Bezirks- und Gemeindesuche
Missbrauchsvorwürfe und Gewalt auch in Lienz
Ossi Huber und Arno Wiedergut erlebten Ende der 60er Jahre Gewalt am Bundeskonvikt in Lienz. Andere hätten sexuellen Missbrauch erlitten.

Foto © HatzDas Heim in Lienz wurde 2003 stillgelegt. In der Hochzeit gab es 312 Zöglinge
"Den Rucksack trägst du dein ganzes Leben mit." Ossi Huber und Arno Wiedergut, beide 55, waren in den späten 60er Jahren Internatsschüler im Bundeskonvikt in Lienz, das keine kirchliche Einrichtung war und 2003 geschlossen wurde. Der Bericht der Kleinen Zeitung über Gewalt-Missbrauch im Bischöflichen Seminar in Tanzenberg war für sie Anlass, jetzt öffentlich über das Erlebte zu reden. Schleusen haben sich geöffnet. "Die Fahrt nach Lienz als 10-Jähriger und auch später, "diese Hilflosigkeit, ein zusammengeschnürter Hals", erinnert sich Wiedergut. Schläge für Nichtigkeiten mit einem starken Vierkantholz, Faustwatschen mit blutigen Folgen; zur Bestrafung sonntägige Bergtouren bis zur Erschöpfung samt Schwächlings-Beschimpfung für jene, die nicht mehr konnten.
"Man will das ganze Leben stark sein, stärker als man ist", zeigt Wiedergut eine Folge aus der Internatszeit auf. Er ist in der fünften Klasse nach einem provozierenden Text "geflogen", Huber wurde durch den plötzlichen Tod seiner Mutter von der Schule genommen. Ein Trauma wurde durch ein anderes abgelöst.
Die Erzieher waren weder Ordensleute noch Priester, sondern die Professoren vom Vormittagsunterricht. Gewalt, sadistische Züge waren auch hier an der Tagesordnung. "Das Ärgste aber waren zweifellos die Fälle von sexuellem Missbrauch, mit denen wir als Zwölfjährige konfrontiert waren. Ich erfuhr von Übergriffen an vier Buben", so Wiedergut. Lienz hat er lange Zeit verdrängt, seit zehn Jahren spricht er mit Huber darüber, der sich seit Jahren vieles von der Seele geschrieben hat. Jetzt wollen sie mit ihrem Schritt an die Öffentlichkeit "Ventil für andere sein, sich helfen zu lassen, darüber zu reden."
















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