sachs' Wiederbelebung des Schlosses Velden blieb ebenso folgenlos wie bisher Frank Stronachs Engagement in Maria Wörth. Dass Klaus Jacobs (Kaffee) vor Jahren den Nationalpark Hohe Tauern aufmischen wollte, ist vergessen.
Taugt der Wörthersee nur als Rückzugs-Biotop für Reiche? Philipp Daniel Merckle, kurz PDM, sagt "Nein" und will das beweisen. "Man wächst in Themen hinein, muss Entscheidungen treffen und macht seine Erfahrungen": Was PDM früher zur Kleinen Zeitung sagte, könnte Grundformel seines Lebens sein.
Sein Vater Adolf leitete viele Jahre die schwäbische Unternehmerdynastie Merckle. Im Jänner 2009 warf sich der Ex-Chef des zusammengekrachten Konzerns mit dem Herz ratiopharm vor einen Zug. Sein Tod bedeutete: "Die Krise kann jeden erwischen, sogar die Unbesiegbaren."
Übergröße und Eigendynamik des Konzerns empfand PDM früh als Belastung. Profit ohne Ziel und Verantwortung tragen den Untergang in sich. "Wir stehen vor der klassischen Verwirtschaftung all dessen, was uns als Kulturnation wichtig sein muss - anything goes und es geht eben abwärts: mit unserer Moral, mit unserem Glauben, mit unserer Zuversicht." Merckle hält dagegen: mit Ehrlichkeit, Vertrauen in Mitarbeiter, ihre Kreativität und ihr Verantwortungsbewusstsein.
PDM kaufte den Kärntner Glasfliesenproduzenten Villiglas in Sittersdorf und setzt auf Handwerk und Qualität, wobei ihm Glasfliesen in ihrer "Transparenz und Klarheit" besonders liegen.
Am 27. Juni 2010 treten PDM, Mitarbeiter und Villiglas in die Öffentlichkeit. Der Unternehmer hat die Baumgartner-Villa mit dem Werzer-Kino am Monte Carlo-Platz in Pörtschach gekauft und zu einem Prachttempel umgestalten lassen. Glasfliesen außen, zwei Kinosäle und Bühne innen, helle freundliche Räume für Ausstellungen und Beratungen zum Thema Glas.
Die Eröffnung, die von 14.30 Uhr bis nach Mitternacht dauert, ist wie eine geistig-kulturelle Visitenkarte des Unternehmers. Es beginnt mit einem Tag der offenen Tür. Um 16 Uhr wird das Künstleratelier im Glasanbau eröffnet. Um 18 Uhr geht es wieder nach innen, wo eine kleine Show-Manufaktur unterhaltsame Phasen der Glasproduktion zeigt.
Um 21 Uhr können 1000 Bürger und Urlauber bereitgestellte Kerzen entzünden, um den Monte Carlo Platz bis zum See zu erleuchten. In dieser Stimmung erscheint die "Windsbraut", ein Schimmel, der der Magie des Ortes, dem Aufbruch und den Zukunftshoffnungen eine mythische Gestalt geben soll.
Um 22 Uhr hat der erste Film im Villi-Kino Premiere: die erst vor Kurzem rekonstruierte Urfassung von "Metropolis", dem Meisterwerk von Fritz Lang.
Mit diesem Fest beginnt der nächste "Lebensabschnitt" des Werzer-Kinos und Monte Carlo Platzes. Dabei zeigen "der Doktor" Philipp Daniel Merckle und sein Team ironisches Traditionsbewusstsein: "Parallel zu den Filmkunstwochen mit Raritäten alter Filmmeister sind die alten ,Karl-Spiehs-Schinken' zu sehen."
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"Profit ohne Verantwortungs-gefühl führt in den Untergang. Auch das zeigt die Krise", sagt Philipp Daniel Merckle und geht - nicht zuletzt in Pörtschach - andere, neue WegeFoto © KK
"Profit ohne Verantwortungs-gefühl führt in den Untergang. Auch das zeigt die Krise", sagt Philipp Daniel Merckle und geht - nicht zuletzt in Pörtschach - andere, neue WegeGrafik © KK
Das Kino - Der Platz
Werzer-Kino. Besitzerfolge: Familie Werzer (bis 1937), Aichler (bis 1980), Gemeinde, dann Filmproduzent Carl Spiehs. Im Vorjahr stand es vor dem Aus.
Monte Carlo Platz. Geprägt von Rainer's (Husar) Bar (1983 bis 2007). Zu ihm kamen Gäste wie Ayrton Senna, Alain Prost, Sylvester Stallone, die Flicks . . .



















