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Zuletzt aktualisiert: 17.03.2010 um 19:58 UhrKommentare

"In Spittal wird es keinen Job für sie geben"

Schichtschluss bei Gabor. Wie Mitarbeiter das Ende der Kärntner Schuhindustrie aufnehmen, ihre Zukunft planen, und was Kunden über den eben erst gestarteten Sonderverkauf zum 50-jährigen Firmen-jubiläum denken.

Die letzten Sonnenstrahlen verschwinden hinter dem Goldeck, als die Digitaluhr an der Einfahrt 16.40 Uhr anzeigt. Schichtschluss bei Gabor.

Früher, vor zehn Jahren, hieß es noch Schichtwechsel. Da kamen Hunderte Leute ins Werk und lösten andere Hundertschaften an den Maschinen ab. Jetzt sind es noch 170 Personen, die hier ihr Brot finden - und auch das nur mehr bis zum 30. Dezember. Dann schließt die letzte Kärntner Schuhfabrik endgültig ihre Tore. "Keineswegs überraschend", wie eine Mitarbeiterin beim Verlassen des Betriebsgeländes erklärt. "In den letzten Jahren drehte sich ja alles nur mehr um die Frage, wann der Standort aufgegeben wird. Jetzt herrscht wenigstens Klarheit."

Ungeklärt ist die Zukunft der Arbeitnehmer. Heute soll bereits eine Arbeitsstiftung präsentiert werden. "Aber was zählt das schon?", fragt ein Ehemann, der mit seinem Sohn am Tor wartet. "Wann kommt die Mama?", will der Vierjährige mit den strubbeligen blonden Haaren wissen. "Welchen Job soll meine Frau hier finden?", fragt sein Vater. Mit 16 habe seine Frau hier zu arbeiten angefangen. Abgesehen von der Karenz und ein paar Monaten in einer anderen Fabrik war sie immer Gabor-Mitarbeiterin. "In Spittal wird es keinen Job geben für sie."

"Nicht günstig genug"

Zwei Frauen mit großen Gabor-Taschen unter den Armen passen nicht ins Bild. Sie lassen ihren Kopf nicht hängen, huschen nicht rasch zu ihren Autos wie das Gros, sondern unterhalten sich angeregt und lachen. "Wir waren gerade beim Abverkauf", erzählen die Mittvierzigerinnen. Gab's wenigstens ein Schnäppchen? "Nicht wirklich. Für meine kleinen Füße Größe 35 hab' ich überhaupt nichts gefunden." Und überhaupt: "Dafür, dass das ein Abverkauf ist, sind die Modelle nicht gerade günstig." 30 bis 60 Euro würde ein Paar Schuhe kosten, Stiefel kämen gar auf 80 Euro. "Das ist schon teuer, erst recht, wo es fast keine Auswahl gibt." Die Schließung des Werkes freilich ist "schade, wirklich schade. Aber man kennt ja die Konsumenten: Die wollen alles ganz günstig haben." Auf der gegenüberliegenden Straßenseite wirbt eine Diskont-Schuhkette mit Schnäppchenpreis von 24,90 Euro.

Vesna Popovi ist eine von rund 130 Frauen, die hier ihre Arbeit gefunden haben. Damals, 1993, als sie aus ihrer ursprünglichen Heimat flüchten musste, bot sich der Job an. Jetzt überlegt sie, ob es nicht klüger gewesen wäre, sich um einen Job als Hochbautechnikerin zu bemühen. "20 Jahre nach der Matura ist es dafür freilich viel zu spät." Schon bei den letzten Kündigungen rechnete sie damit, unter denen zu sein, die gehen müssen, als gestern Firmenchef Achim Gabor ins Werk kam, war es Gewissheit.

Geo-Tec als Hoffnung

Ein kleiner Lichtblick für die Arbeitnehmer ist die aufgemalte Sonne an der Nachbarhalle, das Firmenlogo des Solarpaneele-Produzenten Geo-Tec. Geschäftsführer Klaus Mischensky hat sich nicht nur in den Lagerhallen von Gabor eingemietet, sondern auch schon Dutzende Mitarbeiter übernommen und ist voll des Lobes über die Genauigkeit der gelernten Schuhmacher. Mit einer zweiten Schicht würden zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Doch daran denkt jetzt noch niemand. Bis Jahresende gibt es eine Arbeitsplatzgarantie für die Mitarbeiter, verspricht Firmenchef Gabor. Wer früher gehen will, mit dem einigt man sich einvernehmlich. Der Rest geht am 30. Dezember, bei Schichtschluss um 16.40 Uhr.

HELMUT STÖFLIN, THOMAS CIK

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